Rheinberg: Das Haus des GesellenvereinsZufluchtsort der Kamper Mönche

Rheinberg: Das Haus des GesellenvereinsZufluchtsort der Kamper Mönche

Erst als 1880 Kommerzienrat Underberg den Kamper Hof dem Katholischen Gesellenverein als „Kolpinghaus“ zur dauernden Nutzung gab, ist nach Recherchen von Heinz Janßen die Kapelle zu Wohnungen umgebaut und der östliche Eingang geschaffen worden. Es war der 23. September 1888, an dem Hubert Underberg dem Gesellenverein „ein wahrhaft großzügiges Geschenk“ machte: Der Rheinberger Fabrikant hatte auf der Südseite des Kamper Hofes einen großen Saal anbauen lassen und übergab ihn nun dem Gesellenverein, der dadurch aller Platzsorgen enthoben war.

Bei den Bauarbeiten in jenen Jahren stieß man auch auf Zeugnisse der langen Geschichte des Hofes: Unter der Kapelle, so Heinz Janßen, entdeckte man im Boden noch verkohlte Holzreste und noch als Roggen und Weizen bestimmbares verkohltes Getreide aus dem Brand von 1494. Im Garten zum Wall hin fand man ein Massengrab, vermutlich Soldaten oder Pesttote.

RHEINBERG (kau) Vom Kamper Hof ist 1295 / 96 erstmals die Rede durch ein Heberegister und den Bau einer Kapelle. Heinz Janßen, über Jahrzehnte Betreuer des Stadtarchivs, hatte sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und berichtete im Heimatverein 1990 bei einem Vortrag im – Kamper Hof. Janßen blickte dabei zurück in die Zeit, in der das Kloster Kamp blühte und wuchs, Tochterklöster gründete und für die anzunehmen ist, dass sich der weit verstreute Besitz nicht mehr vom Sitz des Klosters verwalten ließ. Daher richtete die Abtei vom 13. Jahrhundert an in verschiedenen Städten besondere Niederlassungen ein – u.a. in Rheinberg. Dort hatte die Abtei schon im 13. Jahrhundert das „Inkorporationsrecht“ an der Rheinberger Pfarrkirche St. Peter vom Kölner Kunibertstift erworben. Von Anfang des 14. Jahrhunderts an stellte die Abtei Kamp regelmäßig die Pfarrer an St. Peter.

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Der Rheinberger Kamper Hof wurde vom Konvent von Zeit zu Zeit während der verschiedenen Auseinandersetzungen der Landesherren (Köln, Geldern, Kleve, Jülich) als Zufluchtsort genutzt. 1473 etwa schafften die Kamper ihre Kostbarkeiten in das Rheinberger Haus.

1494 verwüstete ein Stadtbrand im Kamper Viertel rund 60 Häuser, darunter die Kamper Hof-Kapelle mit drei Altären, Wohnhaus und Scheune sowie drei weitere Häuser des Ordens. Bis zum Brand sind Nachrichten über den Kamper Hof in Rheinberg spärlich. Das änderte sich in den Kriegen des 16. und 17. Jahrhundertes. 1583 besetzte Adolf von Neuenahr, Parteigänger des Truchsess, Rheinberg und nahm Wohnung im Kamper Hof, der später auch als Gouverneurswohnung genutzt wurde. Als die Holländer 1633 die Stadt eroberten, gaben sie die Pfarrkirche den Reformierten; Rheinbergs Katholiken durften noch einige Monate die Kamper Hof-Kapelle nutzen, die aber 1634 profaniert wurde. 1641 durfte die Stadt zwar noch einen Raum des Hauses als Schule für die Katholischen Kinder nutzen, aber ansonsten blieb der Kamper Hof für 43 Jahre als Gouverneurswohnung etc. in den Händen der Besatzer. Erst 1678 kehrten die Mönche in den Hof zurück; von hier aus betrieben sie den Wiederaufbau des Klosters, in das sie endgültig erst 1700 wieder einzogen. 1802 wurde der klösterliche Besitz, also auch der Kamper Hof, säkularisiert und verkauft.

(RP)
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