Bürgerbusverein Rheinberg trainiert beim Fahrsicherheitscentrum Rheinberg

Fahrsicherheitstraining für Bürgerbus: Angst ist ein schlechter Beifahrer

Der Rheinberger Bürgerbus-Verein hat seine ehrenamtlichen Fahrer im Fahrsicherheitscentrum in Millingen schulen lassen. Die Teilnehmer lernten wichtige Verhaltensweisen kennen und konnten auch praktisch trainieren.

Über 350.000 Kilometer haben die 25 ehrenamtlichen Fahrer des Rheinberger Bürgerbus-Vereins bereits für die Allgemeinheit abgespult. Unfallfrei wohlgemerkt. Damit das auch in Zukunft so bleibt, hatte der Verein seine Fahrer nun zu einem Fahrsicherheitstraining auf dem Parcours in Millingen eingeladen. Die Kosten werden zu 80 Prozent von der Berufsgenossenschaft Verkehr übernommen. Rund 1500 Euro trägt der Verein. Dem Vorsitzenden Karl-Heinz Lochen ist es das wert: „Unsere ehrenamtlichen Fahrer befördern Fahrgäste und deren Sicherheit hat für uns oberste Priorität. Deshalb waren alle sofort dafür.“

Fahrsicherheitstrainer Torsten Köhler kann das Engagement der Teilnehmer bestätigen: „Sie sind alle mit ganz viel Motivation dabei. Sie wollen sich selbst überprüfen und etwas dazu lernen.“ Ein Trainingsschwerpunkt ist die richtige Vollbremsung, auch weil deren Notwendigkeit im Alltag der Fahrer nur ganz selten vorkommt. Um das Gefühl für den Unterschied zwischen einem achtsitzigen Bus und einem Pkw zu bekommen, trainieren die Teilnehmer zunächst mit ihren Privatfahrzeugen. „Ein Pkw reagiert in Grenzsituationen ganz anders. Durch den höheren Schwerpunkt ist der Bus wesentlich kippfreudiger, das müssen die Fahrer wissen“, erläutert Köhler.

Um diesen Grenzsituationen so nahe wie möglich zu kommen, werden Fahrten auf Schnee und nasser Fahrbahn simuliert. Damit sie ein Gefühl dafür entwickeln, wie sich ihre Fahrgäste bei einer Vollbremsung fühlen, tauschen die Busfahrer an diesem Tag die Rollen. „Ein voll besetzter Bus verhält sich anders als ein leerer, auch das ist ein Aspekt“, erklärt Köhler, der immer wieder von außen Anweisungen gibt: „Mit Vollgas anfahren, dann runter vom Gas und auf die Bremse. Nur das ist eine richtige Vollbremsung.“ Leo van den Boom, der seit fast fünf Jahren den Bürgerbus steuert, gelingt das ganz gut. Einziger Kritikpunkt des Trainers: „Der Oberkörper muss entspannt bleiben.“ Köhler kennt das. „Die meisten müssen eine Hemmschwelle überwinden, bevor sie wirklich voll drauftreten. Wir können hier zwar nicht den Ernstfall proben, aber den Fahrern ein Gefühl der Sicherheit vermitteln“, sagt er.

Torsten Köhler (r.) schult die Fahrer des Rheinberger Burgerbusses. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Peter Bender bestätigt das: „Wir haben hier einen fiktiven Bremspunkt. Es gibt kein plötzlich auftauchendes Hindernis, das Überraschungsmoment fehlt. Das Training ist vor allem wichtig, um unser Bewusstsein zu erweitern.“ Leo van den Boom hat im Alltag noch nie eine Vollbremsung machen müssen. Angst davor hat er allerdings nicht: „Angst ist ein schlechter Beifahrer. Damit man gar nicht erst in eine Gefahrensituation kommt, sollte man vorausschauend fahren und immer mit der Dummheit der anderen rechnen.“

Susanne Grimm kann das bestätigen. In einem Gewerbegebiet liefen plötzlich zwei Männer hinter einem abgestellten Lkw auf die Straße. „Ich habe eine Vollbremsung gemacht und kam eineinhalb Meter vor den Männern zum Stehen. Der Bus war voll besetzt. Danach wussten alle, warum sie sich anschnallen müssen“, erinnert sich die Fahrerin. Neben der vermittelten Sicherheit hebt Susanne Grimm das Gemeinschaftsgefühl hervor: „Wir haben hier alle sehr viel Spaß, es entsteht eine richtige Gruppendynamik.“ Das Ehrenamt kann die Kassiererin des Vereins nur empfehlen: „Es macht von Jahr zu Jahr mehr Spaß, auch weil wir inzwischen sehr viele Stammgäste haben.“

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