Rheinberg: Das Sportcenter-Dilemma

Rheinberg: Das Sportcenter-Dilemma

Rückschlag für die Umwandlung des Ossenberger Sportcenters in eine barrierefreie Sportstätte. Das Projekt droht zu scheitern, weil fest eingeplante Zuschüsse nicht fließen. Politiker sollen nun helfen.

Ossenberg Rund sechs Jahre ist es mittlerweile her, als Burghard Kretschmer erstmals über sein Vorhaben sprach, das Gesundheits- und Sportcenter der Ossenberger Concordia in eine barrierefreie Sportstätte umbauen zu wollen. Der Vorsitzende des Rheinberger Vereins setzte mit seinen Mitstreitern viele Hebel in Bewegung, holte Experten des NRW-Behindertensportverbandes (BSNW) mit ins Boot und war bis vergangene Woche guter Dinge, das 763 880 Euro teure Projekt realisieren zu können. Doch der Inhalt einer E-Mail des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (DPWV) mit Sitz in Berlin löste bei Kretschmer blankes Entsetzen aus: Der Club soll den Förderantrag erneut überarbeiten und plötzlich die "reinen behinderungsbedingten Mehrkosten" nennen, ansonsten gebe es den finanziellen Zuschuss durch die "Aktion Mensch" in Höhe von 250 000 Euro nicht. "Es ist eine versteckte Zurückweisung. Die neuen Vorgaben können wir nicht erfüllen. Wir haben doch alle Hausaufgaben gemacht und den Antrag schon mehrmals nachgebessert", sagte ein enttäuschter Kretschmer.

Nur noch wenig Hoffnung

Der Umgestaltung rückt somit in ganz weite Ferne, der Baubeginn (1. Juli diesen Jahres) wurde bereits gestoppt. Der Optimismus sei dem Pessimismus gewichen, so der Vereinsvorsitzende, der nur noch wenig Hoffnung hat, dass der DPWV eine Kehrtwende vornimmt. Doch es gebe noch eine letzte Möglichkeit. Die Politik soll Druck machen und die Entscheidungsträger in der Bundeshauptstadt überzeugen, das Geld doch freizugeben. SPD-Landtagskandidat und Sportexperte Wolfgang Roth, der gestern an der Krisensitzung des Clubs teilnahm, will helfen. Die ehemalige CDU-Bundestagabgeordnete Ilse Falk, Schirmherrin des Concordia-Projekts, und Horst Vöge (Ex-SPD-Landtagsabgeordneter) sollen ebenfalls ihre Kontakte spielen lassen. Die Pläne liegen fertig in der Schublade. BSNW-Berater und Architekt Michael Bruckner, der schon mehrere Vereine bei der Umsetzung eines solchen Projekts begleitete, kann die Haltung des DPWV nicht verstehen. Er hatte Kretschmer ermutigt, mit dem Verband zusammenzuarbeiten und 2005 dort Mitglied zu werden, um an die Fördergelder zu kommen.

Die abgespeckte Version

"Damit habe ich nicht gerechnet. Bisher gab's nie Probleme." Zumal der andere große Geldgeber, die Stiftung des Landes NRW für Wohlfahrtspflege, bereits Ende 2007 einen Zuschuss in Höhe von 287 000 Euro bewilligte. Sollte der DPWV seine Meinung bis nächsten Sommer nicht ändern, ist der Traum endgültig geplatzt. Angebaut wird ab dem 1. Juli 2011 trotzdem, die deutlich abgespeckte Version. 106 Quadratmeter mit Umkleiden, einer Sanitäranlage – und einer Behindertentoilette.

(RP)