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Rheinberg: Busfahrt mit Homer und Robin Hood

Rheinberg : Busfahrt mit Homer und Robin Hood

Kabarettist Jochen Malmsheimer kam mit seinem aktuellen Programm ins Stadthaus.

Ein Abend mit Jochen Malmsheimer hat es in sich. Gibt er zu Beginn im Rheinberger Stadthaus im rustikalen Outfit - kariertes Hemd und Lederweste - zunächst Verhaltensregeln in Manier eines Flugbegleiters aus, so nimmt er fortan allerdings wortgewaltig Kurs auf die Bildung im Allgemeinen und Speziellen. Sein Programm "Dogensuppe Herzogin - ein Austopf mit Eintopf" bietet als Vorleseabend eine skurrile Beobachtung auf die Menschheit, ihre Literaten und die Vernachlässigung der allgemeinen Bildung. Und: "Sie müssen nicht klatschen, wenn Sie etwas verstanden haben. Wir sind doch nicht im Karneval!", denn "Rheinberg ist eben keine Universitätsstadt." Herr Raubein lässt grüßen.

Der Mann, der in der Szene als sprachgewandte Galionsfigur gilt, findet sich in der Opferrolle wieder: Seine Frau will mit ihm eine Busreise nach Venedig machen. Die "Benutzung eines Busses" offenbart Schlimmes. Menschen mit all ihren Gebrechlichkeiten sitzen zwölf Stunden zusammen, um sich über die A 45 gen Venedig kutschieren zu lassen. Malmsheimer leidet, ist doch der Bus zu klein "für seine Körperlichkeit".

Gespräche zwischen Ehepaaren, die sich mit "Mutti" und "Vati" anreden, die im Partnerlook beige-marine farbige Windjacken tragen, sind ihm ein Graus. Ebenso wie der mitgebrachte Proviant, der untereinander zum Probieren getauscht wird. Der Genuss von gegorenem Kartoffelsalat versetzt ihn in eine andere Welt, in der Literaturhelden wie Homer, Robin Hood und Sherlock Holmes statt der Mitreisenden neben ihm sitzen. Die Busfahrt dient als Rahmenhandlung, die zugleich eine gewisse zerebrale Fitness seines Publikums voraussetzt. Denn Malmsheimer liebt die gedrechselte Sprache, deren Botschaft er durch Mimik und Gestik verstärkt, ist Meister der Intonation. Er säuselt, sorgt dann für sprachliche Tornados. Dabei verlangt er von seinem Publikum die volle Konzentration, weil er ein enormes Sprechtempo vorlegt. Kleine Auszeiten gibt es dann, wenn Malmsheimer selber von einem kurzen Lachkrampf geschüttelt wird.

Wer diese Pause nicht nutzt, verliert den Anschluss an die klassische Abteilung, die Literatur- und Geistesgeschichte. Ritter Malmsheimer verteidigt die Helden der Literatur, sieht er doch in der mangelnden Bildung den Quell allen heutigen Übels. Lesen ist der Zugang zur Welt. Denn die Blödheit wohne im Menschen. "Bildung macht nicht nur klug, sondern auch sexy", so Malmsheimer in seinem Plädoyer für Aufklärung und Vernunft.

(sabi)