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Rheinberg: Chlorwasserstoff-Wolke über Solvaywerk

Rheinberg : Chlorwasserstoff-Wolke über Solvaywerk

Das giftige Gas trat bei Wartungsarbeiten im westlichen Teil des Werks aus. Auf der L 137 bilden sich lange Staus. Mitarbeiter im Gewerbegebiet am Nordring klagen über tränende Augen und Hustenreiz. Nachbarn wurden gewarnt.

Im westlichen Teil des Rheinberger Solvay-Werks ist gestern Morgen gegen 7 Uhr bei Wartungsarbeiten in der Anlage zur Vinylchlorid-Produktion Chlorwasserstoff ausgetreten. Nach Solvay-Angaben wurde bei dem Vorfall niemand verletzt. Der Austritt habe schnell gestoppt werden können. Die Polizei sperrte vorübergehend die Kreuzung Xantener Straße/Weststraße, was zu erheblichen Verkehrsbehinderungen auf L 137 (ehemals B 57) führte.

Die genaue Ursache für den Austritt des giftigen Stoffs sei noch nicht geklärt, meldete Solvay. Der ausgetretene Stoff habe im Kontakt mit Luft eine sichtbare weiße Wolke gebildet, die auch zu riechen war. Die sofort eingeleiteten Messungen der Feuerwehr hätten keine Gefährdung ergeben, so dass bereits um 9 Uhr in Absprache mit der Kreisleitstelle Wesel Entwarnung gegeben und die Sperrung der Kreuzung an der B 57/Weststraße wieder aufgehoben wurde. Eine Gefährdung für das Rheinberger Stadtgebiet habe aufgrund der Windrichtung aus West zu keiner Zeit bestanden.

 Der westliche Solvay-Werkteil in Millingen. Dort ereignete sich der Vorfall bei Wartungsarbeiten. Zum Glück wurde niemand verletzt.
Der westliche Solvay-Werkteil in Millingen. Dort ereignete sich der Vorfall bei Wartungsarbeiten. Zum Glück wurde niemand verletzt. Foto: Armin Fischer

Solvay informierte die Nachbarn im Bereich des Gewerbegebietes Nord und der Werksiedlung, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Die Information läuft über eine automatische Telefonschaltung. "Das lief hervorragend", sagte Andreas Conrad, Inhaber von Coma-Messebau am Nordring, anerkennend. Er habe sich gewundert, dass er einen schlechten Geschmack im Mund gehabt habe, habe ansonsten von der Wolke nicht viel mitbekommen.

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Das ging Harald Wißenberg von der Firma Trewis anders. "Die Wolke hing wie eine dicke Dunstglocke über dem Gewerbegebiet. Mir haben die Augen noch Stunden später getränt, und ich musste stark husten." Das deckte sich mit den Erfahrungen anderer im Gewerbegebiet Beschäftigter. Auch sie sprachen von tränenden Augen und Hustenreiz. Die sofort alarmierte Solvay-Werkfeuerwehr, die für solche Notfälle über spezielle Ausrüstungen verfügt, unterband durch das Setzen von Wasserschleiern die Ausbreitung der Chlorwasserstoffwolke. Durch den Wassereinsatz entstand stark verdünnte Salzsäure, die über installierte Auffangsysteme in ein Rückhaltebecken geleitet wurde.

Im Zuge der Reparaturarbeiten trat gegen 10 Uhr kurzzeitig eine weitere geringe Menge Chlorwasserstoff aus. Eine erneute Warnung der Nachbarn und die zweite Sperrung der Kreuzung wurden nach 15 Minuten wieder aufgehoben. Inzwischen ist der augenscheinlich betroffene Flansch abgedichtet worden. Die Werkfeuerwehr war noch lange vor Ort.

"Durch das sofort eingeleitete Abstellen der Anlage und Setzen der Wasserschleier konnte der Chlorwasserstoffaustritt gestoppt werden. Jetzt ist die Austrittsstelle abgedichtet", versicherte Werkleiter Dr. Richard Rösler. Solvay hat alle zuständigen Behörden informiert und will nun die genaue Ursache des Vorfalls klären, um entsprechende Maßnahmen einzuleiten.

(RP)