Total Lokal Familie Adebar an der Schwanenhofstraße ist ausgeflogen

Alpen · Jahr für Jahr brüten Störche im Nest an der Schwanenhofstraße in Ginderich Nachwuchs aus. Der ist nun schon wieder flügge. Beobachtungen auf dem Weg zur Arbeit.

 Storchen-Familien sind auch am Niederrhein zu bestaunen.

Storchen-Familien sind auch am Niederrhein zu bestaunen.

Foto: dpa/Christoph Schmidt

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, sagt man. Besser als diese kleinen Kunstflieger taugt für mich Familie Adebar als Wegweiserin durchs Jahr. Und zwar eine ganz bestimmte. Die wohnt bezeichnenderweise im Nest an der Schwanenhofstraße in Ginderich. Hier fahr‘ ich täglich auf dem Weg in die Redaktion vorbei, immer einen kurzen Blick aufs erhöhte runde Haus aus Astwerk. Und das ist seit einigen Tagen meist leer. Familie Storch ist ausgeflogen.

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Vater und Mutter Langbein und ihr herangewachsener Nachwuchs im Nest standen – offenbar trauten die Storchenkinder ihren Flugkünsten noch nicht so recht. Eine ganze Weile ging das so. Bis dann doch der Tag gekommen war, an dem die Zauderer sich mutig in die Lüfte erhoben.

Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass sich diese Flugfreude auch in anderen Nestern entlang der Strecke nach Xanten eingestellt hatte. Immer wieder konnte man am Himmel majestätisch dahin gleitende Großvögel ausmachen. Ihr Alter und die Flugstunden, die sie schon im schwarz-weißen Federkleid absolviert hatten, sieht man ihnen nicht an. Natürlich nicht.

Der Tag ist nicht mehr fern, dass Meister Adebar und sein Gefolge sich aufmachen in südlichere Gefilde aufmachen. Der Sommer, der gerade eine Pause eingelegt hat, neigt sich allmählich seinem Ende entgegen. Die Regenfälle haben die Auen am Altrhein bei Birten in ein sattgrünes Paradies verwandelt, wo der Tisch für hungrigen Storchenschnäbel reichlich gedeckt zu sein scheint. Störche kann man in diesen Tagen hier im Familienverbund beobachten, wie sie sich offenbar stärken für die lange Reise.

Lange wird’s nicht mehr dauern, dann sind sie am Niederrhein wieder aus dem Blickfeld verschwunden, und ich muss mich auf dem Weg zur Arbeit mit der schönen Erinnerung trösten. Wenn dann der Winter nach langer Tristesse Kehraus hält und das Frühjahr die ersten Schwalben anlockt, meldet sich die Sehnsucht nach den stolzen Begleitern durchs Jahr, und an der Schwanenhofstraße geht der Blick wieder nach oben, in der Hoffnung, dass Mutter und/oder Vater Adebar schon wieder eingetroffen sind.

Dann wird hochoben geschnäbelt und geklappert. Wenig später dann sieht man die Storchens – wohl im Wechsel – geduldig im Nest hocken, den Nachwuchs ausbrüten, während der oder die andere Futter herbeischafft. Irgendwannn dann lugen die weißen Köpfe der Storchenkinder immer höher über den Nestrand. Sofern das Wetter im Kiwittdorf nicht ungewöhnlich schlecht ausfällt, dauert es nicht mehr lange, bis die nächste Generation auf ihren langen dünnen Beinen stehen kann und sich an ihre ersten Flugversuche herantastet. Aber bis dahin ist noch eine ganze Weile. Ich bin dann nicht mehr regelmäßig auf dem Weg nach Xanten und werd’ sie vermissen meine Weggefährten durchs Arbeitsjahr. Das weiß ich jetzt schon. Bernfried Paus

(bp)
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