Alpen: Timo Aldenhoff will als parteiloser Kandidat Bürgermeister werden

Bürgermeisterkandidat Timo Aldenhoff : Ein vielgefragter Mann

CDU, SPD und Grüne wollten ihn in ihren Reihen. Timo Aldenhoff (28) hat allen abgesagt. Jetzt will er als Parteiloser Alpens Bürgermeister werden. Mit Hilfe der SPD.

Timo Aldenhoff ist erst 28 Jahre alt. Doch der junge Mann hat schon gezeigt, dass er ans Ziel kommt, wenn er sich was vornimmt. Nun hat er die Messlatte recht hoch gelegt: Er will nichts Geringeres, als im Herbst auf den Sessel des Bürgermeisters im Alpener Rathaus zu klettern. Da sitzt aber mit Thomas Ahls jemand ganz fest im Sattel. Das weiß der Herausforderer natürlich: „Klar. Das wird sportlich. Ich gehe sicher nicht als Favorit ins Rennen.“ Aber er setzt auf Angriff: „Ich gehe es an und will’s schaffen.“ Auf ein Parteibuch in der Tasche verzichtet der großgewachse Hüne. Aber die ihm angebotene Unterstützung der SPD nimmt er gerne an.

Einen ersten Erfolg darf er sich bereits auf dem Konto gutschreiben. Die Nachricht, dass er im Windschatten der Genossen antritt, Chef im Rathaus zu werden, ist eingeschlagen. Damit hatten wohl nur wenige gerechnet. In den Sozialen Medien zeigte sich heftige Bewegung. Indiz dafür, dass die Personalie bei den Alpenern unmittelbar ankommt.

Das hat unterschiedliche Gründe. Einer ist der Kandidat selber. Der Alpener Jung – Aldenhoff ist hier aufgewachsen und hat nie daran gedacht, seine Heimat zu verlassen – ist bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. „Gut vernetzt“, nennt er das neudeutsch. Die Reaktionen auf die Nachricht in unserer Zeitung kamen prompt und zahlreich. „Auf allen Kanälen“, sagt der 28-Jährige. „Durch die Bank positiv“, so der Zugführer bei den traditionsreichen Junggesellenschützen. „Das hat mir gezeigt, dass meine Entscheidung nicht so ganz falsch gewesen ist“, sagt er und fügt an: „Jetzt freue ich mich richtig auf die Zeit, die vor mir liegt. Das wird eine tolle Erfahrung.“

Bei den Junggesellenschützen hat Aldenhoff immer mal wieder ein Bierchen mit Jörg Banemann, Fraktionschef der SPD, getrunken. Mehr erstmal nicht. Politisch interessant fanden den meinungsfreudigen König von 2013 auch andere. Die CDU hätte ihn gern aufgenommen, die Grünen ebenso. „Ich war immer ein politisch denkender Mensch, habe mit meiner Meinung nie hinterm Berg gehalten und schrecke nicht davor zurück, auch mal anzuecken“, sagt er über sich selbst.

Er hat allen eine Absage erteilt, weil er es „nicht mag“, sich an die Leine legen zu lassen. Er sei ein typischer Wechselwähler, der schon hinter allen Parteien der bürgerlichen Mitte mal sein Kreuzchen gemacht hat. „Nach reiflicher Überlegung und einem Test am Wahlomaten“, erzählt der Kopfmensch mit dem großen Herzen für seine Heimat. „Extrem geht gar nicht“, sagt er kategorisch. Dann habe ihm im Sommer die SPD das überraschende Angebot gemacht, als Parteiloser fürs Amt des Bürgermeisters zu kandidieren. „Ich war zunächst ein wenig baff. Aber es hat mir auch ein wenig geschmeichelt“, gibt er zu. „Ich habe das als große Wertschätzung empfunden.“

Da er nun mal „kein Mann für Schnellschüsse“ sei, habe er sich mit der Familie und engen Freunden beraten, sich mehrmals mit den Genossen getroffen, so dass die „Entscheidung reifen konnte“. Am Ende stand der Entschluss: „Ich mach’s.“ Und wenn er einmal von etwas überzeugt ist, dann zieht er’s durch. Lange habe er sich mit klammheimlicher Freude an Spekulationen beteiligt, wer denn für die SPD in den Ring steigt. Er hat dichtgehalten. Nur engste Freunde waren eingeweiht.

