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Blauschäfer Rainer Bonk aus Rheinberg wird 75 Jahre alt

Rainer Bonk wird 75 : Mit roter Kappe und blauen Figuren

Rainer Bonk aus Vierbaum ist der Vater der Blauschafe und jetzt auch der Blaumännchen, die man auf der Landesgartenschau in Kamp-Lintfort sehen kann. Am Sonntag wird „Der Blauschäfer“ 75 Jahre alt.

Kunst gehört in den öffentlichen Raum – diese Idee treibt Rainer Bonk schon lange um. Kunst, die eine einfache Botschaft beinhalten soll. „Toleranz, ein friedliches Miteinander, das möchte ich mit meinen Figuren symbolisch darstellen“, sagt der Vierbaumer. Berühmt geworden ist Rainer Bonk als „Der Blauschäfer“. Seit genau 20 Jahren erobern seine niedlichen Polyester-Kunstharz-Schafe in nicht zu übersehendem Yves-Klein-Blau die Welt. Jetzt beleben seine für die Landesgartenschau in Kamp-Lintfort entwickelten „Blaumännchen“ das ehemalige Zechengelände und erfreuen die Besucher. Und Rainer Bonk selbst? Der wird am Sonntag 75 Jahre alt und hat noch viele Ideen für die Zukunft. 75 Jahre – diese Marke bedeute ihm nicht viel. Weitermachen lautet die Devise des Künstlers, den man nie ohne seine knallrote Plätschkapp sieht.

Bei den Filmfestspielen in Venedig, bei der Triennale in Bad Ragaz in der Schweiz, vor dem Schloss Bellevue in Berlin oder bei allen möglichen Gartenschauen im In- und Ausland: Bonks Blauschafe sind zu einer nicht zu übersehenden Marke geworden. „Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat seit kurzem eins in seinem Garten stehen“, erzählt der gebürtige Duisburger. Bei rund 180 Ausstellungen auch in Brüssel und Wien und beinahe mal vor dem Weißen Haus in Washington haben seine unverwüstlichen Herden schon gegrast.

Bonks zentrale Botschaft: Das Schaf als gutmütiges Tier, die Herde als Sinnbild für die Menschen dieser Welt, die doch alle gleich sind und alle gleiche Bedürfnisse haben. „Hunger, Durst, Müdigkeit, Glück, Freude oder Angst, der Wunsch nach Frieden – darin unterscheiden sich Afrikaner und Asiaten nicht von Amerikanern oder Europäern“, lautet Rainer Bonks Überzeugung.

Jetzt, nach 20 Jahren, sei es aber mal an der Zeit gewesen, dem Blauschaf einen anderen Sympathieträger an die Seite zu stellen: das Blaumännchen. Ein Erdmännchen im Blaumann, könnte man sagen. Ist der Blaumann doch der Inbegriff des Arbeiters und damit auch des Kumpels. Rainer Bonk: „Erdmännchen leben in Sozialverbänden, helfen und beschützen sich gegenseitig. Sie haben Charme und Charakter und haben das mit den Kumpels gemeinsam.“ Die Bergleute wiederum seien das Sinnbild schlechthin für das Ruhrgebiet, für den wirtschaftlichen Aufstieg vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg und auch für gelungene Integration. Rainer Bonk: „Russe, Pole, Deutscher – unter Tage waren alle gleich.“

Da Blau ohnehin Bonks Hausfarbe ist, war die Idee des Blaumännchens schnell geboren. Und eine Brücke zur Landesgartenschau in Kamp-Lintfort geschlagen, die ja auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Friedrich-Heinrich stattfindet. Der Blauschäfer (dessen Schafherde natürlich auch auf dem Laga-Gelände weidet) hat einen Stollen angelegt, einen Erdhügel, aus dem seine Blaumännchen kleine Eimer mit „Grubengold“ heraustragen. Gold eingefärbte Steinchen, die den Wert der Steinkohle unterstreichen sollen. Putzig sieht das aus, und diese Installation nahe des Haupteingangs hat sich bereits zu einem Publikumsliebling der Gartenschau entwickelt. Und das nicht nur bei den Kindern, die gern mal das eine oder andere Goldsteinchen mopsen.

Rainer Bonk: „Die Blaumännchen stehen nicht nur für den Kohlebergbau, sondern für den gesamten Lebensraum sowie das Lebensgefühl des Ruhrgebiets. Grundlegend und prägend dafür sind ganz besonders die gelebten und erlebten bergmännischen Traditionen. Zuverlässigkeit, Fleiß, Zusammenhalt und dazu ein trockener Humor. Schimanski lässt grüßen.“