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Die Alpener Jugendburg steht aus Ruinen auf - theoretisch

Alpens Wahrzeichen : Jugend forscht über Alpens Jugendburg

Angehende Techniker haben sich am Berufskolleg in Oberhausen mit dem einstigen Wahrzeichen der Gemeinde auseinandergesetzt. Sie gehen der Frage nach, was heute beim Wiederaufbau baurechtlich zu beachten wäre.

Die Jugendburg ist im Herbst 1968 – vor mehr als einem halben Jahrhundert also – abgerissen worden. Doch die Erinnerung an das einstige Wahrzeichen des Ortes ist bis heute lebendig. Jetzt haben zwei junge Männer die damals weit ins Land hinein bekannte Jugendherberge für sich neu entdeckt. Dennis Laupert und Gordon Konradi absolvieren die Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker in der Fachrichtung Hochbau am Hans-Sachs-Berufskolleg in Oberhausen. Ihr Lehrer ist Christian Rous aus Alpen, scheidender Vize-Vorsitzender im Förderverein Motte. Auf Rous’ Anregung haben Laupert und Konradi sich dazu entschieden, die Jugendburg zum Gegenstand ihrer Projektarbeit zu machen.

Die Studierenden haben sich mit der spannenden wie reizvollen Frage beschäftigt, wie ein Wiederaufbau der Jugendherberge Alpen heute bau- und planungstechnisch realisiert werden könnte. Die Schwierigkeit besteht darin, die besondere Architektur des Gebäudes mit den heutigen Ansprüchen an Komfort und Ausstattung sowie mit den jetzt geltenden baurechtlichen Vorgaben in Einklang zu bringen. So ist zum Beispiel ein Schlafsaal für eine Jugendherberge nicht mehr zeitgemäß.

Die Arbeit der angehenden Techniker ist noch nicht beendet. Als erste Arbeitsergebnisse sind unter anderem Baupläne erstellt worden. Am heutigen Dienstag möchten Dennis Laupert und Gordon Konradi dem Förderverein für Denkmalpflege und Geschichte in Alpen ihre bisherigen Arbeitsergebnisse vorstellen. Die Mitgliederversammlung beginnt um 19.30 Uhr im Gasthof Zum Dahlacker.

Die Alpener Jugendherberge ist unvergessen. Postkarten trugen den Ruf Alpens damals weit ins Land hinein. Foto: Gemeindearchiv

Die als Musterherberge konzipierte Anlage ist 1928 eröffnet worden. Architekt war Rudolf Kuckelmann aus Homberg. Er orientierte sich am damals modernen Bauhausstil und erregte damit zunächst Entrüstung bei vielen eher konservativen Heimat- und Naturschützern. Doch schon bald entwickelte sich die Herberge mit ihren rund 140 Betten in schöner Höhenlage auch wegen des herrlichen Blicks auf die niederrheinische Landschaft zu einer der gefragtesten Adressen in der Region. Durch ihren zum Schutz gegen die Witterung Anfang der 30er Jahre aufgetragenen weißen Putzmantel war sie als Landmarke weithin sichtbar. Auch als Tagungsstätte war die Jugendburg gut gebucht.

Bereits 1933 ergriffen die Nationalsozialisten Besitz von der Jugendburg und funktionierten sie um zur Gebietsführerschule für die Hitlerjugend, nutzten sie später während des Krieges als Funkleitstelle im Vorhof des nahen Militärflughafens Bönninghardt. In den letzten Kriegswochen wurde das Haus von den Alliierten eingenommen. Dwight D. Eisenhower, Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte, bestieg am 24. März 1945 die oberste Plattform des stufenartig angelegten Gebäudes, um von dort aus die Rheinüberquerung der alliierten Truppen zu beobachten.

Nach dem Krieg bot die Jugendburg Flüchtlingsfamilien eine bescheidene Herberge. In den folgenden Jahren wurde sie wieder zur Anlaufstelle für die wandernde Jugend und mit dem neuen Anstrich ein Hingucker, der im Wirtschaftswunder-Deutschland seine Blüte erlebte. Doch der Landschaftsverband Rheinland, seit 1953 alleiniger Inhaber, konnte sich nicht zu einer nachhaltigen Sanierung durchringen, die den Bestand gesichert hätte. Rund 100.000 DM seien dafür notwendig gewesen, schreibt Dieter Schauenberg im Alpen-Lexikon. So war das einst stolze Haus dem Verfall überstellt und wurde schließlich abgerissen. Darüber sind alte Alpener noch heute traurig.