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Rheinberg: Aus der Geschichte der Rheinberger SPD

Rheinberg : Aus der Geschichte der Rheinberger SPD

Siegfried Zilske, altgedienter Kommunalpolitiker und Pädagoge, ergänzte die Chronik zum 150. Geburtstag der Sozialdemokratie in Deutschland um 35 Seiten zur Entwicklung in Rheinberg, Borth, Budberg und Orsoy.

Der Platz ab Seite 137 gehört der Rheinberger SPD — doch das hat drucktechnische Gründe: Ihre ersten 100 Jahre sind viel mehr als ein Anhängsel hinter den Kapiteln, die die Sozialdemokratie in Deutschland seit 150 Jahren schrieb. Aber dieser Parteigeburtstag bot nun Gelegenheit, beides in einem Buch zu vereinen.

Ortsvereinsvorsitzender Jürgen Madry: "Wir sind gefragt worden, ob wir dem Geschichtsbuch der SPD eine eigene Ortsvereinsgeschichte anhängen möchten und konnten das tun, weil wir mit Siegfried Zilske einen kompetenten Autoren fanden." Zilske, der als SPD-Fraktionschef über Jahre die Politik in Rheinberg selbst erlebte und gestaltete. Und der als Pädagoge und Historiker geschichtliche Zusammenhänge überzeugend und interessant darstellen kann.

Das zeigt gleich der Einstieg in Zilskes sozialdemokratische Spurensuche. Dabei kleidet er ein für sich genommen eher trockenes Dokument in ein Ambiente, das Zeit und Umstände kurz nach der vorletzten Jahrhundertwende lebendig werden lässt. Durch einen guten Tipp war Zilske auf dieses Protokoll gestoßen. Im Rheinberger Stadtarchiv, in dessen Fundus er im vorigen Sommer gut sechs Wochen lang eintauchte. Er findet Zeugnisse für harte Zeiten, in denen sich die Sozialdemokraten behaupten mussten — bei den Reichstagswahlen 1907 erhielt der SPD-Kandidat ganze zehn von 696 Stimmen. 1919 standen auf der Wahlvorschlagsliste bereits 16 Namen, und die SPD errang zum ersten Mal zwei Ratssitze.

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Siegfried Zilske recherchierte nicht nur in Rheinberg-Mitte, er forschte auch in Orsoy und Borth. Schmerzliche Erkenntnis: "Vieles lässt sich nicht mehr darstellen, weil Zeitzeugen nicht mehr leben oder Dokumente nicht zur Verfügung stehen."

Das Bedauern spricht freilich für den Willen, eine perfekte Arbeit abzuliefern. Wer in dem Buch als interessierter "Normalleser" die Rheinberger Parteigeschichte entdeckt, stößt allemal auf reichlich Neues und Spannendes. Da werden die Lebenswege bedeutender Sozialdemokraten vor Ort aufgezeigt. Da wird der politische Wandel in der Stadt deutlich, den Ende der 60er Jahre neue Leute und andere Themen brachten.

Spannend ist die Aufzählung der Fragen, mit denen sich das durch die kommunale Neuordnung gewachsene Patchwork-Rheinberg beschäftigte: die drohende VEBA-Ansiedlung, die einen Industriekomplex dreimal größer als Bayer Leverkusen auf die grüne Wiese stellen sollte und die politische Welt in Rheinberg durcheinanderwirbelte.

Und die Partei? Vermeldete bemerkenswerte Zahlen: 1975 eroberten die Sozialdemokraten 40 Prozent der Stimmen und "schickten sich an die führende Rolle in der Stadt zu übernehmen" (Zilske). Eindeutiger Höhepunkt: Im Herbst 1984 wurde mit Unterstützung von Grünen und FBI Klaus Bechstein erster Bürgermeister, später sogar einer der ersten hauptamtlichen Bürgermeister im Land.

Das waren natürlich nur Stichpunkt auf 35 Seiten über ein Jahrhundert, über die es auch eine Langfassung gab. Zilske hat kräftig kürzen müssen, damit seine Arbeit in den vorgegebenen Raum passte. Aber die ausführliche Version ist ja noch vorhanden. Für später einmal. Und der Autor weiß heute schon, an welchen Stellen er gerne noch dazu recherchieren und Ergänzendes schreiben möchte.

(RP/rl)