Rheinberg: Amplonianer üben die Gesetzgebung

Rheinberg: Amplonianer üben die Gesetzgebung

Vom ersten Entwurf bis zum Inkrafttreten: Anhand eines Planspiels erfuhren 30 Amplonianer, wie ein Gesetz entsteht. Deutlich gemacht hat dies das Programm "Weiterbildung geht an Schulen" der Uni Duisburg-Essen.

Die Zehn Gebote reichen schon lange nicht mehr aus, um das gesellschaftliche Miteinander zu regeln. Heute gibt es für alle Bereiche des Lebens unzählige Gesetze. Aber wie wird eigentlich ein Gesetz geschrieben? Wer macht das? Und: Wie läuft ein solches Gesetzgebungsverfahren ab?

Genau diesen Fragen rund um Politik und Regieren gingen gestern 30 Zehntklässler eines Sozialwissenschaftskurses (Sowi) am Rheinberger Amplonius-Gymnasium im Rahmen des Programmes "Weiterbildung geht an Schulen" auf den Grund. Das Programm bietet die der Universität Duisburg-Essen angegliederte NRW School of Governance an und wird von der Sparda-Bank finanziert. Andreas Jüschke, Diplom-Sozialwissenschaftler an der Uni Duisburg-Essen, und Heiko Blumenthal, Fraktionsgeschäftsführer der SPD Oberhausen, machten den Jugendlichen den politischen Prozess des Gesetzgebungsverfahrens transparent.

Für Lina, Franziska, Heinrich (alle 16 Jahre) und Fabian (17) eine spannende Sache. Alle konnten bei der Kommunalwahl zum ersten Mal ihr Kreuz auf dem Stimmzettel machen; Grund und Motivation, sich mit dem Thema Politik auseinanderzusetzen. "Aber was passiert nach der Wahl?" fragten Jüschke und Blumenthal. Ratlosigkeit machte sich bei den Schülern breit. Klar: Regieren heißt, Dinge zu verändern. Und dazu braucht es Gesetze.

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Schon die wenigen Grundlagen, die zunächst beleuchtet wurden, machte den Schülern klar: Gut Ding will Weile haben. Es dauert, bis ein Gesetz endlich in Kraft tritt. Und: "Dazu braucht es viel Manpower", bestätigte Sozialwissenschaftler Andreas Jüschke. Wie viele Personen am Gesetzgebungsverfahren beteiligt sind, zeigte ein Planspiel, mit dem die komplexe Theorie auf eine praktische Ebene gezogen wurde. So schlüpften die Schüler - vom Bundestagsabgeordneten bis zum Bundespräsidenten- in die entsprechenden Rollen.

Dabei galt es für sie, vorgegebene Positionen zu vertreten. Schnell merkten die Jugendlichen, dass ein Gesetz eben nur selten problemlos "durchgewunken" wird. "Dieses Programm macht jungen Menschen Politik verständlicher und wirkt sicher nachhaltiger als das Lesen eines Fachbuches", freuten sich auch die Sowi-Lehrer Fatih Yangin und Florian Gärtner über das Programm. Das ist auch das Ziel: "Für viele Jugendliche ist Politik ,Frau Merkel in der Tagesschau', aber das ist eben nicht der Fall", betonen Heiko Blumenthal und Andreas Jüschke. Mit dem praxisbezogenen Programm habe man die Möglichkeit, in sehr komprimierter Form hinter die Kulissen der Politik blicken zu lassen und Interesse zu wecken.

(RP)
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