Rheinberg: Auf dem besten Weg, ein Nichtschwimmerland zu werden

Rheinberg : Auf dem besten Weg, ein Nichtschwimmerland zu werden

DLRG-Ortsgruppen und DRK-Wasserwacht klagen: Es gibt zu wenig Hallenzeiten und zu wenige ausgebildete Schwimmlehrer.

Die DLRG hat gestern einen alarmierenden Bericht vorgelegt, demzufolge fast 60 Prozent der zehnjährigen Kinder in Deutschland nicht sicher schwimmen können. Die Rettungsgesellschaft fragt sich deshalb: Sind wir auf dem Weg zu einem Nichtschwimmerland? "Ja, das ist so und das liegt unter anderem an den vielen Badschließungen. Dadurch geraten auch Schulen zunehmend unter Druck, zumal es immer weniger ausgebildete Schwimmlehrer gibt", sagt Klaus Püttmann von der DRK-Wasserwacht Rheinberg. Lars Geldermann, Geschäftsführer der DLRG-Ortsgruppe Orsoy, kennt den Grund dafür: "Laut einem Erlass des Schulministeriums müssen Lehrer, die Schwimmunterricht geben, alle vier Jahre ihre Eignung nachweisen. Das Problem: Zum einen müssen die Schulen die Kosten dafür übernehmen und zum anderen haben sie keine Kapazitäten, um ihre Pädagogen für eine Fortbildung freizustellen." Mit dem Erfolg, dass immer weniger Kindern Schwimmunterricht angeboten wird und Organisationen wie die Wasserwacht oder die DLRG in die Bresche springen müssen. Doch auch deren Kapazitäten sind erschöpft, zumal beiden in den Rheinberger Hallenbädern nur je eine Stunde in der Woche für den Unterricht zur Verfügung steht.

"Auf unserer Warteliste stehen ständig 70 bis 100 Kinder. Ich würde mir eine zweite Schwimmzeit im Hallenbad wünschen, um mehr Kinder ausbilden zu können", so Geldermann. Eher pessimistisch zeigt sich auch Gilbert Delaporte, Einsatzleiter der DLRG-Ortsgruppe Rheinberg: "Unsere Warteliste ist ellenlang, auch dadurch, dass das Hallenbad nur von März bis Mai geöffnet hatte." Das Freibad biete sich als Ausbildungsort nicht an, sagt Delaporte: "Anfänger brauchen Ruhe, um sich auf das zu Erlernende zu konzentrieren. Das ist im Schwimmbetrieb nicht möglich." Alternativen bieten in Rheinberg private Anbieter wie etwa die Sportvereine Concordia Ossenberg oder TuS Borth. Ansonsten ist laut Delaporte Eigeninitiative gefragt: "Eltern und Großeltern sollten in ihrer Freizeit mit den Kindern häufiger im Wasser planschen, sie verlieren dann die Angst und erleichtern uns die Weiterbildung."

Damit wir nicht schon bald zu einem Land von Nichtschwimmern werden, sieht der Ortsgruppenleiter nur eine Chance: "Wir müssen endlich den Trend stoppen, die Schwimmbäder zu schließen."

(erko)
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