Alpen: Alpens Wohnzimmer macht den Praxistest

Alpen : Alpens Wohnzimmer macht den Praxistest

Das Interesse an den Möbeln war groß. Die Reaktionen am Stand der mobilen Redaktion der RP reichen von Begeisterung bis Ablehnung - vor allem die Pflanzkübel stoßen auf Vorbehalte.

Die Möbel-Modelle für die gute Stube Alpen haben eins schon geschafft: Sie haben richtig neugierig gemacht. Es war gestern beim Blumen- und Spargelfest richtig was los im Schauwohnzimmer auf dem Brunnenplatz vorm Rathaus. "Mit so starkem Interesse" hatte selbst Walter Adams, Leiter des Fachbereichs Bauen und Planen, "nicht gerechnet". Er freute sich nach den politischen Rückschlägen der Vergangenheit sehr, "dass die Lust des Anfangs an unserem Projekt zurück ist". Die Bürger, Alpener und Besucher nahmen die Einladung ins Wohnzimmer unter freiem Himmel gerne an. Sie kamen in Scharen. Die Bereitschaft, sich auf die ungewöhnlichen Ideen der Architekten von Felixx/De Zwarte Hond einzulassen, war da, das Meinungsbild so vielfältig wie das geplante Straßenpflaster für das "Herzstück" Burgstraße bunt. Auch am Stand der mobilen Redaktion.

"Wie sagen Sie zu den neuen Möbeln für Alpens Wohnzimmer", hatte die RP gefragt. Unterm Strich, so hatte es den Anschein, sind die meisten mit einem guten Gefühl nach Hause gegangen, auch wenn Details kritisch betrachtet werden. Vor allem mit den großen Pflanzkübeln für eine mobile Begrünung des Rathausplatzes tun sich viele schwer. Von "recht wuchtig " bis "potthässlich" reichte die Palette der kritischen Stimmen.

Foto: Ostermann Olaf

Damit hatten die Planer kein Problem. Manches konnten sie im Gespräch ausräumen. "Es ist für mich sehr spannend zu erfahren, wie die Leute hier denken", sagte Ramona Stiehl vom Büro Felixx. "Mich freut am meisten, dass unsere Vorschläge so anregend wirken und viele Leute miteinander ins Gespräch bringen", sagte sie. "Das macht richtig Spaß."

In der Tat. An der bunten Tafel, die die Vision für die Neue Mitte zeigt, unterhalten sich die Eheleute Busch aus Alpen über den bunten Straßenbelag, Höhe Amaliengalerie an der Burgstraße. Sie: "Ich finde das toll." Er: "Man müsste versenkbare Poller vorsehen, um bei Volksfesten Menschen vor Anschlägen mit Autos schützen zu können." Von hinten kommt Maria Thielen: "Ich finde das Pflaster viel zu unruhig." Schon entwickelt sich eine angeregte Debatte. Inge und Tono Baranowski sind als alte Alpener "froh, dass etwas angepackt wird". Er sagt: "Wir wollen die Veränderungen annehmen. Nur beim Pflaster bin ich mir nicht so sicher. Hier muss gewährleistet sein, dass es nicht klackert." Diese Befürchtung haben einige - aus Erfahrung. Sie kennen den Ärger mit dem aktuellen Belag der Burgstraße, der beim "Teppich" Pate gestanden hat.

Otto Rischer (v.l.) mit einem Notizblock, darin können die Bürger ihre Anregungen schreiben. RP-Redaktionsleiterin Julia Lörcks mit Viktor Illenseer am Stand der mobilen Redaktion. Claudia Bongers im Gespräch mit Bürgermeister Thomas Ahls. Foto: Julia Lörcks

Auch auf der Bank, die auf dem Bauhof nur provisorisch zusammengebaut werden konnte, wurde rege probegesessen und debattiert. Die Optik mit Lärchenholz und anthrazitfarbenem Stahl gefiel den meisten. Doch es wurden einige praktische Mängel ausgemacht. Es gibt die Zusicherung, dass der Rohling "optimiert" werde. Anneliese Schmitz (88) findet das Sofa "sehr gut", sagt sie lachend. Schließlich hat es ihr Sohn Christoph auf dem Bauhof zusammengebaut. Derweil füllen sich die Wahlurnen mit Rückmeldungen, die die Besucher am Stand ausfüllen. Die Karten werden in der ersten Maihälfte ausgewertet. Das Feedback fließt in die Überarbeitung der Prototypen ein.

Foto: Ostermann Olaf
Foto: Ostermann Olaf
Foto: Julia Lörcks

Monika Knüppel aus Alpen findet: "Das Geld sollte man lieber in Schulen und Kindergärten stecken." Anne-Kathrin Mölders und Christoph Litters sagen: "Die Lampe gefällt uns sehr, die hätten wir gerne in unserem Wohnzimmer." Theodor Miß aus Veen findet alles gelungen: "Ich bin gespannt auf die Praxis." Für Birgit Rentel haben die Abfalleimer den Charme einer Urne. "Die Lampe aber ist toll." Für Birgitt Aldenhoff und Edith Denesch ist das Mobiliar "absolut klasse". "Das ist modern, das ist jung, das spricht die Jugend an. Alpen ist alt genug." Hildegard Neuse hätte sich für das Dorf Alpen eine heimelige Lösung gewünscht: "Vor allem die Blumenkübel finde ich hässlich." Da stimmt Claudia Bongers zu. Sie gibt Bürgermeister Thomas Ahls mit auf den Weg: "Wer soll das alles bezahlen?" Diese Frage muss der Rat beantworten.

(RP)
Mehr von RP ONLINE