Rheinberg: Das Jahr beginnt mit leichten Melodien

Rheinberg: Das Jahr beginnt mit leichten Melodien

Die französische Kammerphilharmonie verbreitete beim Neujahrskonzert viel Charme, Flair, schwungvolle Dynamik und besonders schöne Melodien.

Kaum ein freier Platz ließ sich beim traditionellen Neujahrskonzert der Musikalischen Gesellschaft noch in der Stadthalle finden. "Es geht um die deutsch-französische Freundschaft in der Musik", stimmte die Vorsitzende der Gesellschaft, Lore Rabe, auf die Idee des bevorstehenden Paris-Programms "Vom Eiffelturm bis zum Moulin Rouge" ein. Und wer könnte das besser darstellen als die "französische Kammerphilharmonie" - ein erst vor drei Jahren von Dirigent Philipp van Buren gegründetes jungen Ensemble, das sich aus Jugendorchestern wie dem "Gustav Mahler Youth Orchestra" , der "Jungen Deutschen Philharmonie" und dem "European Youth Orchestra" zusammensetzt.

Was den Sound der Philharmonie von Anfang an auszeichnete, war gewisse "luftige" Leichtigkeit, Feinheit und Dezenz im dargebotenen Klangkörper - passend zur Auswahl der dann vorgetragenen Kompositionen.

Das zeigte sich unmittelbar beim Auftakt des Konzerts mit der "Ouvertüre" aus der "Schönen Helena" von Jacques Offenbach - mit Gefühl, wunderschöner Melodie und schwungvoller Dynamik. Das setzte sich dann bei Charles Gounots "Faust-Walzer" und der etwas gewichtigeren "Polka francaise", dem "Feuerfest" von Josef Strauss, fort. Dass die Musiker auch richtig Tempo aufnehmen können, zeigte sich dann bei der Polka "Unter Donner und Blitz" von Johann Strauss' Sohn, bei dem das Gewitter hörbar wurde.

Zum Abend passte auch die durchgängig charmante Abendmoderation des Orchesterdirigenten van Buren, der in die Welt der Komponisten und der "Stadt der Liebe" als damaliger Mischung aus Adel und Halbwelt mit ihrem ständigen Auf und Ab des Lebens lebendig einführte.

Als Solistin hatte van Buren - vormals Kapellmeister an den Bühnen Krefeld/Mönchengladbach, das frühere dortige Ensemblemitglied Isabell Razawi mitgebracht. Die Sopranistin wusste direkt bei der Offenbach-"Invocation à Venus" und später bei Georges Bizets "Près des remparts de Seville" aus "Carmen" mit natürlichem Gesang zu überzeugen. Und Bariton Thomas Scharfenberger bot nicht nur bei der französischen "Hamlet"-Variante "Oh vin, dissipe la tristesse" von Ambroise Thomas ein klangvolles, nicht ausladendes Timbre, was mit dem leichtgängigen Orchesterspiel harmonierte.

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Im zweiten Teil des Konzerts kamen nach einem humorvollen "Champagner-Galopp" von Hans Christian Lumbye (mit Sektkorken-Knalleffekt) und dem schauspielerisch einwandfreien Scharfenberger-Auftritt mit Sektpulle zu "Heut' geh'n wir ins Maxim" von Franz Lehar mit der "Thais"-Meditation von Jules Massenet der musikalisch-romantische Gefühlshöhepunkt des Abends.

Das "Je veux vire" von Gounod - erneut von Razawi vorgetragen, die Farandole der "L'Arlesienne-Suite" von Bizet und Jacques Offenbachs summendes "Fliegenduett" inklusive "Cancan" rundeten das offizielle Programm ab.

Angesichts der Ovationen lieferte das Ensemble für ein schönes Ende eines unterhaltsamen Musikabends noch ein paar Zugaben - wie das hingebungsvolle "Lippen schweigen" von Franz Lehar und den "Radetzky-Marsch" zum kollektiven Mitklatschen.

Lore Rabes Hoffnung hatte sich auf jeden Fall erfüllt. "Das Weihnachts- und das Neujahrskonzert - die müssen immer etwas Besonderes sein", sagte die Vorsitzende der Musikalischen Gesellschaft.

(RP)
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