Das „Kabarettistische Quartett“ gastierte in der Stadthalle Rheinberg

Kabarett in Rheinberg: Deftige Schlachtplatte mit Jahresendabrechnung

Das „Kabarettistische Quartett“ gastierte in der Stadthalle. Es servierte dem Publikum viel Stoff zum Lachen und Nachdenken.

Es ist angerichtet. Die Schlachtplatte wurde am Mittwochabend im Rheinberger Stadthaus aufgetischt und bot einen bissigen bis deftigen kabarettistischen Rückblick auf die Ereignisse des vergangenen Jahres. Für die Zutaten sorgte die politische Weltlage mit ihren Machern wie Präsident Trump oder Premierministerin May, deutsche Politiker wie Dobrindt, Scheuer, Nahles, Seehofer, Merkel oder Parteien wie die AfD. Sie lieferten die Zutaten für die Hausmannskost mit einem Grünen-Soßen-Dip.

Serviert wurde sie vom kabarettistischen Quartett im Blaumann mit Robert Griess, Nils Heinrich, Sebastian Schnoy und Axel Pätz. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Ecken Deutschlands zusammen und legen ihre Sicht auf die Dinge dar. Kurzerhand riefen sie den Tag des Mitdenkens aus. Intellektueller Anspruch an das Rheinberger Publikum muss eben sein. Der Kopf der Truppe, Robert Griess, beleuchtet in wechselnder Besetzung mit Größen der Kabarett-Szene seit gut zwölf Jahren die Ereignisse des Jahres, die in Deutschland für Schlagzeilen sorgten oder nicht über eine Randnotiz hinauskamen, wie etwa die fünfte Eheschließung von Altkanzler Schröder. Die Scharfdenker mit bissiger Leidenschaft kombinieren weltpolitische Ereignisse neu, ziehen in verschiedenen Besetzungen mit und ohne Musik absurde Querverbindungen und kommen zu einer völlig neuen wie messerscharfen Jahresendabrechnung. Ganz zur Freude des Publikums, das mit Applaus nicht sparte, wenngleich mancher Happen doch durchaus schwer verdaulich war.

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Auf die Frage, warum Trump noch nicht zu einer Stadtrundfahrt im offenen Wagen aufgebrochen sei, blieb das Quartett die Antwort schuldig. Als feine Zutat für das spitze Zungengericht avancierte das trudelnde Schiff Deutschland, das fünf Monate lang ohne Führung war. Nun ist die Lösung in Sicht, weil auf Mutti die Tante folgt, und nicht der Onkel. Das „Weißwurst-Kalifat“ bekam ebenfalls seinen Senf ab, in dem Seehofer als weißer Hai losschwimmt, um als Makrele anzukommen. Hat Andrea Nahles, die gefangene Seele im Körper einer russischen Kugelstoßerin, überhaupt noch eine Botschaft? Würde es von der Leyen schaffen, mit der Bundeswehrmannschaft einen Angriff der Hells Angels abzuwehren? Auch die täglichen Belanglosigkeiten wie Tattoos und Piercings kamen zur Sprache. Bissig-böse die Erklärung des Nordlichts Sebastian Schnoy auf das unterschiedliche Einkommensniveau von Mann und Frau. „Frauen leben im Schnitt sechs Jahre länger als Männer. Deshalb ist es nur gerecht, dass Männer mehr Geld verdienen.“

Angst hat Nils Heinrich vor Hackern und solchen, die in seinen Kühlschrank mit lebenswichtigen Grundnahrungsmitteln wie Bier eindringen. Für den Kölner Griess eine fast bedrohliche Kulisse, wenn Lebensmittel miteinander im Dialog stehen. In seiner Rolle als Kölsche Schnauze und Hartz-IV-Abonnent Herr Stapper lästerte er über die Gesellschaft ab, über Spätgebärende, die Kindergeld mit der Rente zu kombinieren wissen. „Chill mal“, so die musikalische Antwort am Klavier mit dem Hamburger Axel Pätz. Ein Tipp der pubertierenden Jugend auf das Phänomen Chaos.

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