Schützenfest in Veen Vom Fraktionssitz auf den Königsthron

Alpen · Frederik Paul (27), Fraktionschef der CDU im Alpener Rat, ist König von Veen. In seiner Regierungserklärung verspricht er ein Kirmeswochenende „der Superlative“ und kündigt Überraschungen an.

 Frederik Paul (l.) und Niklas van Bebber lieferten sich ein spannendes Duell im königlichen Finale bei den St.-Nikolausschützen in Veen.

Frederik Paul (l.) und Niklas van Bebber lieferten sich ein spannendes Duell im königlichen Finale bei den St.-Nikolausschützen in Veen.

Foto: Schützen

Politisch hat es Frederik Paul (27) schon in die Hauptnachrichten gebracht. Nach einer beachtlichen Karriere hat er’s an die Spitze der CDU-Fraktion im Alpener Rat gebracht. Nun hat er in Veen ganz gezielt nach der ganzen Macht gegriffen und wird nun am kommenden Wochenende als König im Krähendorf gefeiert. In einem spannenden, mehr als zweistündigen Duell mit seinem Freund und Kegelbruder Niklas van Bebber hat sich Frederik Paul am Sonntagabend auf der Schützenwiese an der Wolfhagenstraße die Krone aufgesetzt. Damit nahm für ihn und sein Hofstaat eine höchst turbulente Woche ihren Lauf.

Am Dienstagmorgen saß der Mann, der die Bruderschaft St. Nikolaus im kommenden Jahr repräsentieren wird, in einem großen Modehaus in einer Nachbarstadt und probierte schwarze Anzüge an, um beim Krönungsball, überhaupt am Schützenfest- und Kirmeswochenende, eine gute Figur zu machen. „Der Anzug muss sitzen und darf nicht bei der ersten kräftigen Bewegung nachgeben“, beschreib König Freddy das eher funktionale Anforderungsprofil an das majestätische Textil.

Geschmacklich höhere Ansprüche hat Lea van Bebber (24), die Frederik Paul nach seinem Volltreffer zu seiner Königin gekürt hat. Bei der Suche nach einem passenden Kleid muss die Studentin der Erziehungswissenschaften noch einen zweiten Anlauf machen. Die Zeit drängt, berichtet der ungeduldige Regent. „Wir Männer vom Thron wollen unsere Krawatten noch besticken lassen“, erklärt er. „Und die Stickerei richtet sich farblich nach dem Kleid der Königin.“

König Frederik Paul führt seine Königin Lea van Bebber zur Inthronisation über die Festwiese an der Wolfhagenstraße.

König Frederik Paul führt seine Königin Lea van Bebber zur Inthronisation über die Festwiese an der Wolfhagenstraße.

Foto: Schützen

Unterdessen richten sich im Hintergrund alle strategischen Überlegungen der beiden Minister Niklas van Bebber und Niels Gietmann sowie weiterer Mitglieder des Hofstaates auf das bevorstehende Kirmeswochenende im Krähendorf. „Es soll ein Fest der Superlative werden, voller Überraschungen“, heißt es in der Regierungserklärung von King Freddy. Mehr wird noch nicht verraten. Dorfgeheimnis.

Schon das königliche Finale am Sonntagabend war an Spannung kaum zu überbieten. Frederik Paul und Niklas van Bebber waren die einzigen der 180 zum Schießen angetretenen Schützenbrüder, die am späten Nachmittag dem Ruf von Major Andreas Voetmann gefolgt waren, aus der Deckung zu kommen, um dem Vogel auf der Stange den Rest zu geben. Die beiden gehören dem Kegelclub mit dem spanisch klingenden Namen Atletic Bierbaoch an und hatten sich auf der Kegelbahn zum Finale an der Vogelstange verabredet. „Es war jetzt mal an der Zeit“, sagte der spätere Sieger des Zweikampfes.

Gesagt, getan. Und es wurde ein zäher Abnutzungskampf, der sich bis gegen 20.40 Uhr hinzog. Es war aber noch hell, als Niklas vorgelegt und den hölzernen Rest mit seinem Pfeil, es war der 300., den die Duellanten abgefeuert hatten, fallreif geschossen hatte. „Ich habe mir daher viel Zeit gelassen und noch mal alle Konzentration hochgefahren“, beschreibt Frederik Paul die letzten Sekunden als einfacher Schützenbruder. Das Publikum spürte, dass die Entscheidung gekommen war. Die Handys filmten, was das Zeug hielt, und speicherten, als der Vogel komplett abstürzte und der neue König unter einer Jubeltraube begraben wurde. „Ich bin ausgerastet“, beschreibt der König den Moment, als alle Anspannung von ihm abgefallen war. „Unbeschreiblich.“

Als sich alles wieder beruhigt hatte, wurden dem Nachfolger von König Simon Lutter, der auch ein „Bierboachler“ ist, das Königssilber um den Hals gehängt. Dann ging’s rüber in den Gasthof „Zur deutschen Flotte“, wo die Schützen bei Ralf Terlineden bis in die Puppen ein wahres Party-Feuerwerk abgebrannt und auf den Tischen getanzt haben. König Freddy und Königin Lea schafften’s aber nur noch bis gut eine Stunde nach Mitternacht. Dann ging’s erschöpft, aber glücklich heim. „Am nächsten Morgen tat mir die rechte Schulter weh, ich habe jeden der 151 Rückschläge der Armbrust gespürt“, berichte der Krähen-König.

(bp)
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