Amplonius-Gymnasium Rheinberg: Theater spielen für das Selbstbewusstsein

Amplonius-Gymnasium : Theater spielen für das Selbstbewusstsein

Mit improvisierten Märchen lernen schüchterne Schüler am Amplonius-Gymnasium, aus sich herauszukommen. Jetzt ist auch ein Auftritt geplant.

Jeder Lehrer kennt sie: Schüler, die bei schriftlichen Arbeiten teils hervorragende Leistungen bringen, sich bei der mündlichen Mitarbeit im Unterricht jedoch sehr zurückhalten. Marcus Padtberg startete jetzt einen außergewöhnlichen Versuch, das zu ändern. Mit dem Theaterpädagogen Simon Blaschko möchte der Leiter des Rheinberger Amplonius-Gymnasiums ausgerechnet eher introvertierte Fünft- und Sechstklässler auf die Bühne holen.

„Wir möchten ihnen eine Chance geben, sich zu befreien und ihr Selbstbewusstsein zu fördern“, erklärt Padtberg. Der Erfolg gibt ihm recht: Innerhalb weniger Proben haben es die 16 Teilnehmer geschafft, völlig locker und angstfrei zu agieren.

Und das unter erschwerten Bedingungen, denn es handelt sich um reines Improvisationstheater. Padtberg erläutert: „Wir haben bewusst auf festgelegte Texte verzichtet, die Teilnehmer sollen sich spontan und frei äußern. Dass sie jetzt sogar eine öffentliche Aufführung machen wollen, zeigt, wie gut es angekommen ist.“

Diese „Werkstattaufführung“ mit einer Dauer von 20 Minuten findet am Mittwoch, 26. Juni, um 15.15 Uhr im Forum des Gymnasiums statt. Der Eintritt ist frei. Einen Titel für das Bühnenstück gibt es nicht. Das wäre auch schwierig, denn die Nachwuchsschauspieler spielen ein Märchen auf Zuruf aus dem Publikum. Über aufkommende Sprachlosigkeit macht sich Theaterpädagoge Blaschko keine Sorgen: „Die Schüler kennen viel mehr Märchen als ich“, sagt er.

Natürlich wird das auch genauso bei den Proben geübt. Von dem halben Dutzend Märchen, die vorgeschlagen werden, entscheidet sich die Mehrheit schließlich für Schneewittchen. Von da an läuft alles wie von selbst. Clara geht nach vorne und beginnt, die Geschichte aus dem Gedächtnis zu erzählen. Nach und nach betreten die Darsteller die Bühne und füllen die Geschichte mit Leben. Blaschko hält sich dabei völlig zurück, beschränkt sich nur auf gelegentliche Verbesserungsvorschläge.

Übrigens: Ein aufwändiges Bühnenbild wird nicht benötigt, die Schüler stellen auch Bäume und Schlösser dar. Selbst Zaubertricks sind kein Problem, so verwandelt sich etwa der böse Wolf durch raschen Darstellerwechsel in ein kleines Mäuschen.

Die Mitglieder der Improvisationstheater-AG proben fast völlig eigenständig, dürfen jederzeit ihre Kreativität ausleben. Lediglich Grundlagen wie das richtige Stellungsspiel oder die Vertonung hat Blaschko ihnen in den ersten Proben erklärt. Und doch steht diese Probe wie jede andere unter einem besonderen Aspekt. „Heute möchte ich ihnen vermitteln, wie man Tiere verkörpert und den einzelnen Figuren unterschiedliche Stimmen gibt“ erläutert Blaschko, der auch das äußerst dezent im Hintergrund macht.

Das kommt bei den Schülern sehr gut an, erste Erfolge haben sich auch schon außer­halb der Bühne eingestellt. „Wir merken, dass wir mehr Selbstbewusstsein bekommen und das uns nicht mehr alles peinlich ist. Es macht einfach großen Spaß“, versichern die Nachwuchsdarstellerinnen Clara und Ronja.

Mehr von RP ONLINE