Rheinberg: Deutschlands neue Dichter im Kultpool

Rheinberg: Deutschlands neue Dichter im Kultpool

Der Poetry-Slam-Wettstreit am Amplonius-Gymnasium im Rahmen des MAP-Budenzaubers sorgte für ein volles Haus.

Der Samstagabend gehörte im Rheinberger Amplonius-Gymnasium den Poetry-Slammern. Der MAP-Budenzauber lud dazu in den Kultpool der Schule ein. Volles Haus - schon das sollte eine positive Nachricht sein, auf die Wortwitz, Selbstironie wie auch die kritische Analyse zur eigenen Person und der Welt folgten. Für den Eisbrecher sorgte außerhalb der Konkurrenz Lara Jackowiak. Käppi, rot-kariertes Hemd - Lara legte dar, wie ein Niederwallacher im "Outback", also im Niemandsland zwischen Büderich und Borth umgeben von 13 Häusern lebt. Die Beziehung zur City, sprich Rheinberg, sei gefestigt. Der Bericht aus der "Wallachei" sorgte für jede Menge Spaß. Lara entführte geschickt in eine Welt, wo Männer einfach nur "Theo" heißen und Bewohnern die Gummistiefel an den Füßen festwachsen. "Hier kennt man sich persönlich", so ihr Fazit.

Nicht der Pkw-Besitz sei dort ausschlaggebend, sondern die Anzahl an Fahrrädern wie Treckern. Riesenapplaus gab es für die Hommage an den Ort, in dem Lara wohnt. Zugleich erklärte Moderator Björn Gögge die Spielregeln des Wettbewerbs, bei dem es ausschließlich um Ruhm und Ehre geht. Bereits im Vorfeld fand am Gymnasium ein zweitägiger Workshop statt, also Poetry-Slam rund um die Uhr, gesponsert von der Sparkasse am Niederrhein. Partner für den Workshop wie auch für den Wettbewerb im Kultpool ist die Agentur "WortLaut-Ruhr" aus Bochum. Seit Jahren ist das Team in der Szene unterwegs, arbeitet mit Schulen und anderen Einrichtungen zusammen. Die Agentur bietet entsprechend Slam-Kunst-Schaffende, macht Shows und bietet Fortbildungen für Lehrer an. Um die 150 Veranstaltungen sind es im Jahr.

Umso spannender der Abend, als sich aus dem Teilnehmerkreis des Workshops Akteure mit ihren aktuellen wie auch älteren Texten zur Poesieschlacht auf die Bühnen stellten. "Wir haben eine Poetry-Slam AG bei uns an der Schule", sagte dazu Schulleiter Marcus Padtberg. Jugend, ihrer Sprache, dem Lebensgefühl und ihrer Alltagspoesie ein Forum mit eigener Welt zu geben, sei wichtig.

  • Rheinberg : Schöne "Tapeten" für das MAP-Haus

Nach entsprechender Vorgabe sollte Franziska Rother für den Startschuss sorgen. Ihr Thema im Beitrag "Klappe zwei" galt den Selbstzweifeln, dem Finden der Persönlichkeit und der Selbstbestimmung im Leben ganz nach dem Motto: "Wacht auf, gebt den Menschen einen Raum." Florian Stein, angereist aus Bochum, hatte etwas "zeitlos Schönes" im Gepäck. Eine so genannte Auftragsarbeit, wie er erklärte. Dabei ging es um das Leben im Alter. Momente, die ein Pfleger beim Besuch der weißhaarigen Bewohnerin Magdalena erlebt. Die Baerlerin Phoebe Hauk setzt sich mit rechtsextremen Gedankengut kritisch auseinander - mit dem Fazit: "Ein Nazi sein lohnt sich nicht." Sozialkritisch ging es bei Miedy Mahmodi weiter. "Mein Papa hat nicht aufgehört zu kämpfen", so die Slammerin. Der Kampf ihres Vaters galt der gesellschaftlichen wie beruflichen Integration. Schließlich habe er als Ernährer der Familie Verantwortung, auch wenn er als 57-Jähriger nach der Umschulung als Busfahrer im Niedriglohnbereich arbeiten will.

Um einen Hut drehte sich der Beitrag der jungen Rheinbergerin Jantje Schäfer. Nach der Pause folgten auf der Bühne der Rheinberger Lennard Hoffmann, Max Gebhard aus Berlin und Katrin Peters aus Rheinberg. Bis zu zehn Punkte gab es jeweils von den Jurymitgliedern aus dem Publikum. Hinzu kam der Klatschfaktor. Das Finale erreichten Max Gebhard, Miedy Mahmodi und Florian Stein. Den Sieg teilten sich verdient auf dem ersten Platz am Ende Stein und Gebhard.

(RP)
Mehr von RP ONLINE