Alpen: Alpener hilft bei Gemüseanbau in Afrika

Alpen: Alpener hilft bei Gemüseanbau in Afrika

Stadtplaner Martin Lyhmer verbringt seinen Jahresurlaub stets in Namibia. Dort bringt er Schülern bei, wie man Obst und Gemüse anbaut. Die Kinder geben das erlangte Wissen an ihre Eltern weiter. Doch Lyhmer braucht Sponsoren.

Urlaub ist für die meisten Menschen die Zeit im Jahr, in der sie mal nicht an ihre Arbeit denken, sondern sich einfach nur erholen. Bei Martin Lyhmer, Stadtplaner der Gemeinde Alpen, sieht das ganz anders aus. Begonnen hat alles vor neun Jahren mit einem Urlaub in Lüderitz, einer Kleinstadt im afrikanischen Namibia. "Ich habe dort im Rathaus zufällig die Bürgermeisterin getroffen und ihr erzählt, dass ich Landschaftsarchitekt bin. Sie hat nur gesagt: Sie schickt der Himmel", erinnert sich Lyhmer. Seither besucht er Lüderitz einmal im Jahr. Nur von Urlaub kann nicht mehr die Rede sein.

"Als sie mir erzählt hat, dass die Stadt gerne Parks, Alleen und Gärten anlegen würde, habe ich ihr spontan meine Hilfe angeboten", erklärt der 36-Jährige. Hilfe zur Selbsthilfe wohlgemerkt, alles andere macht für Lyhme keinen Sinn: "In Namibia hapert es am Knowhow. Im Grunde muss man nur Wissen vermitteln und anleiten."

So hat er in einem Ausbildungszentrum der Stadt Gärtnerklassen eingerichtet und mit den Schülern gemeinsam Obst- und Gemüsegärten angelegt. Saatgut hat Lyhmer vom Niederrhein mitgebracht, und so wurden die Jugendlichen zu Selbstversorgern.

Viele der damals gestarteten Projekte gibt es nicht mehr. Geblieben sind die Gärten an den Schulen der Stadt, zum Beispiel der Helene van Rhijn Primary School am Ortsrand. Dort hat Lyhmer zuletzt mit Schülern 55 Bäume, darunter 30 Obstbäume, gepflanzt.

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Für die 600 Schüler sind aber vor allem die Gemüsegärten lebenswichtig. "Die Kinder bekommen einmal am Tag Maisbrei und gekochten Fisch. Das ist für die meisten die einzige Mahlzeit des Tages. Jetzt haben sie wenigstens noch Obst und Gemüse dazu", sagt der Alpener. Der niederrheinische Kopfsalat gedeiht übrigens in dem Küstenland im südlichen Afrika dank guter Wasserversorgung nicht nur ausgezeichnet, er schmeckt den Kindern auch.

Weil kommerziell gehandelter Dünger unerschwinglich ist, zeigt Lyhmer den Nachwuchsgärtnern alternative Wege auf, damit ihre Pflänzchen gedeihen: "Den Guano Dung von den Vögeln kann man hier direkt von den Felsen kratzen, auch Seetang eignet sich hervorragend. Dazu erkläre ich, wie man Kompost macht." Wissen, das die Kinder an ihre Eltern weitergeben.

Längst sind hinter den Wellblechhütten der Townships kleine Gemüsegärten entstanden. Der Schulgarten ist inzwischen auf beachtliche 1500 Quadratmeter angewachsen, aber weil der ihn umgebende Zaun löchrig ist, wandern längst nicht alle Früchte in die Schulküche. Lyhmer: "Die Menschen aus der Umgebung klettern immer wieder drüber und klauen den Kindern die Früchte. Für einen neuen Zaun brauche ich aber dringend deutsche Sponsoren."

Im Januar verbringt der Alpener Stadtplaner erneut seinen Jahresurlaub in Namibia, etwas anderes kann er sich auch gar nicht mehr vorstellen: "Man fühlt sich ein bisschen verantwortlich und möchte, dass es weitergeht." Hilfe zur Selbsthilfe ist aus seiner Sicht der einzige Weg, während Entwicklungshilfe mittels Spenden viel Schaden anrichten kann. "Wer beispielsweise Kleidung in einen Container für Afrika wirft, ist daran beteiligt, dass die dortige Textilindustrie nicht zur Blüte kommt und abstirbt."

(RP)