Rheinberg: Annaberger machen ihrem Ärger Luft

Rheinberg: Annaberger machen ihrem Ärger Luft

Gestern Abend im Rheinberger Rat machten sich einige Betroffene Luft wegen der Kanal- und Straßenbaumaßnahmen, die durch den Kohleabbau erforderlich geworden sind. Nun werden sie für die Straßenreparaturen zur Kasse gebeten.

Die Menschen am Annaberg sind sauer. "Wir sind sogar stinksauer", sagte Anwohner Peter Obel gestern Abend in der Ratssitzung. Knapp 30 Besucher waren in die Stadthalle gekommnen, die meisten davon wegen der Kanal- und Straßenbauarbeiten am Annaberg. Von 2001 bis 2011 habe man genug Ärger wegen der vom Bergbau angerichteten Schäden gehabt, trug Obel vor. Und nun sei den Anwohnern Mitte Juli ein "lustiges Briefchen" von der Stadt in die Briefkästen geflattert. Obel: "Darin steht, dass der Bergbau die Sanierung der Kanäle bezahlt, weil er die Kanäle ja auch kaputtgemacht hat. Aber für die Straßen müssen teilweise die Anwohner zahlen, teilweise aber auch nicht. Gibt es denn Anwohner erster und zweiter Klasse?"

Robert Braun, Fachbereichsleiter Tiefbau, habe bei der Schutzgemeinschaft Bergbaubetroffener (SGB) gesagt, dass die Stadt mit der RAG über die Kostenübernahme nachverhandeln werde. Und der frühere Bürgermeister Mennicken habe stets gesagt: Was der Bergbau kaputt macht, muss er auch bezahlen. Peter Obel: "Und nun haben wir junge Familien am Annaberg, die 8000 oder sogar 10.000 Euro bezahlen müssen."

Werner Seyfried, Anwohner der Straße Am Rain, beklagte Lärm, Schmutz und Belästigungen, die er seit Monaten ertragen müsse. Er könne nicht verstehen, dass er doppelt zahlen solle, weil er an einer Einmündung wohne. Auf die Frage, warum das vor Jahrzehnten anders gehändelt worden sei, habe man ihm im Stadthaus gesagt: "Da haben Sie damals eben Glück gehabt." So gehe das nicht, meinte Seyfried und forderte: "Wir erwarten von der Stadt, dass Sie mit der Ruhrkohle nachverhandeln. Und das die Kosten auf die Allgemeinheit umgelegt werden." Auch andere Anwohner brachten die Klagen vor, berichteten von ihren Beobachtungen, die den Schluss zuließen, dass die beauftragte Baufirma nicht vernünftig arbeite. Technischer Beigeordneter Dieter Paus sagte, die Arbeiten seien - wenn das Wetter mitspielt - Ende Januar abgeschlossen. Er verwahrte sich gegen den zuvor verwandten Begriff "Sonderzahlungen", die die Stadt angeblich erhebe: "Das sind keine Sonderzahlungen." Die Rechtsprechung funktioniere wie bei einem Autounfall, bei dem der Geschädigte nur den Zeit- und nicht den Neuwert erstattet bekomme. Paus wies darauf hin, dass die Kanalarbeiten im nächsten Jahr weitergingen - weiter Richtung Bahnhofstraße. "Das ist der Stadt schon lange bewusst gewesen, denn die Stadt war immer gegen den Kohleabbau unter dem Annaberg."

Ein Anwohner sagte, er hätte sich mehr Informationen der Verwaltung gewünscht, auch schon früher. Diesbezüglich räumte Paus Versäumnisse ein. Allerdings können mit der RAG nicht nachverhandelt werden. Bürgermeister Frank Tatzel kündigte eine Veranstaltung der Stadt zur Lage am Annaberg an. Jürgen Madry (SPD) forderte die Verwaltung auf, umgehend zu prüfen, ob die Baustellen vernünftig organisiert seien.

(up)