Rheinberg Coole Songs mit dezentem Humor

Rheinberg · Das Duo Bébé - Marvin Becker und Sascha Blejwas - war beim MI-Jazz in Rheinberg zu hören.

 Marvin Becker und Sascha Blejwas in der Alten Kellnerei. Anhand der Akkordsymbole an der Tafel war der Song "Summertime" zu erraten.

Marvin Becker und Sascha Blejwas in der Alten Kellnerei. Anhand der Akkordsymbole an der Tafel war der Song "Summertime" zu erraten.

Foto: Herbert Mertens

Soul, Blues und Jazz aus dem Innersten des Entspannungszentrums, aus der Tiefe der Chill-Out-Zone, angereichert mit dezentem Charme und feinem Humor - mit einer solchen Melange versetzte das Duo Bébé sein Publikum in der Alten Kellnerei in Rheinberg in ein abendliches Glücksgefühl. Der Sänger Marvin Becker und der Akustik-Gitarrist Sascha Blejwas, zeitweilig unterstützt von Matthias Goebel am Flügel, gestalteten zwei Stunden lang ein weiteres Konzert in der Reihe MI-Jazz, die die Musikalische Gesellschaft, die Volkshochschule und das Team um den Künstlerischen Leiter Matthias Goebel auch weiterhin gemeinsam auflegen.

Die beiden Profis aus Wuppertal, seit 16 Jahren als Duo unterwegs und nach ihrem Auftritt beim MAP-Festival 2009 zum zweiten Mal in Rheinberg zu Gast, skelettierten eine Fülle von Songs und reduzierten sie auf das Wesentliche: auf ein knappes Gerüst aus harmonischen Abläufen und melodischen Einsprengseln, auf ein paar Rhythmus-Brocken und auf den Klang einer hinreißenden Stimme. Marvin Becker ist ausgebildeter Sänger, aber man hörte aus jedem Ton das Naturtalent heraus. Ein Mann, zum Singen geboren. Ein sympathischer Kerl, bei dem selbst ein gesprochenes "Guten Abend" zu Musik wird. Einer, der Soul hat.

Dieser Marvin Becker intonierte die Songs von Otis Redding ("Dock of the bay" oder "Fa-Fa-Fa-Fa-Fa"), von Stevie Wonder ("Don't you worry about a thing" oder "Master Blaster") oder James Brown ("It's a man's world") mit samtener, voller Stimme und phrasierte sein Können bis in die letzten Winkel jeder einzelnen gebeugten Silbe. Nicht nur die Damen schmolzen dahin. Sascha Blejwas unterlegte alles das mit wohl durchdachten Gitarrenarrangements. Man ahnte, dass er auch den Flitzefinger geben könnte, den turboschnellen Guitar-Hero. Aber das tat er nicht, er hielt sich stattdessen zurück und zupfte bescheiden Leben in die Saiten seiner "heute morgen noch schnell in Brasilien selbstgeschnitzten Gitarre" (Zitat Marvin Becker). Überhaupt lebte das Konzert nicht nur von den überwiegend gecoverten Songs, sondern auch von der großartigen, witzigen Moderation des Sängers. Becker ließ die etwa 30 Zuhörer mitsummen, mitsingen, mitklatschen ohne dass es aufgesetzt klang. Bei Ben E. Kings "Stand by me" durften die Rheinberger ein sattes "Fütt" auf jede vierte Note legen. Der Programmtitel "Jazz mit Humor" hatte also nicht zu viel versprochen.

Dass der erste Teil des Konzerts von smoother Soulmusik bestimmt war, lag am neuen Programm des Duo Bébé, das sich in Quartett-Besetzung auf Tamla-Motown-Klassiker verlegt. Im zweiten Teil rückte Jazziges mehr in den Fokus. Wenn es etwas zu bemängeln gibt an diesem Konzert, dann vielleicht die vorhersehbare Materialauswahl. Titel wie "Ain't no sunshine" von Bill Withers oder der Evergreen "Sunny" sind schön, aber ein wenig abgedroschen. Auch hatte das Programm an einigen Stellen Längen. Becker und Blejwas sollten sich ruhig öfter an eigene Songs wagen. In Rheinberg gab es leider nur eine Eigenkreation zu hören. Sehr amüsant war unterdessen die Interpretation des Prince-Falsett-Hits "Kiss" inklusive geschriener Bläsersätze. Großartig. Insgesamt ein wunderbarer Abend, der mit einer anrührenden Version von Louis Armstrongs "Wonderful world" endete.

(RP)