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Alpen Corps Menzelenerheide marschiert mit im Kölner Veedelszoch

Alpen · Bei den tapferen Musikern des Spielmannszuges steigt mit dem Beginn des Straßenkarnevals das Lampenfieber in selten erreichte Höhen. Obwohl die eigene Büttensitzung längst Geschichte ist. Doch der kleine aber feine Klub steht unmittelbar vor einem für ihn historischen Auftritt.

 Mit Poncho und Sombrero: Die Menzelener Spielleute haben ihre alten Kostüme wieder aus der Kiste geholt.

Mit Poncho und Sombrero: Die Menzelener Spielleute haben ihre alten Kostüme wieder aus der Kiste geholt.

Foto: Armin Fischer

Das Corps aus dem Dorf am beschaulichen Niederrhein rückt am Tulpensonntag aus in die rheinische Narrenhauptstadt Köln und ist eingeplant als buntes Mosaiksteinchen im traditionsreichen Schull- und Veedelszoch, in dem die Schulen und Viertel der Domstadt einen Tag vorm Rosenmontag mit fröhlichem Humba, Humba, tätärä fröhlich durch die Gassen ziehen.

Ende des vorigen Jahres erreichte die Spielleute in Menzelen-West der die Anfrage us Kölle, ob sie nicht Lust hätten, sich in den Schull- und Veedelszoch einzureihen. Der ehemalige Sitzungspräsident Charly Bettray sei eines Abends mit der Einladung gekommen, berichtet Konni Schithüsen, Sprecherin des Spielleute. "Wir haben dann hin- und herüberlegt, weil wir schließlich nicht in voller Stärke fahren können", so Schmithüsen weiter. Denn von den 35 aktiven Musikern seien einige noch zu jung für ein so großes Abenteuer und andere einfach schon zu alt für solchen Strapaze, die bei aller Freud' mit einem sieben Kilometer langen Lindwurm durch die jecken Massen am Straßenrand nun mal verbunden sind.

Nun besteigen am Sonntagmorgen um 8 Uhr 28 Spielleute mit ihren Instrumenten den Bus und machen sich auf den Weg in die schunkelnde Domstadt. Jüngste im Trupp ist der Trommler Sebastian Müller (12).

Die Uniformen bleiben Zuhus im Schrank. Für musizierende Jecke in Kölle ist Kostümierung Pflicht. Schließlich laufen die Fernsehkameras. WDR III überträgt am Sonntag von 12.25 Uhr an live. Die Menzelener gehen als Mexikaner mit Poncho und Sombrero. "Diese Verkleidung hatten wir noch von den Auftritten im Duisburger Zoch in unserem Fundus", erzählt Konni Schmithüsen. So was nennt man kreativen Pragmatismus.

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Foto: Anna Radowski

Doch musikalisch konnte das Corps nicht einfach in die Mottenkiste greifen. Kölsche Tön sind ein Muss, auch wenn auf der langen Wegstrecke der ein oder andere Marsch erlaubt ist. Aber nicht, wenn die TV-Kameras erreicht werden. Da hat der gestrenge Regisseur für die Menzelener den Karnevals-Evergreen "Schau mir in die Augen" von der Band "de Räuber" angewiesen. "Damit nicht alle das Gleiche spielen", so die Sprecherin, "und die Fersehzuschauer eine Abwechslung bei der Musik im Zoch erleben.

Der Spielmannszug will beim Auswärtsspiel in Köln natürlich punkten und hat sich intensiv vorbereitet und manche Sonderschicht eingelegt. Um ein ordentliches Klangvolumen auf die Straße zu bringen, reiht sich Corpsführer Thomas Kiwitt als Trompeter ein in die 28. Blickkontakt muss reichen, um die richtigen Einsätze zu steuern. "Das passt schon", ist die Sprecherin überzeugt. Da sie kein Instrument spielt. kann sie nicht mitmarschieren und muss zu Hause bleiben.

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Foto: Berney

So kann sie den Auftritt im Zoch auch nicht im Bild festhalten. "Da darf man nicht einfach so mit", sagt sie. Und am Wegesrand machen die jecken Massen die Begleitung nahezu unmöglich. "Schade." So gibt sie ihrem Mann Dieter, der seit 44 Jahren im Corps die Fanfare spielt, eine Kamera mit. Er soll der historischen Moment festgehalten. Damit man sich daran auch noch erinnern, wenn die Uniform den Poncho längst wieder abgelöst hat.

(RP)
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