Alpener Unternehmen Lemken präsentiert sich auf Agritechnica in Hannover

Agritechnica in Hannover : Lemkens Neuer siegt im Titelrennen

Das Alpener Familienunternehmen liefert einen überzeugenden Auftritt bei der Landwirtschaftsmesse Agritechnica in Hannover. Die motorisierte Feldspritze Nova 14 ist Maschine des Jahres.

Der Ackerbau-Spezialist Lemken hat ein prachtvolles Zugpferd im Stall. Der 245 Pferdestärken starke Kraftprotz, in nur zwei Jahren in der Alpener Ideenschmiede in die Spur gesetzt, hört auf den programmatischen Namen Nova 14. Der Gigant schließt eine Lücke im Portfolio des weltweit agierenden Familienunternehmens. Die bemannte Feldspritze mit dem chicen gläsernen Cockpit, das keine Komfortwünsche offen lässt, ist die erste stahlblaue Maschine, die ohne Schlepper auskommt. Der Neuling, der im Werk Haren gebaut wird, hat die Fachwelt begeistert. Nova 14 rollt am Samstag als „Maschine des Jahres“ Richtung Niederrhein. Der Titel wurde dem Selbstfahrer am Dienstagabend auf der weltgrößten Landwirtschaftsmesse Agritechnica in Hannover verliehen.

„Wir freuen uns riesig“, sagte Gesellschafterin Nicola Lemken. „Unser Dank gehört dem Konstrukteursteam, das es in so kurzer Zeit geschafft hat, den Titel zu sichern. Eine großartige Leistung.“ Schon am Mittag hatte Chef-Konstrukteur Klemens Surmann gemutmaßt, dass sich der konstruktive Kraftakt seiner Mannschaft auszeichnen würde. Die Signale im Vorfeld der Meisterkür waren deutlich. „Die Aufgabe war eine große Herausforderung, schwer zu erfüllen, aber natürlich auch ein Räppelken für jeden Konstrukteur“, sagte er sichtlich stolz.

Der Kraftprotz mit ausgeklügelter Feinmotorik versteht sich auf dem kritisch beäugten Feld der Herbizide ausdrücklich als Baustein im umweltschonenden Ackerbau. Gaben aus dem bis zu 7200 Liter fassenden Tank könnten höchst sparsam dosiert werden, so dass vom Schlag mit der chemischen Keule keine Rede mehr sein könne, betonte Burkhard Sagemüller, seit gut zwei Jahren Chef-Entwickler in Alpen. Er sieht Herbizide und Dünger zum Pflanzenschutz oft zu unrecht pauschal an den Pranger gestellt, mag lieber den Vergleich mit Arzneimitteln für den Menschen.

Der hochintelligente Bolide, der Mitte nächsten Jahres vermutlich zum Preis eines Einfamilienhauses auf den Markt drängt, ist als Hingucker unmittelbar an der stark frequentierten Boxengasse in Messe-Halle 11 platziert. Er lenkt den Blick unweigerlich auf die rund 1000 Quadratmeter große Ausstellungsfläche in der Farbe Stahlblau.

Der Stand A 42 unterscheidet sich zwar von der Größe nicht von den Auftritten in der Vergangenheit. Aber das Konzept ist in den zurückliegenden zwei Jahren grundlegend überarbeitet worden. Klar, das technisch kühle Blau dominiert, aber es wurden warme Holztöne beigemischt. Foyer und Cafeteria mit Wohnzimmeratmosphäre wurden ganz nach hinten verlegt, so dass die Produktschau noch besser zu Geltung kommt. „Das alles kommt sehr gut an“, lobt Nicola Lemken ihre Marketing-Abteilung. „Wir bekommen viel Zuspruch.“ Sympathieträger ist die Regalwand voller Gummistiefel, denen echte niederrheinische Matsche anhaftet. Darüber die Fomel aus der Kampagne, die Nähe zu den Landwirten symbolisiert: „Ihr Feierabend, unser Antrieb“. Eine nette Randerscheinung.

Auch ein schwarzer Kasten, kleiner als ein Handkoffer, macht auf der Messe von sich reden. Der „I Qu Blue“ macht grundsätzlich schlichte Ackergeräte zu intelligenten Akteuren, die die Steuerung des Traktors übernehmen. Seine Signale führten beim Pflügen oder Grubbern zu optimalen Arbeitsabläufen. Der unscheinbare Lemken-Neuling kann nicht nur blau. Er ist kompatibel mit Produkten konkurrierender Farben. „Das Interesse am Stand ist noch viel größer als erwartet“, heißt es am Stand. Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) hat dem Superhirn eine Silbermedaille in der Klasse der Neuentwicklungen umgehängt.

Ein weiterer Neuling zieht Blicke auf sich. Der raumgreifende Kompakt-Grubber Koralin mit einer stolzen Arbeitsbreite von 8,60 Metern steht schon rein optisch für einen großen Schritt auf dem Stoppelfeld mechanischer Unkrautbekämpfung. Die Schare dringen ultraflach in den Boden ein und schneiden unerwünschtes Begleitgrün radikal ab, mindern so später den Bedarf an chemischem Mitteleinsatz.

Aufgeräumte Stimmung also auf dem Messestand A 42: Das Kundeninteresse und das der Fachwelt sorgt für zufriedene Gesichter. Die Berater an den Geräten haben abends müde Stimmbänder. Auch aus der Heimat kommen gute Nachrichten an die Leine, wie Geschäftsführer Anthony van der Ley berichtet. Die Karte Kurzarbeit, zuletzt aufgrund der stockenden Nachfrage im Raum, muss vermutlich nicht gezogen werden. „Die Montage im Werk Alpen ist für dieses Jahr voll.“ Der gelungene Messe-Auftritt wird für weiteren Rückenwind sorgen. „Nur aufs Wetter und auf globale Irrungen und Wirrungen haben wir keinen Einfluss“, sagt der Top-Manager. Er setzt auf überzeugende Technik.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So präsentierte sich Lemken auf der Agritechnica in Hannover