Alpen: Buch über die Blüten des Alltags

Alpen: Buch über die Blüten des Alltags

Lyrisch, fiktional und autobiografisch: Franziska Röhl hat auf fast 102 Seiten Alltägliches in Worte gefasst. Die ehemalige Lehrerin an einem Dorstener Gymnasium entdeckte das Schreiben erst spät.

"Die Uschi aus Menzelen-West bestand einen schwierigen Test: Sie musste beweisen, dass Gesang aus Meisen den Menschen schnell einschlafen lässt". Es ist der Alltag, der seine Blüten treibt in dem ersten Buch, das Franziska Röhl geschrieben hat. "Alltagsblüten" hat die 72-Jährige es betitelt. "Ich wollte nicht bluffen, ich wollte drauf schreiben, was wirklich drin ist". Auf 102 Seiten kann man sich durch Kurzgeschichten, Gedichte und Limericks wie den über die Uschi aus Menzelen-West lesen, die lyrisch sind, fiktional, autobiografisch - und absolut lesenswert. Nicht nur, weil sie einen immer wieder schmunzeln lassen. Auch deswegen, weil Franziska Röhl Alltägliches in Worte fasst, das jede und jeder schon irgendwann einmal erlebt oder gesehen hat. Weil sie die Leser an Kindheitserinnerungen teilhaben lässt, die sich mit eigenen Erinnerungen decken.

"Das Schwierigste waren die Korrekturen", sagt die Autorin, die an einem Gymnasium in Dorsten Deutsch und katholische Religion unterrichtet hat ("Ich war gerne Lehrerin") und sich vor zehn Jahren entschied, "nicht auf dem Zahnfleisch kriechend den Schuldienst zu beenden", sondern die Gelegenheit nutzte, in den Vorruhestand zu gehen. "Als Kind habe ich viel und gerne gelesen", erinnert sie sich, und als Deutschlehrerin hat sie natürlich immer schon viel mit Literatur zu tun gehabt.

Die "segensreichen Wirkungen des Schreibens" hat sie erst spät entdeckt - vor fünf Jahren, als Franziska Röhl aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ihrem Hobby nachgehen konnte: Krippenställe aus Holz bauen wie ihr Vater.

Erste Gehversuche hat sie bei der "Leichten Feder" Rheinberg unternommen, ein Kreis von inzwischen zwölf Frauen, die sich regelmäßig treffen und schreiben. Außerdem besucht Röhl die Literaturwerkstatt auf der Wasserburg Rindern bei Kleve, die fünfmal im Jahr angeboten wird. "Das ist schon recht anspruchsvoll", sagt die Autorin, die in Duisburg geboren und aufgewachsen ist, in Münster eine Hauswirtschaftslehre gemacht, in Bochum studiert hat und seit 31 Jahren in Moster's Mühle in Bönning-Rill lebt.

Sie hat sich angewöhnt, immer ein Heft und einen Kugelschreiber in der Tasche zu haben, um direkt aufzuschreiben, was ihr durch den Kopf geht beim Frühstück, unterwegs, beim Spaziergang. Als sie "sichtbarlich alt wurde", hat sie angefangen, aus den vielen Gedichten, Kurzgeschichten, Anekdoten, die sie über die Jahre direkt in den PC geschrieben hat, die Texte 'raus zu suchen, die sie in ihren "Alltagsblüten" bündeln wollte. Kurz vor Weihnachten war das Büchlein fertig.

Warum sie es geschrieben hat? "Ich wollte, dass was von mir übrig bleibt". Noch ein Limerick gefällig? "Der Peter, ein Bauer aus Menzelen-Ost, fror immer schon heftig bei jeglichem Frost. Sein schreckliches Frieren ihm schlug auf die Nieren, da half ihm nur jedes Mal sehr guter Most".

"Alltagsblüten", Erzählungen und Gedichte von Franziska Röhl, 8,90 Euro, erhältlich in der Linden-Buchhandlung in Alpen und bei der Autorin (02802 704106).

(jas)