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Bönninhardter restaurieren ihren historischen Plaggenhütten

Geschichtsarbeit auf der Bönninghardt : Die Hei sticht Plaggen auf Veener Friedhof

Der Bönninghardter Förderverein für Naturschutz und Brauchtum hatte dazu aufgerufen, bei der Sanierung der historischen Behausungen mitzuhelfen. Rund 20 Leute aus dem Dorf haben bei der Aktion am Samstag mit angepackt.

Einige Schlieten, wie die Standpfeiler aus Lärchenholz heißen, waren faul geworden. Die Plaggen oder auch Grasnarben, die die Wand abdichten, waren porös und zerfielen, als sie herausgenommen wurden. Die komplette rechte Wand der großen Plaggenhütte musste erneuert werden. Rund 20 Bönninghardter waren an den Plaggenhütten im Einsatz, um das Wahrzeichen des auf seine Geschichte so stolzen Dorfes zu restaurieren und für die nächsten Jahre standfest zu machen.

„Die beiden Plaggenhütten sind letztendlich auch ein kleines lebendiges Heier Museum“, sagte Herbert Oymann. „Sie sind eine Bönnighardter Sehenswürdigkeit und gehören zu unserer Geschichte.“ Der Ortsvorsteher hatte die Aktion zusammen mit Roland Jordan organisiert, dem Plaggenhütten-Beauftragten des Bönninghardter Fördervereins für Naturschutz und Brauchtum und Dachverband der örtlichen Vereine.

„Das Frühjahrsgespräch trägt Früchte“, freute sich der Ortsvorsteher. Er hatte die Klubvertreter des Dorfes vor wenigen Wochen zur Bestandsaufnahme auf den Waldspielplatz eingeladen. „Aber es beteiligen sich heute auch freiwillige Helfer, die keinem Verein angehören“, berichtete Herbert Oymann.

 Drei Generationen haben bei der erdverbundenen Arbeit alles gegeben. Wo die Plaggen abgetragen wurden, blühen übrigens bald Wildblumen.
Drei Generationen haben bei der erdverbundenen Arbeit alles gegeben. Wo die Plaggen abgetragen wurden, blühen übrigens bald Wildblumen. Foto: Ostermann, Olaf (oo)
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Die Plaggen mussten die Bönninghardter bei den Nachbarn in Veen abstechen. „Die Hei liegt auf einer Endmoräne. Direkt unter dem Boden beginnen Sand und Kies“, berichtete Alexander Kröll, Vorsitzender des Fördervereins: „Ich weiß nicht, wo die Bönninghardter früher ihre Plaggen geholt haben.“ Er habe mit Volker Schulte-Bunert von der Gemeinde Alpen abgestimmt, „dass wir auf dem Friedhof in Veen die Plaggen abstechen, die in Menge, Güte und Beschaffenheit für unsere Zwecke sehr gut sind“. So kamen drei Autoanhänger voll mit Plaggen vom Friedhof im Krähendorf ins benachbarte Besenbinderdorf. 

Vor sechs Jahren war schon die rechte Wand der großen Plaggenhütte, ein „Einraumhaus“ mit drei Meter mal zweieinhalb Meter Innenfläche, erneuert worden. Die kleine Plaggenhütte, die links daneben liegt und einen Stall für Ziegen nachbildet, steht noch so da, wie sie vor zehn Jahren fertiggestellt wurde. „Zunächst lag eine Kunststofffolie unter dem großen Ginsterdach“, berichtete Alexander Kröll. „Sie endete nicht an der Traufe, sondern an der Wand. Da das Ginsterdach bei starkem Regen immer etwas Wasser durchlässt, ist sie nass geworden. 2016 wurde sie ersetzt.“ 

Der aktuelle Schaden wird auch auf den Klimawandel und in der Folge auf die zunehmenden Starkregen am Niederrhein zurückgeführt, die binnen Stunden so viel Wasser bringen wie sonst in einem Monat fällt. „Jetzt aber ist die Wand für die nächsten Jahre standfest“, sagte der Vorsitzende der Vereinsgemeinschaft. Beim Einsatz an der Plaggenhütte haben die freiwilligen Helfer auch die Wiese drumherum gemäht und im kleinen Kräutergarten Unkraut gezupft.

2001 hatte die Interessengemeinschaft für Geschichte und Natur die Plaggenhütten am Heideweg errichtet. Doch sie wurden angezündet und brannten aus. Erst zehn Jahre später wurden die beiden Plaggenhütten an der Streuobstwiese neben der katholischen Kirche St. Vinzenz wieder aufgebaut. Sie erinnern an die bittere Armut der Pfälzer, die um 1900 in die Bönninghardt kamen und hier sesshaft wurden. Erst als die Böden künstlich bewässert werden konnten, wurde das Leben auf der Hei leichter.

(got)