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Auch am Niederrhein können kleine Gewässer über die Ufer treten

Folgen der Hochwasser-Katastrophe : Auch am Niederrhein können kleine Gewässer über die Ufer treten

Die Lineg stellt sich auf mehr Starkregenereignisse ein. Großzügige Auenlandschaften geben Schutz vor Hochwasser, sind aber nicht überall umsetzbar.

Nicht Elbe oder Oder haben für die fatalen Hochwasser-Katastrophen gesorgt – es waren kleinere und kleine Flüsse, die über die Ufer getreten sind und zu reißenden Strömen mit verheerender Wirkung wurden. Erft, Ahr oder Swist beispielsweise. Da stellt sich die Frage: Kann das auch am Niederrhein passieren? Haben auch Moersbach, Fossa Eugeniana, Alpsche oder Sonsbecker Ley das Potenzial, sich so aufzustauen, dass sie alles unter Wasser setzen?

Wer sich die Niers an einigen Stellen ansieht, wird sie kaum wiedererkennen. In Mönchengladbach etwa überspülte sie Felder und Wege und sah aus wie ein See. Und auch der Moersbach, der in Krefeld entspringt und bei Rheinberg in den Rhein fließt, ließ zwischenzeitlich die Muskeln spielen.

Ingo Plaschke, Pressesprecher der Linksniederrheinischen Entwässerungs-Genossenschaft (Lineg), verweist auf den Moersbach in Moers-Repelen nahe des Jungbornparks: „Normalerweise hat der Moersbach einen Durchfluss von 2000 Kubikmetern Wasser pro Stunde. Bei dem Starkregen vom 14. auf den 15. Juli waren es plötzlich 22.000 Kubikmeter. An einigen Stellen ist das Gewässer dann auch über die Ufer getreten, ohne allerdings größere Schäden anzurichten.“

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Die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Lineg-Verbandsgebiet zwischen Krefeld und Xanten, zwischen Sonsbeck und Rhein liege bei 750 Millimeter pro Jahr. Ingo Plaschke: „An den beiden genannten Tagen waren es in Moers 50 Millimeter. Daran kann man schon sehen, wie unberechenbar solche Starkregenereignisse sein können.“

Gibt es denn grundsätzlich einen Unterschied zwischen natürlichen Gewässern wie dem Moersbach und künstlich angelegten wie der Fossa? Im Prinzip nicht, lautet die Lineg-Antwort. Entscheidend sei eher, ob es dort Pumpstationen gibt, mit denen man Einfluss auf die Gewässer nehmen könne. Oder wie die Uferbereiche aussehen. Der Lineg-Sprecher: „Wir leben hier in einem stark bebauten Gebiet. Ein natürliches Gewässer ist in aller Regel von Gewässerrandstreifen und Auen begleitet. Die gibt es aber vielerorts nicht mehr.“

Die Alpsche Ley in Alpen sei ein Paradebeispiel dafür, wie man einen Abzugsgraben wieder in einen ursprünglichen Zustand versetzen kann. Plaschke: „Da haben wir Land gekauft, um Überlaufflächen schaffen zu können. Aber da stoßen wir als Genossenschaft an unsere Grenzen. Denn nicht überall wollen Eigentümer ihre Flächen verkaufen, und wir haben auch nicht die Mittel, überall Land anzukaufen.“

Ein gravierender Unterschied zwischen den aktuellen Katastrophengebieten und dem Niederrhein ergebe sich aus der Topografie. Plaschke: „Da wo Ahr und Erft fließen, kommt das Wasser aus den Bergen. Das ist bei uns anders. Aber auch wir müssen natürlich damit rechnen, dass heftige Starkregenereignisse sich häufen.“ Es gebe Modellrechnungen dazu, allerdings seien solche Ereignisse sehr schwer vorherzusagen.