Alpen: BWL-Pioniere sind immer noch Freunde

Alpen: BWL-Pioniere sind immer noch Freunde

Viktor Lemken trifft sich regelmäßig mit vier Ex-Kommilitonen, die vor 55 Jahren als erste an der heutigen Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach Betriebswirtschaft studierten. Viele schöne Erinnerungen werden dabei ausgetauscht.

Sie haben immer noch den Schalk im Nacken: "Bei uns können Sie überall Dollarscheine drüber machen, wir haben alle BWL studiert", erzählt Hans-Hugo Hocke aus Mönchengladbach und tippt Wolfgang Felske aus Düsseldorf auf die Schulter. Viktor Lemken guckt die beiden Männer an, die neben ihm am Tisch in seinem Agroforum sitzen und mit denen er vor 55 Jahren in Mönchengladbach angefangen hat, Betriebswirtschaftslehre zu studieren.

"Wir gehören zum allerersten Semester, das am 2. Mai 1962 an der heutigen Hochschule Niederrhein zu studieren angefangen hat", weiß der Alpener Unternehmer noch genau. "Staatliche Höhere Wirtschaftsfachschule" hieß die heutige Hochschule damals, jeweils 20 junge Leute studierten in den beiden ersten Semestern. "Das war eine Holzbaracke", erzählt Lemken. "Die in der Parallelklasse hatten auch zwei Frauen", erinnert sich Hocke. Und auch daran, dass der damalige Ministerpräsident von NRW, Franz Meyers, alle Studenten am Eröffnungstag zum Erbsensuppen-Essen eingeladen hatte.

Kopfnicken bei Jürgen Bultmann aus Viersen und Günter Welter aus Grefrath, mit 83 der Älteste im Bunde der Ex-Kommilitonen, die sich seit 15 Jahren regelmäßig im April am Niederrhein treffen, "und der Viktor führt Regie". Sie sind zwischen 75 und 83 Jahre alt; und sie sind Freunde geblieben. So hatten sie sich auch jetzt wieder viel zu erzählen, als Lemken alle nach einem "Tässken Kaffee" durch das neue Agroforum seiner Firma führte.

Dass sie sich wieder regelmäßig sehen, haben sie Hans-Hugo Klocke zu verdanken. Er hatte die Studenten von damals ausfindig gemacht und zum 40-Jährigen im Jahr 2002 nach Mönchengladbach eingeladen. Auch vier Dozenten und die damalige Sekretärin waren dabei - "einer von uns hatte intensiveren Kontakt zu ihr", erzählt Viktor Lemken augenzwinkernd mit Seitenblick zu Wolfgang Felske. Der schmunzelt und schweigt - ganz Gentleman - genau wie Jürgen Bultmann, laut Lemken ein großartiger Hobbykoch "und unser Glückspilz: Der hat viele Häuser, die muss er jetzt nur noch der Reihe nach mit seinem Ferrari abfahren."

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Gestandene Männer sind sie alle, haben unterschiedliche Wege eingeschlagen, als sie mit dem Studium fertig waren. Hans-Hugo Hocke war Geschäftsführer eines Bekleidungsunternehmens in Gladbach, hat mit 60 Jahren seine Firmenanteile verkauft und sich an der Uni in Aachen eingeschrieben, um Geschichte, Philosophie und Theologie zu studieren. Jürgen Bultmann arbeitete eine Zeit lang als Steuerberater und sattelte um, übernahm eine Innenausbau-Firma, die er eigentlich abwickeln sollte. Wolfgang Felske hat in Düsseldorf eine Werbeagentur mit heute 150 Mitarbeitern aufgebaut und lebt sechs Monate im Jahr auf Ibiza. Günter Welter ist über einen Freund zum Stahlhandel gekommen. Und Viktor Lemken? Er hat erfolgreich in sechster Generation die einstige Pflugfabrik weiter ausgebaut, die inzwischen 1470 Mitarbeiter beschäftigt und nun in siebter Generation von seiner Tochter Nicola geführt wird.

Sie haben ein herzliches Verhältnis, die fünf Freunde aus der Studentenzeit. "Wenn wir uns sehen, fallen wir uns in die Arme", sagt der Gastgeber aus Alpen und lacht in die Runde. "Wir sind ja auch nicht mehr im Wettbewerb, haben eine wunderbare Vergangenheit hinter und eine schöne Zukunft vor uns", ergänzt Hocke. Die beiden haben damals in einem Studentenwohnheim in Wickrath gewohnt, das bis 1961 Durchgangswohnheim für Flüchtlinge war und in dem auch der Leiter der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule gewohnt hat.

Und sie gehörten natürlich auch zu den fünf Studenten, die ihrem Schulleiter eine Lektion verpasst haben. Der regte sich gelegentlich richtig auf, da ein Mit-Student des Öfteren zu spät kam. Der Grund: Er musste mit dem Zug von Kleve nach Mönchengladbach anreisen. So sorgten die fünf Studienfreunde dafür, dass ihr Schulleiter ebenfalls zu spät zur Vorlesung eintraf: Abends schoben sie ihm Underberg-Fläschchen in die beiden kleinen Auspuff-Rohre seines Autos - sodass sein Passat einfach nicht ansprang, als er morgens losfahren wollte.

"Ach, und ich hab' immer gemeint, wir hätten da Kartoffeln reingesteckt", sagt Viktor Lemken mit einigem Erstaunen. An den Underberg kann er sich schon gar nicht mehr erinnern.

(jas)