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Awo-Mitarbeiter streiken in Rheinberg für mehr Geld

Tarifverhandlungen : Awo-Mitarbeiter streiken für mehr Geld

Rund 200 von etwa 1200 Beschäftigten der Arbeiterwohlfahrt im Kreis Wesel demonstrierten am Dienstag in der Rheinberger Innenstadt. Sie fordern die Angleichung ihrer Gehälter an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst.

Eine bessere Bezahlung, „weil wir es wert sind“ – so lautete die Forderung. In der Tarifauseinandersetzung zwischen der Gewerkschaft Verdi und der Arbeiterwohlfahrt in Nordrhein-Westfalen hatte die Gewerkschaft die Beschäftigten der Awo-Betriebe zu Warnstreiks aufgerufen. Nachdem sich am Montag in Essen rund 3500 Betroffene lautstark für Gehaltserhöhungen zu Wort gemeldet hatte, war am Dienstag Rheinberg Schauplatz der Kundegebung. Rund 200 von insgesamt etwa 1200 Mitarbeitern des Awo-Kreisverbandes Wesel rollten am Vormittag mit sieben Bussen auf der Bahnhofstraße an.

Der Ort war nicht zufällig gewählt worden: Im Gebäude der Sparkasse am Niederrhein sitzen Verwaltung und Geschäftsführung des Awo-Kreisverbandes Wesel. In gelben Westen, ausgestattet mit Trillerpfeifen, Tröten und Hupen versammelten sich die Beschäftigten aus Kindertagesstätten, Ganztagsbetreuungen an Schulen, Pflegeheimen und Beratungsstellen auf der Wiese im Stadtpark. Dort wurden schnell Protestlieder geschmettert: „1 Verdi, 2 Verdi, 3 Verdi, 10.000 Verdianer“ und: „Wir brauchen Verdi-Tage, endlich richtige Kohle!“. Das Duo „Gutzeit“, zwei Gitarristen und Sänger, war extra aus Hamburg angereist, um beim Warnstreik Musik machen zu können.

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Auf die Frage „Was wollt ihr?“ von Gewerkschaftssekretärin Dagmar Acosta Navarro lautete die klare Antwort aus vielen Kehlen: „Zehn Prozent!“ „Wir wollen endlich den Anschluss an den Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst“, betonte die Gewerkschafterin, die hinzufügte: „Ich weiß, dass ihr gerne bei der Awo arbeitet und dort bleiben wollt. Aber ihr sollt auch gerecht bezahlt werden.“ Die Awo dürfe sich nicht wundern, wenn Mitarbeiter zu anderen Verbänden abwanderten.

Gerda Steinhorst, Betriebsratsvorsitzende beim Awo-Kreisverband und Mitglied der Tarifkommission, stellte klar: „Nicht dieser Streik ist unredlich, sondern das Verhalten der Arbeitgeber. Ihr macht jede Menge Überstunden, um finanziell über die Runden zu kommen. Aber die Arbeitszeiten werden nicht erhöht. Das muss sich ändern.“

Der bestehende Tarifvertrag für die nordrhein-westfälische Awo datiert vom 1. Januar 2008, ist also elf Jahre alt. Die erste Verhandlungsrunde war gescheitert. Die Arbeitgeber hatten zunächst sieben Prozent mit einer Laufzeit von 30 Monaten angeboten. „Das war inakzeptabel“, sagt auch Verdi-Gewerkschaftssekretär Frank Robert Dücker. „Wir fordern zehn Prozent für 13 Monate.“

Mit der durchschnittlichen Erhöhung von zehn Prozent könnte eine Angleichung der Löhne an das Lohnniveau im öffentlichen Dienst erfolgen. „Gleiches Geld für gleiche Arbeiten. Das ist in Zeiten von Fachkräftemangel bei steigendem Bedarf an Fachkräften die einzig richtige Antwort auf die sozialpolitische Wirklichkeit“, so der Verdi-Sprecher. Er verwies darauf, dass vergleichbare Arbeitgeber wie der Caritasverband, das Diakonische Werk oder das Deutsche Rote Kreuz die Tarife des öffentlichen Dienstes zahlten.

Die Demonstranten zogen, begleitet von den Rheinberger Bezirkspolizisten Werner Speckamp und Uwe Hribsek, friedlich, aber lautstark, vom Stadtpark aus über Innenwall, Wallstege, Kamper Straße, Beguinenstraße, Am St.-Barbara-Garten und Innenwall zurück zum Stadtpark.