Mit Plan hat er’s schon auf dem Gymnasium in Geldern gemacht. Nach der Klasse zehn ist er aufs Berufskolleg nach Moers gewechselt. „Ich wusste, dass ich später was mit Finanzen und Wirtschaft machen wollte.“ Sein Abitur mit Schwerpunkt Wirtschaft hat er mit dem Notendurchschnitt 1,7 gemacht. Es folgte die Ausbildung zum Finanzbeamten. Seit vier Jahren arbeitet er im Düsseldorfer Ministerium für Finanzen und prüft dort die Verwendung von EU-Fördergeldern. Sein erster Chef war übrigens Norbert Walter-Borjans, heute Teil der Doppelspitze der Bundes-SPD. „Aber das Parteibuch spielt auf der Ebene im Ministerium, auf der ich unterwegs bin, keine Rolle“, so Aldenhoff. Er mag es, in der Großstadt zu arbeiten, freut sich nach Feierabend aber auf Alpen. Das mag man provinziell nennen. Ihn stört’s nicht. „Hier ist meine Familie, hier sind meine Freunde.“

Hier ist er groß geworden, hat die Grundschule besucht, war nach der Kommunion kurz Messdiener, Betreuer beim Ferienhilfswerk St. Ulrich, hat Fußball gespielt bei Viktoria Alpen und beim BSV Bönninghardt. Zunächst als Torwart, nach vier Armbrüchen auf dem Feld. „Auf jeder Position, die gerade frei war“, sagt er. „Der Teamgeist war entscheidend.“

Darauf würde er setzen, wenn er Bürgermeister von Alpen wäre. „In den Fachämtern sitzen die Leute, die wissen, wie’s geht. Auf die kann ich mich stützen“, sagt der junge Mann: „Ich kenne Verwaltung von innen. Seit Jahren.“ Und er scheue sich nicht, Verantwortung zu übernehmen, die Richtung vorzugeben.“ Als Parteiloser stehe er für eine offene Verwaltung. In der Politik sehe er seine Rolle als Vermittler und Anwalt vor allem der kleinen Fraktionen, „damit ihre Position stärker als bisher in Entscheidungen einfließt“.

Grundsätzlich gehe es ihm darum, „dass Politik für Bürger begreifbarer wird“. Entscheidungen müssten viel breiter als bisher in Alpen üblich in der Öffentlichkeit kommuniziert und vorbereitet werden. Und letztlich so festgehalten werden, dass sie für jeden nachvollziehbar nachgelesen werden können. „Wenn man heute Sitzungsprotokolle liest, hab’ selbst ich große Verständigungsprobleme, obwohl ich beruflich täglich mit Gesetzestexten umgehe.“

Er stehe für einen fairen Wahlkampf. Auseinandersetzung in der Sache ja, im Zweifel auch mal pointiert. Aber persönlich müsse man sich mit Respekt begegnen. „Thomas ist Favorit“, sagte er vertraut. Er schätze Ahls persönlich, sagt Aldenhoff und lässt trotzdem keine Zweifel, dass er Ahls’ Job will. Moritz Vochtel (24), das personelle Angebot der FDP, stehe wie er selbst dafür, dass die neue Generation in der Politik nach vorn dränge. Allein das sei ein Erfolg, „wenn ich am Ende mit dafür gesorgt habe, dass noch mehr junge Leute an die Politik im Rathaus herangeführt worden sind. Dann war’s nicht umsonst“, sagt er.

Aber der 28-Jährige will mehr. Er will aktiv dafür sorgen, dass in seinen WhatsApp-Gruppen regelmäßige Bitten weniger werden, bei der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung zu helfen. „Alpen muss endlich was tun, um junge Leute am Ort zu halten“, lautet eine Kernthese seines politischen Programms. „Wenn die einmal weg sind, kommen die nicht so schnell zurück.“ Das sei letztlich tödlich für eine kleine Gemeinde, in der die Bevölkerung immer älter werde. „Hier muss man ansetzen, damit Alpen langfristig Zukunft hat“, sagt der junge Mann, der weiß, was er will und der seinen Plan verfolgt. Zum König von Alpen hat er’s schon gebracht. Jetzt soll’s ein sehr weltlicher Thron sein, den er besteigen möchte.