Schützenfest der Junggesellen Alpen Timo Aldenhoff holt beim Königschießen den Vogel herunter

Update | Alpen · In dramatischen fünf Stunden schossen die Junggesellen Schützen Alpen einen besonders zähen Vogel herunter. Im 38. Durchgang setzte sich Timo Aldenhoff gegen fünf weitere Aspiranten durch.

Königschießen der Junggesellen Schützen Alpen am Schmuhlsberg
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So war das Schützenfest der Junggesellen Schützen Alpen

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Foto: Silvia Decker

Immer wieder macht der Schmuhlsberg als grüne Hölle von Alpen seinem Namen alle Ehre. Doch besonders dieses Mal wird das Schützenfest der Junggesellen Alpen in die Geschichte des Vereins eingehen. Das Positive vorweg: Im 38. Durchgang holte der 32-jährige Timo Aldenhoff am Dienstagabend den Rest vom Vogel herunter und machte sich damit zum „richtigen“ Kaiser der Schützengesellschaft. Präsident Carsten Lommen erklärte: „Wer bei uns einmal Kinder- und Jungschützenkönig war und wer verheiratet ist, der kann, wenn er den Vogel ein drittes Mal herunterholt, zum Kaiser werden.“ Kein Wunder also, dass Aldenhoffs Jubel weit über die Kronen der höchsten Bäume am Schmuhlsberg hallte.

Doch bis es endlich soweit war, hatten die Junggesellen Schützen allerhand Prüfungen zu bestehen. Nachdem von 2020 bis 2022 durch die Pandemie auf das Königschießen verzichten werden musste, hatten sich die Schützen 2023 ein neues Konzept überlegt. „Vorher haben wir immer den König am Dienstag nach Pfingsten ausgeschossen. Aber weil dafür viele extra Urlaub nehmen mussten, haben wir das Ganze im letzten Jahr auf den Sonntag verlegt und damit eine gute Erfahrung gemacht“, berichtete der Präsident.

Doch am Pfingstsonntag spielte das Wetter ab nachmittags überhaupt nicht mehr mit. Starke Regenfälle machten aus dem Schmuhlsberg einen einzigen Bach; gepaart mit starken Gewittern, so dass das Schießen schließlich abgebrochen werden musste. „Es war einfach zu gefährlich“, sagte Lommen. Der harte Kern der Schützen und die Gastronomen habe die Feuerwehr kurzerhand vom Berg geholt, die Schützen feierten daraufhin im Dahlacker weiter.

Doch weil die Gesellschaft natürlich einen neuen König bekommen sollte, verschoben die Schützen das Schießen auf den Dienstagnachmittag. Der Verlauf ab diesem Zeitpunkt war letztlich noch dramatischer als der Abbruch am Pfingstsonntag. In weiser Voraussicht verzichteten die Schützen direkt auf das Preisschießen. Das werde bei nächster Gelegenheit nachgeholt. „Hauptsache, wir schaffen es, einen König zu ermitteln“, betete Lommen. Zwischenzeitlich stand sogar das auf der Kippe.

Doch zu Beginn hielt das Wetter noch, sodass sich sechs Aspiranten der begeisterten Zuschauermenge vorstellen konnten. Uwe Beckers, Markus Witt, Timo Aldenhoff, Carsten Weide, Florian Lenzen und Thorsten Eickschen waren ganz heiß darauf, sich an der Armbrust zu messen. Bei Timo Aldenhoff und Florian Lenzen stimmten sogar alle Parameter und so schossen sie um die Kaiserwürde. Die Musik spielte, das Bier floss, die Menge jubelte den Aspiranten zu, die fleißig dem Vogel zu Leibe rückten.

Dann kam um Punkt 18 Uhr der Regen. Hatte man zuerst die Hoffnung, dass es sich nur um Schauer handeln sollte, wurde diese schnell erstickt. Es goss und goss und goss. Längst hielten die Sonnenschirme dem Regen nicht mehr stand, die Glücklichen, die einen Regenschirm dabei hatten, drängten sich dicht an dicht darunter, der Boden wurde zu einer einzigen Matschfläche. Doch echte Schützen ließen sich davon nicht unterkriegen. Immer wieder scherzten die Altkönige, die einen Logenplatz ganz vorne an der Vogelstange hatten, und riefen: „Wann kommt die Flut“ oder „Wir gehen durch den Monsum“. Kein Fitzel blieb von den Aspiranten mehr trocken. Das Wasser rann aus den Klamotten, den Haaren, das Schießen war erschwert unter diesen Bedingungen. Dann der Schock: Die Armbrust verzog nach links. Drohte nun der erneute Abbruch des Königsschießens? Eine Stunde lang setzten Schießmeister und Kollegen alle Hebel in Bewegung, dann die Erleichterung: Die Reparatur war geglückt. Mit Jubel quittierten das die Zuschauer, weiter ging es also an der Vogelstange.

So sieht ein glücklicher Schütze aus: Um 20.58 Uhr schoss Timo Aldenhoff den Vogel herunter. Mit ihm jubelt seine Frau Melina.

So sieht ein glücklicher Schütze aus: Um 20.58 Uhr schoss Timo Aldenhoff den Vogel herunter. Mit ihm jubelt seine Frau Melina.

Foto: Silvia Decker

Erstmalig deutlich Holz ließ der Rumpf des Vogels um 19.29 Uhr nach einem Treffer von Florian Lenzen. Doch der Vogel erwies sich dann als äußerst zäh. Um die pitschnassen Aspiranten weiter anzustacheln und der wartenden ebenso pitschnassen Menge Mut zuzusprechen, gaben die Altkönige aus voller Kehle Gesangseinlagen. Dirigiert wurden sie von Rolf Bockstegers, der nach 17 Jahren als Geschäftsführer in diesem März seinen Posten an Florian Lenzen weitergegeben hatte. Erst um 20.29 Uhr vielen weitere Holzspäne beim Treffer von Carsten Weide. Ein deutlicher Riss im Holz folgte um 20.41 Uhr durch Uwe Beckers Schuss. Danach stieg die Spannung ins Unermessliche, als Thorsten Eickschen um 20.56 Uhr dreiviertel des Vogels herunterholte und nur noch ein schwalbenartiges Gebilde oben hängen blieb. Blitzschnell legte sich eine Grabesstille über den Schmuhlsberg. Alle Augen waren gen Vogelstange gerichtet, Timo Aldenhoff war an der Reihe. Er schoss und zack viel der Rest des Vogels krachend herunter und machte Aldenhoff um 20.58 Uhr zum Kaiser der Junggesellen. Mit ihm jubelte seine Frau Melina und danach beglückwünschten alle kräftig ihrem „Regenkaiser“.

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