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Alpen: Bauern wollen keine Bürokraten sein

Alpen : Bauern wollen keine Bürokraten sein

Ortsbauernschaft Veen diskutiert aktuelle Themen der Agrarpolitik: vom Mindestlohn bis zum Wegfall der Milch-Quote.

Die Neigung der Politik, Bauern zu Bürokraten zu machen, die mehr Zeit am PC als im Stall oder auf dem Acker verbringen, ist eine große Sorge, die Johannes Paaßen umtreibt: "Wie soll man da junge Menschen noch begeistern, diesen eigentlich tollen Beruf auszuüben." Der 42-jährige Landwirt steht seit einem Jahr an der Spitze der rund 45 Bauern in Veen. Der Vater von zwei Kindern und Herr über 180 Rinder und 150 Hektar Land hat Karl-Heinz Ricken abgelöst, der 16 Jahre lang Ortsbauer in Veen war. Donnerstagabend leitete Paaßen die Winterversammlung im Gasthof Terlinden. Experten diskutierten mit der Basis aktuelle Fragen der Agrarpolitik in Brüssel, Berlin und Düsseldorf.

Die Resonanz war großartig. Knapp 50 aktive Landmänner- und frauen füllten den Saal. Die Altersspanne war beachtlich. Der Jüngste war 16, der Älteste 80, Väter saßen neben ihren Söhnen, Landfrauen und Landjugend standen selbstverständlich auch auf der Gästeliste. "Der Zusammenhalt ist bei uns noch sehr groß", sagt Paaßen im RP-Gespräch und lehnt sich zufrieden zurück. "Wir sind eine lebendige Gemeinschaft, alle wollen wissen, wo es mit der Landwirtschaft hingeht."

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Die Zukunft ist eine Rechnung mit Unbekannten. Die Marschrichtung geben die Parlamente vor - mit den Folgen müssen die Bauern klarkommen. Ein Thema: der gesetzliche Mindestlohn. Der bringe den Aushilfen nicht spürbar mehr - erst 7,40, später 8,50 Euro. Der Bauer muss genau Buch führen, wer wann wie lange arbeitet. "Ein bürokratisches Monster", so Paaßen. Bei den Saisonkräften müssten die Landwirte drauflegen. Folge für Verbraucher: Der Preis für Gemüse ziehe an.

Auch die EU-Vorgabe, fünf Prozent der Fläche "ökologisch" freizuhalten, sei eine ärgerliche Last, weil unflexibel und schwer umsetzbar. NRW-Minister Remmel, kritisiert der Landwirt, kündige beim Naturschutz den Dialog auf, setze statt auf Freiwilligkeit allein aufs Ordnungsrecht. Keine gute Basis, um einen praktikablen Interessenausgleich hinzukriegen.

Eine einschneidende Veränderung steht unmittelbar bevor. Ende März fällt die Milch-Quote. Ohne das Steuerungsinstrument, das 30 Jahre lang aller hitzigen Debatten zum Trotz funktioniert habe, regelt allein der Weltmarkt den Preis. Der liegt derzeit um die 30 Cent pro Liter. Angebot und Nachfrage sind ab April das alleinige Maß.

Ob's dem Milcherzeuger hilft, vermag der Veener, der zum streitbaren Bund Deutscher Milchviehalter (BDM) gehört, nicht einzuschätzen: "Abwarten." Aber das mit dem Markt sei im Boxenlaufstall so eine Sache. "Wenn der Automobil-Absatz stottert, bremst die Industrie die Bänder. Aber ein Bauer kann seine Kühe nicht trocken stellen."

Johannes Paaßen, der seit einigen Jahren mit Nachbar Ingenerf kooperiert, sorgt eine Tendenz: "Die Betriebe werden immer größer. Das ist genau das Gegenteil von dem, was das Land vorgibt." Die Schreckensvision sind agrarindustrielle Großbetriebe mit Managern ohne Bindung an den Ort. "Irgendwann kommt's so weit, dass beim Schützenfest Gülle gefahren wird."

(RP)