Alpen Die Technik hält Viktor Lemken jung

Alpen · Viktor Lemken hat die Entwicklung seines Unternehmens vom regionalen Pflug-Produzenten zum Global Player maßgeblich mit geprägt. Noch immer steht er in der Firma seinen Mann. Am Montag wird er 80 Jahre alt.

 Eine niederrheinische Unternehmerpersönlichkeit: Viktor Lemken wird am Montag 80 Jahre alt.

Eine niederrheinische Unternehmerpersönlichkeit: Viktor Lemken wird am Montag 80 Jahre alt.

Foto: Fischer, Armin (arfi)

Der Ackerbauspezialist Lemken ist stolz darauf, dass viele seiner Beschäftigten dem Unternehmen ewig lange die Treue halten. Aber so so lange, wie Senior-Chef Viktor Lemken für die Strahlkraft der Farbe Blau arbeitet, war noch keiner dabei. Mehr als ein halbes Jahrhundert ist es her, dass er nach seinem Studium der Betriebswirtschaft in die Firma eintrat. Das war 1966. Drei Jahre später hat er nach dem plötzlichen Tod seines Vaters, der ebenfalls Viktor hieß, die Verantwortung für das Unternehmen übernommen. Dessen rasante Entwicklung zum familiengeführten Global Player hat er maßgeblich mitgestaltet. Am heutigen Montag wird Viktor Lemken 80 Jahre alt.

Dazu hat seine Tochter Nicola einen Empfang für geladene Gäste organisiert. „Den werde ich in Ruhe über mich ergehen lassen“, sagt der Jubilar völlig unaufgeregt. Ihm sei wichtig, dass die Belegschaft, als dessen Teil er sich immer noch versteht, in der Pause oder beim Schichtwechsel „herzlich willkommen“ sei. Das Alter sei für ihn letztlich nicht mehr als eine Zahl, sagt er. „Das Leben geht weiter. Es kommt drauf an, wie man sich fühlt.“

Und er fühlt sich gut. Tag für Tag steht er in seinem Büro im obersten Stockwerk weiter seinen Mann. Im Wortsinne sogar. Er hat seinen höhenverstellbaren Schreibtisch hochgefahren und arbeitet am liebsten im Stehen, die Weltkarte im Rücken, auf der seine Firma sich immer weiter ausbreitet. Der Blick nach vorn fällt auf den Parkplatz vorm Haupteingang des modernisierten Verwaltungstraktes. Er achtet nicht darauf, wer kommt oder wer geht. „Früher war das nur Wiese“, sagt er nüchtern mit leisem Stolz, welches Wachstum die Zentrale und damit das Werk genommen hat. „Hier trifft sich die Welt.“

Urlaub habe er schon lange keinen mehr gemacht, erzählt er. „Nur ab und zu bleibe ich mal einen Tag zu Hause“, verrät Viktor Lemken. Das Haus, das er seit vielen Jahren mit seiner Frau Franziska bewohnt, steht in Sevelen. Hier tankt er auf. „Wir haben einen schönen Garten.“ Zur Arbeit fährt der nun 80-Jährige mit seiner Limousine mit dem Stern. Der Wagen sei schon 15 Jahre alt und habe mehr als 200.000 Kilometer auf dem Buckel. „Aber er ist immer noch tip-top.“ Und technisch auf dem neuesten Stand. „Ich bin Technik-Freak“, sagt Viktor Lemken. „Ich habe ihn damals mit allem gekauft, was es gab. Nur keine Ledersitze.“ Die Elektronik sei wie das schlüssellose Starten heute weiter Stand der Technik.“

Tägliche Touren mit dem Rad sorgen dafür, dass sein Motor noch immer rund läuft. Den Elektro-Antrieb schalte er nur ein, wenn der Gegenwind mal all zu stark bläst. „Vor ein paar Jahren bin ich noch regelmäßig gejoggt. Aber das lässt mein Rücken nicht mehr zu.“ Er habe auch mal mit Tennis angefangen, seine Tochter habe mal versucht, ihm das Golfen schmackhaft zu machen. „Sehr interessant. Aber dafür braucht man viel Zeit.“ Dabei fällt ihm ein frühes Hobby ein: „Ich hab’ mal Ponys gezüchtet. Und später auch mal geritten.“

Zeit hat Viktor Lemken immer noch zu wenig. Die Firma, in der er als Gesellschafter immer noch in alle Entscheidungsprozesse eingebunden ist, lasse ihn nicht ruhen. „Das ist auch gut so. Sonst wär’ mir ja langweilig.“ Von seinem früheren Veto-Recht in der Geschäftsleitung wisse vermutlich keiner mehr was. Er habe einmal bei einer Personalentscheidung Gebrauch davon gemacht. „Das ist lange her. Aber es war richtig.“

Der Vertreter der sechsten Lemken-Generation weiß sein Unternehmen in sehr guten Händen. Seine Tochter Nicola, das einzige Kind, sei eine Unternehmernatur. „Ich bin froh über die Nachfolge.“ Das sehe in vielen anderen familiengeführten Unternehmen lange nicht so gut aus. Und auch die anderen Mitglieder der Geschäftsführung würden einen ausgezeichneten Job machen. Hier sei hohe Kompetenz aus allen bedeutsamen Betriebsbereichen versammelt. „Einer allein kann das Schiff nicht lenken“, sagt der erfahrene Kapitän. Dass Lemken die Belegschaft, die heute weltweit 1570 Leute zählt, als Teil der Firmenfamilie betrachtet, zahle sich aus. „Die Menschen haben eine ganz besondere Einstellung. Sie identifizieren sich mit ihrer Arbeit mehr als in einem Konzern“, sagt Viktor Lemken.

Das Unternehmen sei trotz aller Konjunkturwellen stetig gewachsen. An eine echte Krise kann er sich nicht erinnern. Vorsprung durch Technik laute die Philosophie, wie man es heute sagt. Da habe man sich bei Lemken immer bemüht, die Nase möglichst weit vorn zu haben. Mit Erfolg. „Wir brauchen stetes Wachstum, um weiter erfolgreich zu sein“, sagt der Senior-Chef.

Dass Wachstum auch Grenzen hat, davon ist der Jubilar als politisch denkender Mensch nachhaltig überzeugt. Um die Zukunft des Unternehmens ist ihm nicht bange. Sorgen aber bereite ihm der Zustand der Welt, in die Pole und Gletscher schmelzen und der Regenwald immer weiter abgeholzt wird. Dass er nicht verstehen kann, dass Deutschland immer noch auf die klimaschädliche Braunkohle setzt, hat er gerade NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart bei dessen Besuch im Betrieb gesagt.

Unbeschwert fühlt Viktor Lemken sich, wenn er alle zwei Jahre zur Agritechnica, der weltgrößten Agrarmesse, nach Hannover fährt. „Das ist immer ein Highlight für mich“, sagt er. Das spannende Treffen mit so vielen Menschen, die die Begeisterung für die Technik mit ihm teilen, das halte jung, sagt der Technik-Freak. „Das sind die schönsten Tage des Jahres.“ Die nächste Messe ist im Herbst nächsten Jahres.

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