Auftragsflaute bei Lemken: Es droht Kurzarbeit

Landwirtschaftsbranche : Flaute bei Pflügen

Die Krisenherde auf dem Globus erreichen auch den Standort Alpen. Landtechnikspezialist Lemken verzeichnet einen Auftragsrückgang von zehn Prozent. Rund 200 Leiharbeitnehmer mussten gehen. Kurzarbeit wird nicht mehr ausgeschlossen.

Weltweit aufflammende Krisenherde sorgen dafür, dass sich auch der stahlblaue Himmel über Alpen eintrübt. Der Agrartechnik-Spezialist Lemken hinkt aktuell seinen Vorgaben spürbar hinterher. Gesellschafterin Nicola Lemken und Geschäftsführer Anthony van der Ley haben die Beschäftigten am Standort Alpen auf einer Betriebsversammlung über die derzeitige Lage und mögliche Konsequenzen informiert. Fazit: Die Situation ist zwar nicht sonderlich erfreulich, aber es besteht auch kein Grund zur Panik.

Um rund zehn Prozent liegt der Auftragseingang nach dem dritten Quartal unter dem Stand von vor einem Jahr, sagte van der Ley im Anschluss an die Betriebsversammlung im Gespräch mit der Rheinischen Post. „Das kann sich gegenüber der Landtechnikbranche in Deutschland insgesamt, die im Schnitt über ein Minus von 20 Prozent klagt, noch sehen lassen“, so der Geschäftsführer. „Dennoch ist der Rückgang auch für uns nicht gerade schön.“

Gesellschafterin Nicola Lemken und Geschäftsführer Anthony van der Ley haben die Belegschaft über die aktuelle Lage informiert und darauf hingewiesen, dass es zu Kurzarbeit kommen kann. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Dabei habe das Jahr für das weltweit agierende Familienunternehmen vielversprechend begonnen. Noch bis zur Jahreshälfte sei der Spezialist für Ackerbau beim Umsatz „auf Rekordkurs“ unterwegs gewesen, berichtet van der Ley. Doch dann hätten die globalen Krisenherde ihre Bremskraft entfaltet und eine Konjunkturdelle beschert. „Grundsätzlich ist es immer so, dass wir zu spüren bekommen, wenn’s dem Landwirt nicht mehr so gut geht“, erläutert der Niederländer die Abhängigkeit von der Landwirtschaft.

Der Binnenmarkt in Deutschland und der Markt im Nachbarland Frankreich, wo Lemken zuletzt erfolgreich aus der Flaute gesteuert war, seien noch relativ stabil. „Doch die erneute Dürre in Zentraleuropa macht auch uns nun zu schaffen“, so van der Ley. Auch der Handelskrieg zwischen China und den USA treffe den Agrarsektor.

Die ungelöste Brexit-Frage sorge für große Verunsicherung auf den dortigen Märkten. Die Ukraine, zuletzt ein starker Umsatzmotor, schwächele, weil die Regierung Landwirten die Möglichkeit eröffnet habe, Land zu kaufen. So fehle ihnen das Geld für Gerätschaften. In Kanada habe sich der Winter spät verabschiedet und die Ernte so weit nach hinten geschoben, dass sie dann vom Neuschnee erwischt wurde. Die Klima-Debatten um CO2-Abgaben seien alles andere als Wachstumsbeschleuniger.

Und die Auseinandersetzung rund um das Düngemittel Glyphosat tue ihr Übriges und verschärfe den Druck, die Kräfte noch stärker auf mechanische Unkrautbekämpfung zu lenken. So wie Lemken es bereits mit der Übernahme des niederländischen Anbieters Steketee getan hat.

Das Bündel an Problemfeldern bleibt nicht folgenlos für den Produktionsstandort in Alpen. Die 1000 Jobs, so versichert Gesellschafterin Nicola Lemken, seien aktuell nicht gefährdet. Dennoch: Lemken hat sich zuletzt von rund 200 Leiharbeitnehmern getrennt, die das Unternehmen wie in jedem Jahr eingestellt hatte, um saisonale Produktionsspitzen abzuarbeiten. Keine unübliche personalpolitische Maßnahme, die Flexibilität sichert. Weniger üblich wäre es, wenn Überlegungen greifen, in einzelnen Bereichen der Fertigung Kurzarbeit zu fahren. Die Unternehmensführung will derzeit jedenfalls „nicht ausschließen“, dass es im November oder Dezember so weit sein könnte.

Nicola Lemken setzt auf den Auftritt des Unternehmens bei der Messe Agritechnica in Hannover im nächsten Monat. „Viele Landwirte warten noch ab, was die Branche an Neuheiten vorstellt“, sagte sie. Positiv stimme sie, dass sich die Auftragsbücher fürs kommende Jahr merklich füllen. Das sichere schon jetzt die Auslastung der Kapazitäten und sichert Beschäftigung.

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