Alpen: Alpen - sparsam trotz Rekordeinnahmen

Alpen : Alpen - sparsam trotz Rekordeinnahmen

Alpen hat in den zurückliegenden acht Jahren die Finanzkrise gemeistert und sich zu einer Gemeinde gemausert, die zu den bessergestellten Kommunen im Land gehört.

Die Gemeinde Alpen ist finanziell kerngesund. Krösus geht zwar anders, doch sie zählt in der Liga der steuerstarken Kommunen im Land zum gehobenen Drittel. In der Tabelle des Landesbetriebes Information und Technik wird die Gemeinde mit knapp 13 000 Einwohnern in der Spitzengruppe geführt mit jährlichen Einnahmen (Steuern und ähnliche Abgaben) von 1663 Euro pro Kopf. Nur Düsseldorf (2343 Euro) und Straelen (2786) spielen in einer höheren Klasse, und der Primus Monheim ist mit 7219 Euro pro Kopf einsamer Tabellenführer. Dabei hat Alpen schwere Zeiten hinter sich und eine anhaltende Krise als Chance begriffen und genutzt.

Foto: Norgren

Anfang der 90er Jahre rutschte Alpen in den Ausgleichsstock, wie das damals hieß, wenn ein notleidender Kämmerer unter strenge Finanzaufsicht geriet und zu schmerzhaften Einschnitten gezwungen wurde. Damals wurden alle freiwilligen Leistungen auf Null gesetzt und so die Ausgaben auf die unbedingte gesetzliche Pflicht beschränkt. Die Haushaltssicherung (HSK), so heißt das stramme Finanzkorsett heute, galt bis Ende 2006.

Foto: Nein

Doch noch heute wirkt der Geist der Sanierer der Alpener Finanzen nach. Noch immer beschränkt sich Alpen bei den Ausgaben weitgehend auf die Pflicht, auch wenn's finanziell keinen Grund zur Klage mehr gibt. Im Gegenteil. Bürgermeister Thomas Ahls betrachtet die Vergangenheit als heilsam und ist stolz auf die Alpener, die die missliche Lage bravourös gemeistert haben. "Alle sind zusammengerückt und haben gezeigt, dass es auch mit weniger geht", so Ahls. Die Sportvereine beispielsweise, die ihre Anlagen selbst betreiben, der Schwimmverein, der das Hallenbad gerettet hat und mit einem jährlichen Zuschuss aus dem Gemeindesäckel klarkommt, oder der Musik- und Literaturkreis, der die Bücherei managt. "Und es kommt immer noch ehrenamtliches Engagement on top dazu wie die Aktion Essen auf Rädern oder die Tafel", so der Bürgermeister über den guten Geist der Alpener mit dem ausgeprägten "Selbsthelfer-Gen". Umso mehr ärgert ihn, dass die Verdienste mit der Kommunal-Soli in Höhe von einer Million Euro bestraft werden.

Foto: NN

Doch ohne die inzwischen üppig sprudelnde Gewerbesteuerquelle wär's wohl nicht gelungen, aus dem Tal der Tränen aufzusteigen. Die großen Zahler Lemken, Norgren und die Volksbank Niederrhein überwiesen vor zehn Jahren zusammen gerade mal eine Million Euro in die Gemeindekasse, inzwischen sind es zehn Mal so viel. Ein anhaltender Segen, auch wenn Ahls mit Blick auf den Russland-Ukraine-Konflikt nicht ganz wohl ist, wenn er an den Steuerzahler Lemken denkt.

Noch sieht's wieder verdammt gut aus für dieses Haushaltsjahr. Mit rund zwölf Millionen Euro aus der heimischen Wirtschaft liegen Nancy Möller und Andreas Wessel in der Kämmerei "voll im Plan-Soll". Nach aktuellem Stand zieht sich das kalkulierte Loch im Etat von 1,5 Millionen Euro am Ende des Jahres deutlich zusammen. Und der Schuldenberg von einst knapp 15 Millionen Euro ist dann mit 4,6 Millionen Euro nur noch ein Hügel. Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 365 Euro spielt Alpen längst in der Liga der nahezu Sorglosen. Die Stadt Oberhausen beispielsweise steht mit 8185 Euro pro Bürger in der Kreide.

(RP)
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