Bürgerinitiative „Contra Rheinuferverbot“: Der Weg zum Rhein ist das Ziel

Bürgerinitiative „Contra Rheinuferverbot“ : Der Weg zum Rhein ist das Ziel

In Rheinberg haben rund 80 Frauen und Männer die Bürgerinitiative „Contra Rheinuferverbot“ gegründet. Sie fordern einen legalen Zugang zum Wasser.

Im Bürgerkeller der „Alten Apotheke“ blieb am Donnerstagabend kein Stuhl mehr frei, so groß war das Interesse. Die Initiatoren wollen erreichen, dass in Ossenberg zwischen der Lineg-Kläranlage und der Altrheinmündung ein legaler Zugang zum Rheinufer geschaffen wird. Zahlreiche Aktionen sind nun geplant. Bereits am Samstag werden einige der Gründer beim Maskottchenrennen auf dem Ossenberger Sportplatz auf sich aufmerksam machen.

Schon seit Wochen beherrscht das Thema die Medien. Und schon seit Wochen laden die Initiatoren sonntags zu Protest-Spaziergängen nach Ossenberg ein. Seit Jahren gehen sie dorthin, aber erst seit kurzem werden sie deswegen gerügt – von Rangern des Regionalverbands Ruhr, die der Kreis Wesel neuerdings als Ordnungshüter in Naturschutzgebieten einsetzt (wir berichteten). Eine solche Kontrolle hatte sich nicht vermeiden lassen, weil immer wieder Hunde von der Leine gelassen wurden, weil ohne Schein im Rhein geangelt oder in den Wiesen gegrillt oder gecampt wurde. Auch Mountainbikefahrer störten die erforderliche Ruhe in Naturschutzgebieten, etwa zur Brutzeit. Vom Müll, der dort regelmäßig liegen gelassen wird, ganz zu schweigen.

Zu dieser Sorte Besucher gehörten sie nicht, hoben die Initiatoren hervor. Ihnen sei plötzlich klar gemacht worden, dass sie sich zu Unrecht in einem Naturschutzgebiet aufhielten, wenn sie hinter der Kläranlage den Trampelpfad zum Rheinufer nahe der Altrheinmündung liefen.

„Da dürfen Sie sich nicht aufhalten und schon gar nicht Ihre Hunde von der Leine lassen“, sagte Klaus Lorenz in der Versammlung. Der Budberger ist Erster Vorsitzender des Vereins Biologische Station im Kreis Wesel mit 15 hauptamtlichen Mitarbeitern. Er war als „Überraschungsgast“ gekommen und bekam Applaus dafür, dass er als einziger von sich aus auf die Bürgerinitiative zugegangen war. Lorenz machte deutlich, dass die Fläche in Ossenberg Naturschutzgebiet sei – ohne Wenn und Aber. Für die Bürgerinitiative sprachen die Mitglieder der Steuerungsgruppe, die wie ein Vorstand agiert und bisher alles in die Hand genommen hat. Britta Krämer aus Rheinberg machte zunächst deutlich, dass es sich „auch, aber nicht ausschließlich“ um Hundehalter handele. „Wir sind vor allem Menschen, die gerne in der Natur sind. Wir möchten mit den Kindern am Wasser Sandburgen bauen und Steine ins Wasser werfen. Am Rhein gibt es Auskiesung auf der einen und einen geplanten Ruhehafen für Binnenschiffe auf der anderen Seite. Wir möchten nichts weiter als ein Stück dazwischen haben“. Natürlich achte man die Regeln des Naturschutzes und keinesfalls habe man etwas gegen die Ranger; es sei gut, dass sie aufpassten – „die machen nur ihre Arbeit. Leider gibt es ja immer schwarze Schafe“, hieß es.

Einen legalen Zugang zum Rheinufer – mehr will die Bürgerinitiative nicht. Tatsächlich gibt es auf Rheinberger Stadtgebiet zwischen Orsoy und Wallach nur eine Stelle, wo man ans Wasser kann, ohne sich strafbar zu machen. In Orsoy-Land, zu erreichen über die Straße dieses Namens, die nahe der Zuff-Kreuzung von der Umgehungsstraße (L 137) in den Orsoyer Rheinbogen abbiegt. Alles andere ist Naturschutzgebiet, landwirtschaftliche Nutzfläche oder Auskiesungsgebiet.

Die Steuerungsgruppe mit (vorne) Sabine Lehnst, Patrick Meyer sowie (dahinter v.l.) Anika Miesen, Janina Pollmann, Thomas Lehnst, Britta Krämer, Sabine Willicks und Kerstin Karabeg. Foto: Fischer, Armin (arfi)

„Contra Rheinuferverbot“ will den Druck nun steigern. Es soll Aufklärungsarbeit geleistet werden, bei Veranstaltungen wollen sich die Akteure sehen lassen und auf sich aufmerksam machen, vor dem Stadt- und dem Kreishaus soll demonstriert und es sollen Gutachten angefordert werden. „Außerdem“, so Britta Krämer, „möchten wir, dass in Rheinberg noch ein paar Auslaufflächen für Hunde angelegt werden.“

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