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Rheinberg: CDU informiert über Flüchtlingsunterkunft

Rheinberg : CDU informiert über Flüchtlingsunterkunft

Bei aller Hilfsbereitschaft bereiten die Lage im Ortskern und die Zahl der Hilfesuchenden Sorgen.

Zum Ende des kommenden Monats stellt die St.-Josef-Krankenhaus GmbH den Betrieb des Orsoyer Marienhospitals ein. Im Gespräch ist künftig eine Nutzung als Zentrale Unterbringungseinheit für Flüchtlinge (ZUE). Der Rheinberger CDU-Ortsverband informierte die Orsoyer Bürger am Samstag über den Stand der Dinge und bezog dabei klar Stellung.

Der stellvertretende Landrat des Kreises Wesel, Josef Devers, stellte gleich zu Beginn fest: "Das ist keine Demo gegen Asylbewerber, aber es muss doch möglich sein, sachlich und fair zu diskutieren, ohne direkt irgendwo einsortiert zu werden." Rein sachlich stellte der Orsoyer fest, dass es derzeit zwei Interessenten für die mögliche Immobilie gebe. Zum einen handelt es sich um einen Rheinberger Unternehmer, der in dem Objekt ein Altenheim mit betreutem Wohnen einrichten möchte, zum anderen ein Berliner Investor, der die besagte Flüchtlingsunterkunft anstrebt. "Wir nehmen selbstverständlich Flüchtlinge auf. Aber schaffen wir es, in einem Ort wie Orsoy mit 3500 Einwohnern 500 Asylbewerber anzunehmen?"fragte Devers die rund 100 Bürger, die sich gleich zu Beginn am Kiosk vor dem Marienhospital versammelt hatten. Devers schickte die Meinung der Rheinberger CDU gleich hinterher: "Der Investor aus Rheinberg steckt viel Zeit und Herzblut in das Projekt. Mit Blick auf den demografischen Wandel wäre ein solches Altenheim eine optimale Sache für Orsoy."

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Die Realität dürfte aber schon bald eine andere sein. Denn laut Devers stieß die Idee, eine ZUE in Orsoy einzurichten, bei der Bezirksregierung nicht nur auf Zustimmung, sie habe den Vorschlag bereits "mit wohlwollender Zustimmung" an das Innenministerium weitergeleitet. Was CDU und Orsoyer Bürgern besonders aufstößt: Als Mindestbelegungszahl sind von der Bezirksregierung 500 Personen angesetzt. Erschwerend hinzu kommt aus Sicht von Josef Devers das hohe Maß an Fluktuation, was das Beispiel einer ähnlichen Unterkunft in Kerken Stenden zeige. "Die durchschnittliche Verweildauer eines einzelnen Asylbewerbers beträgt dort sieben Tage. Das würde bedeuten, dass 26 000 Menschen innerhalb eines Jahres durch Orsoy geschleust werden", so Devers. Zahlen wie diese waren bislang kaum jemandem bekannt. Ein Umstand, den Dr. Michael Peglow heftig kritisiert: "Die Stadt hätte jeden einzelnen Bürger anschreiben müssen. Wie ich das sehe, ist die Sache beschlossen und alle machen ein Geschäft. Der Investor hat feste Mieteinnahmen und selbst die Caritas kann Mitarbeiter abstellen."

Vor allem die Lage im Ortskern in direkter Nachbarschaft zum Kindergarten ist vielen ein Dorn im Auge. "Ich würde meine Kinder nicht mehr dorthin bringen. Zumal wohl noch ein hoher Zaun dorthin kommen dürfte und ein Sicherheitsdienst patrouillieren wird", sagt Astrid Görgen. Mit dieser Annahme liegt die gebürtige Orsoyerin richtig, bestätigt Josef Devers: "Je 100 Bewohner sind zwei Wachposten vorgesehen, es werden also zehn Sicherheitskräfte ihren Dienst verrichten." Damit wird der durchaus gute Wille der Bevölkerung auf eine Zerreißprobe gestellt. "Ich würde einen Flüchtling in meinem Haus aufnehmen, aber ich bin gegen ein solches Lager im Ort", erklärt der Orsoyer Jörg Dost.

(erko)