Rheinberg: Der Lover kocht auf kleiner Flamme

Rheinberg : Der Lover kocht auf kleiner Flamme

"Der letzte der feurigen Liebhaber" war in Rheinberg komplett ausverkauft.

Am Freitag war er noch in der ZDF-Serie "SOKO Leipzig" zu sehen, am Sonntag stand Martin Lindow dann im Stadthaus auf der Bühne in der Komödie "Der letzte der feurigen Liebhaber" von Boulevard-Altmeister Neil Simon, und zwar vor ausverkauftem Haus. Doch mehr als Achtungsapplaus war nicht drin.

Meist ist US-Autor Neil Simon ein Garant für gute Unterhaltung, man denke an "Barfuß im Park". Doch "Der letzte der feurigen Liebhaber" hat Längen. Ende 1969, bei seiner Uraufführung in New York, mag das Stück die Zuschauer von den Sitzen gerissen haben. Die sexuelle Revolution war in vollem Gange und schockierte damals ehrbare Bürger. Auch das Thema midlife crisis war noch nicht wie heute in sämtlichen Facetten durchgespielt. Da brachte es das Publikum noch wirklich zum Lachen, wenn ein Mann wie der von Lindow verkörperte biedere Fischrestaurant-Besitzer Barney Cashman glaubt, nach 23 Ehejahren etwas verpasst zu haben. "Das Leben hat alles getan, um mich komplett zu ignorieren", sagt er.

Damit es nicht dabei bleibt, lädt er drei sehr unterschiedliche Frauen ein. Ausgerechnet auf der Klappcouch im Apartment seiner Mutter hofft er auf den gelungenen Seitensprung, der ihm für den Rest seiner Tage das Gefühl geben soll, nicht nur existiert, sondern gelebt zu haben. Schon die Wohnung mit den pinkfarbenen Wänden und dem Telefon im rosa Plüschbezug signalisiert, dass Barneys Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt sein werden, und das nimmt dem Stück von vornherein die Spannung.

Die verheiratete Elaine - trinkfest, Kettenraucherin, im engen schwarzen Minikleid und zu schnellem Sex entschlossen - ist entschieden zu forsch für den spießig-soliden Barney, der es sich kuschelig vorgestellt hat. So gestaltet sich das Treffen der beiden so verschiedenen Charaktere durchaus komisch, und ein paar Mal ernten Martin Lindow und die glaubhafte femme fatale Sabine Kaack Szenenapplaus.

Lindow vor allem, wenn er seine Hände mit Duftspray bearbeitet und immer wieder an seinen Fingern riecht, mit denen er in seinem Fischrestaurant jeden Morgen Austern und Muscheln öffnet. Hätte er den Barney Cashman nicht durch gekonntes Übertreiben auf Klamauk getrimmt, wären die Lacher spärlicher ausgefallen.

Den zweiten Akt hätte, wäre er gestrichen worden, wohl kaum jemand wirklich vermisst. Diesmal hat Barney eine erfolglose junge Schauspielerin auf dem Egotrip, die er zufällig im Park kennengelernt hat, in Mutters Apartment geladen. Nicht nur, dass Marie Anna Suttner als durchgeknallte Bobbi, die nicht Sex, sondern Bewunderung sucht, stimmlich nicht immer durchdringt - Bobbis Hotpants sowie die Joints, die sie sich durchzieht, waren 1969 noch shocking, heute regen sie höchstens noch zum Gähnen an. So nimmt es nicht Wunder, dass nach der Pause einige Stühle unbesetzt bleiben.

Der dritte Akt lebt von Sabine Kaack, die diesmal als Jeanette im knielangen, hochgeschlossenen Chanelkostüm, in flachen Schnürschuhen und mit Handtasche daherkommt - ganz das Gegenteil von Vamp Elaine. Gekonnt persifliert die Schauspielerin die betrogene, depressive Vorstadt-Hausfrau, die sich an ihrem untreuen Ehemann rächen will, aber genauso wenig zum Seitensprung in der Lage ist wie Barney.

Der kommt schließlich zu dem Schluss, dass er mit seiner Gattin gut bedient ist. Was dem Zuschauer bereits nach fünf Minuten klar war. Regisseur Ulrich Stark hat normalerweise ein gutes Händchen bei der Auswahl von Drehbüchern und Stücken - dieses Werk von Neil Simon hätte er aber besser in der Mottenkiste belassen.

(RP)