Alpen: Den Wert der Region schätzen lernen

Alpen : Den Wert der Region schätzen lernen

Am Sonntag findet am Alpener Ratsbongert das 5. Streuobstwiesenfest statt - inklusive eines ökumenischen Freiluft-Gottesdienstes. Regionalität und Nachhaltigkeit liegen im Trend, sagt Christian Chwallek vom Nabu-Landesverband.

Die Geschichte des Alpener Ratsbongerts ist eine Geschichte der Einmütigkeit. Als Christian Chwallek, Nabu-Aktivist und damals Fraktionsvorsitzender der Alpener Bündnisgrünen, 2010 den Vorschlag machte, als Gemeinderat gemeinsam eine Streuobstwiese am Ortsrand anzulegen, gab es parteiübergreifend nur Zustimmung. Und auch die Verwaltung um Bürgermeister Thomas Ahls zog mit, ist also ebenfalls originärer Teil dieses Projekts. 2011 wurden die ersten Obstbäume an der B 58 zwischen Rathausstraße und Dahlackerweg gesetzt, zwei Jahre später wurde das erste Streuobstwiesenfest gefeiert. Dessen fünfte Auflage steht nun am Sonntag an. Das vielseitige Programm kann sich auch diesmal wieder sehen lassen und wird tausende Menschen aus der Region anlocken.

"Ich habe den Ratsbongert damals weniger als Naturschutzfläche konzipiert, sonder mehr als pädagogisches Element, über das Menschen an für die Region typische Lebensmittel herangeführt werden", erklärt Christian Chwallek. Der 59-Jährige ist inzwischen stellvertretender Vorsitzender des Nabu-Landesverbandes. "Der Ratsbongert bietet Obstsorten, die schon seit Jahrzehnten aus den Auslagen der Supermärkte und Discounter verschwunden sind. Ganz ohne Pestizide gereift." Obst aus dem Supermarkt, das müsse man wissen, sei mehrfach mit der chemischen Keule behandelt worden, bevor es in den Einkaufswagen kommt.

So sei das Streuobstwiesen-Fest in erste Linie eine große Werbeaktion für Regionalität. "Das liegt voll im Trend", sagt Chwallek. "Die Wege sind kürzer, das spart CO2. Die Menschen, die zu uns kommen, genießen das Angebot, diese Vielfalt, sehr bewusst, lassen sich teilweise zwei Stunden Zeit für einen Rundgang über den ebenso bunten wie schmackhaften Markt der Möglichkeiten. Chwallek: "Hier kann man Naturschutz hautnah erleben." Rund 50 Stände wird es geben. Auch wenn die Apfelernte in diesem Jahr katastrophal schlecht ausgefallen ist, so wird doch die Hausmosterei des Naturschutzbundes vor der Gaststätte Dahlacker stehen; dort kann man mitgebrachtes Obst zu Saft pressen lassen. Chwallek: "Immerhin fällt ja die Birnenernte dieses Mal gut aus."

Zwei Imker werden ihre Naturprodukte ausstellen, bei "Heidemilch" gibt es Käse aus der Dingdener Heide, zudem Fleischprodukte von den "Bunten Bentheimer Bioschweinen". Trinken kann man unter anderem Walter Bräu aus Walter Hüsges' Büdericher Hausbrauerei. Auch Naturkost Büsch aus dem Kreis Kleve ist mit Bio-Gemüse dabei.

"Es gibt viele gute Ansätze, sich am Niederrhein mit regionalen Produkten zu versorgen", sagt Christian Chwallek. Und er freue sich, dass Ideen wie die "Solidarische Landwirtschaft" von Rheinberg aus realisiert werden. Auch steige die Zahl der Milchtankstellen. Der Organisator: "Die Menschen wollen sich bewusster ernähren. Sie wollen wissen, wo die Produkte herkommen." Dabei dürfe man nicht verhehlen, dass diese Produkte etwas teurer seien und sie sich nicht jeder leisten könne.

Alpen wird also am wiederum letzten Sonntag im September erneut zum Mittelpunkt für Regionalvermarktung und Nachhaltigkeit. Ob Gewürze, Kräuter oder Trockenobst, die Präsentation alter Geflügelrassen, die Nabu-Greifvogelstation, Informationsstände und ein Kunsthandwerkermarkt werden sicherlich auch dieses Jahr zahlreiche Besucher vom gesamten Niederrhein und dem Ruhrgebiet anziehen. Zahlreiche Essens- und Getränkestände und Live-Blues von der bekannten Band "Old Love" (von 15 bis 17 Uhr) laden zum Verweilen und Genießen ein. Das Streuobstwiesenfest dauert von 11 bis 17 Uhr.

Erstmals findet beim Streuobstwiesenfest ein ökumenischer Gottesdienst anlässlich des Luther-Jubiläums statt, der um 11 Uhr auf dem östlichen Areal des Ratsbongerts (Richtung Rathausstraße) beginnt. Zum Lutherjahr 500 Jahre Reformation ist ein gemeinsamer Gottesdienst der katholischen und evangelischen Kirchen in Alpen auf dem Ratsbongert auch ein starkes Zeichen der Wertschätzung des Streuobstwiesenprojektes Ratsbongert. Um 12.15 Uhr startet dann zusätzlich der 1. Alpener Luther-Kirchenlauf am Dahlacker.

(up)