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Anka Zink begeistert im To Hoop mit ihren Halleluja aufs Protzen

Kabarett in Rheinberg : Ein Loblied aufs Protzen – großartig

Das Ende der Bescheidenheit: Kabarettistin Anja Zink begeistert ihr Publikum „arroganter Comedy“ im To Hoop in Rheinberg-Alpsray.

Anka Zink hat nicht zu viel versprochen. „Sie werden am Ende sagen: Gut, dass ich heute da war.“ Genau so war’s am Samstagabend im To Hoop bei ihrem „Halleluja auf das Protzen für alle, die noch immer klotzen“. Die 64-jährige „Erfinderin von Comedy mit Arroganz“ schaffte es, dem Publikum ihre Sicht auf die Dinge fröhlich zu erklären. Immer wieder zustimmendes Kopfnicken der etwa 65 Frauen und Männer im Saal hinterm Schankraum, die sich vom Alter her etwa in der Klasse der Kabarettistin bewegt haben dürften.

Anka Zink gehört zu den Menschen, die ihre Beobachtungsgabe so in Worte kleiden, dass sich niemand verletzt fühlt und man auch das eigene Verhalten auf den Prüfstand stellt. „Wir wollen angeben“, sagt sie. Früher habe man seinen Arm mit der klotzigen Armbanduhr lässig aus dem Seitenfenster des schnittigen Autos hängen lassen. Heute ernte man damit allenfalls ein „die hab‘ ich mir am Strand in der Türkei gekauft“.

Anka Zink setzt sich mit Alltagssituationen auseinander, die jede(r) selber schon mal erlebt oder beobachtet hat. „Hochbegabte“ Kinder, die von ihren Eltern im dicken SUV bis zur Grundschul-Tür gekarrt werden, Pädagogen, „die sich um die missratene Brut ihrer Eltern kümmern müssen“. Dumperte Schülerinnen und Schüler, die auf ihren Handapparaten rumwischen und früher oder später am Handy-Nacken zu erkennen sind. Partys, die unter ein Motto gestellt werden und zu der alle in 70er-Jahre-Klamotten kommen sollen. Mett-Igel aus den 50ern sind heute der absolute Hit bei Motto-Partys. Oder das Russische Ei, hartgekocht, mit Mayonaise und Kaviar-Ersatz oben drauf.

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Homeoffice, Flickenteppich, Thermomix – „ein Küchendiktator digitaler Art, das Gegenstück für Männer heißt Webergrill“ –, Tindern, Wetter-Apps, Selfies, WhatsApp, Lieferdienste – „Essen auf Rädern“ –, tätowierte Arme, die einem den Latte im Café anreichen, nichtssagende Plakate und Politiker, die 18 Monate versucht haben, nichts falsch zu machen, dabei aber vergessen haben, irgendwas richtig zu machen. Anka Zink schimpft, nicht nur über Parteien und ihre Zugpferde und die „pandemisch bedingte plakative Perspektivlosigkeit“. Das dürfe sie auch, meint die Kabarettistin: „Ich bin 18 Monate schlecht behandelt worden, das kommt jetzt alles unkontrolliert aus mir raus.“

Das Publikum hat den zweistündigen Abend genossen, oft und herzhaft gelacht. Vielleicht kommt der Tipp von Anka Zink ja an bei dem einen oder anderen: „Wenn dich keiner lobt, stell‘ dich vor den Spiegel und sag’ dir: Es ist sehr schwer, bescheiden zu sein, wenn man so großartig ist wie ich.“ Genau!

(jas)