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Alpens Ortsvorsteherin Karin von der Horst verabschiedet sich nach 26 Jahren

Kommunalpolitik in Alpen : Die Frau für Alpen steigt aus dem Sattel

Karin von der Horst war 26 Jahre lang Ortsvorsteherin in Alpen. In der ersten Sitzung des neuen Rates wird sie verabschiedet. Sie zieht zufrieden Bilanz.

Wenn sich der neue Rat am Freitag, 6. November, um 18 Uhr zum ersten Mal trifft, ist Karin von der Horst noch mal dabei. Doch wenn sie geht, ist sie ohne Amt. Nach mehr als einem Vierteljahrhundert als Ortsvorsteherin in Alpen möchte die 78-Jährige Schluss machen. „Sonst müsste ich ja noch zu meinem eigenen 80-jährigen Geburtstag“, sagt sie und lacht. Sie ist mit sich und der Entscheidung aufzuhören im Reinen. Und zieht zufrieden Bilanz: „Ich hab’s immer sehr gerne gemacht.“

Karin von der Horst ist in Rheinberg aufgewachsen und erst durch die Heirat mit ihrem Mann Eckhard Freiherr von der Horst Mitte der 60er nach Alpen gekommen und heimisch geworden. Sie war Beamtin im gehobenen Dienst beim damaligen Kreis Moers. Später hat sie ihren Beruf aufgegeben, um sich um ihren Sohn und ihren Schwiegervater kümmern zu können. Doch das ausgeprägte Interesse an Politik ist geblieben.

Sie gehörte dem Vorstand der CDU an, saß zunächst als Sachkundige Bürgerin im Bauausschuss, ehe sie bei der Kommunalwahl 1989 – praktisch in ihrer Nachbarschaft – den Wahlkreis von Hans-Georg Schmitz übernahm und erstmals in den Rat einzog. Dem hat sie zwei Jahrzehnte angehört – die letzten zehn Jahre davon als Vize-Bürgermeisterin. Als solche diente sie zwei Herren. Zunächst war sie fünf Jahre als repräsentative Stellvertreterin von Willi Jansen, dann bis 2009 Vize-Repräsentantin von Thomas Ahls. „Ich bin mit beiden prima klar gekommen. Es war wie mit den anderen Ortsvorstehern ein fast freundschaftliches Verhältnis.“

Das war die Zeit, als sie in doppelter Weise gefordert war, schließlich war sie in Personalunion auch Ortsvorsteherin für Alpen. Nicht nur das: Damals sorgte sie sich parallel auch um die Ortsteile Veen, Bönninghardt und Menzelen, wo die gewählten Ortsvorsteher aus persönlichen Gründen ihr Amt nicht so ausüben konnten, wie’s gedacht war. „Damals habe ich die Gemeinde und ihre Menschen insgesamt sehr gut kennen gelernt“, sagt die 78-Jährige rückblickend. „Und es hat mir immer Freude gemacht zu sehen, wie Alpen gewachsen ist.“

Sie hat die Geburtstagsjubliare besucht, mit einem Strauß Blumen und anfangs noch mit einer Flasche Sekt – zum 80., 85. und 90. und von da an jedes Jahr. Da seien Bindungen gewachsen. Neulich habe eine ältere Dame, die im Marienstift lebt, sie angerufen und gefragt, weshalb sie nicht zu ihrem Geburtstag gekommen sei. Sie sei doch immer eine so nette Besucherin gewesen und sie habe sie vermisst, habe die Frau am Telefon gesagt. Es sei ihr offenbar ein großes Bedürfnis gewesen, ihr das mitzuteilen, so Karin von der Horst. „Sie hatte sich große Mühe gegeben, meine Telefonnummer raus zu finden. Richtig rührend.“ Das Geburtstagskind hatte schlichtweg vergessen, ihr Einverständnis ins Rathaus zu schicken, wie’s aus Datenschutzgründen inzwischen sein muss.

Der unmittelbare Kontakt zu den Menschen sei’s gewesen, der sie auf eine „wunderschöne Zeit“ zurückschauen lasse, „in der ich viel über Alpen und die Menschen, die hier leben, erfahren habe“. Sie habe sich immer als Mittlerin verstanden zwischen der Bevölkerung und denen, die im Rathaus die Geschicke bestimmen. Diese Scharnierfunktion sei ihr wichtig gewesen, damit Politik geerdet bleibt.

Sie habe oft Entscheidungen im Rat unten erklären müssen. Zum Beispiel damals die, Aldi mitten im Ort anzusiedeln. Das sei durchaus umstritten gewesen. „Heute sind alle froh und dankbar“, so Karin von der Horst. Auch die Übernahme des Schwimmbades und der Bücherei, in der sie bis heute Dienst tut, durch Vereine habe die Leute und letztlich auch sie bewegt. „Man muss mit dem Herzen dabei sein“, sagt die scheidende Ortsvorsteherin.

Ihr Amt hat sie auch körperlich in Schwung gehalten. Karin von der Horst kennt man auf ihrem alten Fahrrad, mit dem sie all ihre Termine im Dorf wahrnimmt. „Mein Markenzeichen“, sagt sie. Das bewegt sie allein mit Muskelkraft. Technische Unterstützung brauche sie nicht auf den kurzen Wegen. „Ein Mal Gas geben, dann wäre ich ja schon da.“ Sie sei immer heil ans Ziel gekommen, ein Plattfuß habe sie in all den Jahren nie gestoppt.

Wenn man sie nach den Veränderungen fragt, die sie an Alpen ausgemacht hat, denkt sie eine Weile nach. Dann sagt sie: „Den Sinn für den Segen einer Nachbarschaft vielleicht.“ Der sei bei den Jüngeren spürbar geringer ausgeprägt, auch wenn die Hilfsbereitschaft immer noch vorhanden sei. „Es ist schön, in Alpen zu wohnen. Hier kann man sich wohlfühlen.“ Den Ort könne sie nur empfehlen. „Wir haben alles. Und man kann alles zu Fuß erreichen.“ Und nach dem „Hingucker“ Feuerwehr tue sich mit der Ansiedlung von Rossmann und der Bebauung auf den Willy-Brandt-Platz noch eine ganze Menge. Das dem Baugebiet Ost bringe noch mal mächtig Schub, „auch wenn’s das letzte für Alpen ist“.

Und dann sei da ja noch der Karneval. Auch da ist Karin von der Horst in die Bütt gestiegen, in unterschiedlichen Rollen: als Bäuerin, Anstreicherin oder Rentnerin. Lang ist’s her, aber nicht vergessen.

Nach ihrer letzten Ratssitzung wird sie wie immer mit dem Rad nach Hause fahren. Auf der alten Fiets wird man sie aber weiter durchs Dorf radeln sehen.