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Baustellen in der Rheinberger Innenstadt bringen Kritiker auf den Plan

Stadtumbau in Rheinberg : Immer Ärger mit den City-Baustellen

Anwalt Ulrich Rust nimmt die Baustellen in der Rheinberger Innenstadt erneut zum Anlass, gegen die Bauverwaltung zu polemisieren. Der städtische Chef-Techniker Dieter Paus erläutert das Vorgehen seiner Straßenbauabteilung.

Wenn in der Rheinberger Innenstatdt gebuddelt wird – und da wird häufig gebuddelt –, sind die Kritiker nicht weit. Das ist auch in Zeiten so, in denen die Kontaktsperre im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus für weitgehend menschenleere Gassen sorgt und das Geschäftsleben nur noch auf Notflamme köchelt. Als Anwalt Ulrich Rust beim Blick aus seiner Kanzlei an der Rheinstraße einen Trupp des Dienstleistungsbetriebs (DLB) erspäht, der noch bis zum Ende der Woche schadhafte Stellen im grauen Pflaster ausbessert, ist’s für ihn wieder mal an der Zeit: Er nimmt das Straßenbau-Management im Stadthaus im Allgemeinen und im Detail pointiert aufs Korn. Dieter Paus, Technischer Beigeordneter, nimmt’s gelassen und verteidigt die städtische Marschroute.


Schauplatz Rheinstraße

Die Ausbesserungsarbeiten im Pflaster verbunden mit der Sperrung sind für Rust ein weiterer Beleg dafür, dass der erst wenige Jahre alte Belag nicht für die Belastung durch täglich mehr als 150 Busfahrten ausgelegt sei. Erst im Februar sei auf der Orsoyer Straße geflickt worden, im März dann das frisch verlegte Pflaster im Bereich der Bushaltestelle am Holz- und Fischmarkt. „Dieser Irrsinn, die systematische Zerstörung des Pflasters auf Kosten der Steuerzahler muss gestoppt werden“, findet der Jurist. Dieter Paus, Chef-Techniker der Stadt, sieht darin lediglich den erneuten Versuch des Klägers, die Busse aus der Stadt fernzuhalten. Paus spricht von „punktuellen Ausbesserungen“, die die grundsätzliche Tauglichkeit der Pflasterung nicht infrage stellten. Im Übrigen habe die Stadt den Zeitpunkt der Pandemie-Krise und der Osterferien gewählt, um die Ertüchtigung mit möglichst geringen Beeinträchtigungen für die Anwohner erledigen zu können.

Noch bis Ende der Woche ist ein Trupp des Dienstleistungsbetriebs dabei, schadhafte Stellen in der Fahrbahn der Rheinberger Straße auszubessern. Foto: bp


Schauplatz Gelderstraße

Auch dass die Fußgängerzone derzeit erneut eine Großbaustelle ist – ein Drittel der Pflasterung ist weggerissen und durch Schotter ersetzt –, erregt den Unmut von Ulrich Rust. Schon im vorigen Jahr sei die Gelderstraße über Monate Baustelle gewesen. Nun sei sie wieder aufgerissen. „weil unter anderem die Arbeiten im letzten Jahr nur unvollständig beziehungsweise mangelhaft waren“, unterstellt der Anwalt. Dann hätten die Anwohner „durch einen bunten Flyer der Stadt erfahren, dass es noch besser kommt“ und die Fußgängerzone im nächsten Jahr im Zuge des Stadtumbaus erneut Baustelle sein werde. „Die Totengräber der Stadt haben mal wieder ganze Arbeit geleistet“, so Rust mit betont sarkastischem Zungenschlag.

Dieter Paus hält sachlich dagegen. Es sei schlichtweg nicht möglich gewesen, die tief liegende Abwasserleitung zeitgleich mit der Gas- und Frischwasserleitung zu erneuern. „Dafür reicht der Platz nicht. Alternative wäre „die komplette Sperrung über einen sehr langen Zeitraum“ gewesen. Die Stadt habe sich bewusst für die Entzerrung und ein abgestimmtes Vorgehen entschieden, damit die Fußgängerzone in der Adventszeit frei begehbar sei und das Weihnachtsgeschäft nicht leide, so Paus.


Schauplatz Xantener Straße

Auch die Sanierung des Rad- und Gehweges Xantener Straße ist für Rust Beleg „für laienhafte Arbeit in der Bauverwaltung“. Die späte Erkenntnis, dass der Unterbau mangelhaft sei, habe dazu geführt, dass die Anwohner beitragspflichtig wurden. „Die nächste Prozesswelle lässt grüßen“, so der Anwalt. Dass Bürger sich gegen Kostenbescheide wehren, gehöre für die Verwaltung zum Tagesgeschäft. „Wir sind auch nicht glücklich mit der Regelung des Landes“, sagt Paus. Die Stadt treffe keine Schuld. „Wir haben keine Röntgenaugen“, so Paus. Die unzureichende Tragschicht, die nur investiv auszubessern gewesen sei, habe nicht nach Aktenlage erkannt werden können. Zudem hätte auch mal umgelegt werden müssen, wenn’s sofort erkannt worden wäre. So seien die Regeln.