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Anke Jansen erinnerte zum Frauentag in der Stadthalle Rheinberg an Hildegard Knef

Chansonabend zum Leben der Knef : So oder so ist das Leben

Schauspielerin und Sängerin Anke Jansen erinnerte bei ihrem Chansonabend im Rheinberger Stadthaus an Hildegard Knef. Jansen beleuchtete Lebensstationen und -leistung Deutschlands letzter Diva.

Der Internationale Frauentag hat Tradition und kann auf unterschiedliche Weise gefeiert werden. Wohltuend das Angebot in Rheinberg. Nicht Comedy und der immerwährende Schlagabtausch der Geschlechter bestimmte das Geschehen auf der Bühne im Stadthaus. Denn die Frauenbeauftragte Karin Becker bewies ein Händchen. Anke Jansen ehrte in ihrer Hommage Hildegard Knef, die streitbare Chansonsängerin und Schauspielerin. Musikalisch wurde Jansen von Thorsten Schreiner am Klavier und Richard Eisenach am Kontrabass begleitet.

Die Botschaft ist klar. Hildegard Knef gilt im Nachkriegsdeutschland als Steh-Auf-Frau, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen ließ, weder privat, noch als Schauspielerin, noch von den diversen Erkrankungen, mit denen sie sich auseinandersetzen musste. 17 Jahre ist sie mittlerweile tot. Lieder wie „Für mich soll es rote Rosen regen“ und „Ich brauch’ Tapetenwechsel“ sind heute Allgemeingut. Autobiografische Bücher wie „Der geschenkte Gaul“ oder „Das Urteil“ dürften einem eher älteren Publikum geläufig sein. Knef rückt als Kriegstraumatisierte die Vergangenheitsbewältigung in den Fokus, katapultiert 1975 mit „Das Urteil“ die direkte Auseinandersetzung mit dem Thema Krebs – bei ihr wurde Brustkrebs diagnostiziert – in die Öffentlichkeit. „Schönheit hängt nicht vom Busen ab“, zitiert Jansen die Knef.

Anke Jansen lädt temporeich in die Knef’schen Lebensstationen ein, dockt an die Nachkriegszeit an, in der Knef als deutsche Schauspielerin zunächst wenig Chancen im internationalen Filmgeschäft hatte. Hollywood erwartet sie nicht mit offenen Armen.

Erst der Film „Die Mörder sind unter uns“ (1946) verschaffte ihr zunächst internationale Anerkennung. Der Willi-Forst-Film „Die Sünderin“ (1950) empörte Deutschland – nicht wegen einiger „verderblicher“ Nacktszenen, sondern wegen Themen wie wilde Ehe, Prostitution, Vergewaltigung und Sterbehilfe. Erst in den 1960er Jahren debütierte Knef als Chansonsängerin mit rauchiger Stimme auf deutschen Bühnen. In der Rolle der Erzählenden bietet Anke Jansen Anekdoten, berichtet von Begegnungen mit Stars wie der Dietrich, der Monroe und servierte verschiedenste Einblicke aus dem Leben der Knef, in dem sie sich zu behaupten wusste. Auch das familiäre Leben mit drei Ehemännern gestaltet sich turbulent. Die Geburt ihrer Tochter „Tinta“ bleibt für die Knef Höhepunkt im Leben.

Geblieben sind ihr in all den Bühnenjahren die Versagensangst und das Lampenfieber. Jansen wechselt mehrfach die Perspektive, wenn sie weniger bekannte Chansons wie „Wer nicht verrückt ist, wird nicht normal“ singt, oder die NS-Vergangenheit beleuchtet. Nein, Anke Jansen ist nicht die Knef, imitiert sie auch nicht, sondern lebt die Allüren einer Diva nochmals nach. Sie präsentiert eine Frau, die die Unabhängigkeit für ihr Leben wählte, dabei immer wieder aneckte und aufstand. Sie setzt die Knef auf ein sicheres Podest, weil ihre Lebensleistung zum Frauentag passte.