Alpen: Seytensprung singt zeitlos schöne Liebeslyrik in Amalienkirche

Konzert in Amalienkirche : Zeitlos schöne Liebeslyrik

Die Folkformation Seytensprung spielte in der Amalienkirche Jahrhunderte alte Lieder, die von der Freude und dem Leid Liebender erzählen.

Sie zählen zu der ältesten Folkformation am Niederrhein, die als Ensemble Seytensprung platt-, alt- und hochdeutsche Weisen ihrem Publikum präsentiert. Die Rede ist von Hans van Triel und Dieter Hackfurth. Beide singen und spielen Gitarre sowie Mundharmonika. Die kongeniale Partnerin des Duos ist Johanna Furtmann, die mit ihrem klaren Gesang die Gäste in der Amalienkirche gefangen nahm. Der Musik- und Literaturkreis hatte das Ensemble eingeladen.

„Lieder aus alter Zeit“ lautete das Programm am Sonntag. Musikalisch ging es in vergangene Jahrhunderte zurück, in die Zeit der Renaissance, die Zeit von Heugel, Goethe, Heine bis hinzu Kaléko, Dichterin des 20. Jahrhunderts. Elisa Franz führte das Publikum zu den Stücken, erläuterte den Inhalt, beschrieb den historischen Kontext, las fröhliche wie besinnliche Texte dazu.

Auch wenn von alten Liedern des 15. Jahrhunderts oft nur Fragmente existierten, so ließ das Ensemble Seytensprung den Charakter der Zeit aufleben, ergänzte das vorhandene Liedgut. Thematisch gliederte sich das Konzert in die Themenbereiche der Liebe, erzählte vom Lebensgenuss wie dem Lebensende mit Erinnerungen an vergangene Kindertage.

Die Bandbreite an Interpretationen machte zum musikalischen Genuss diese Veranstaltung aus. Beispielsweise mit dem Lied „Es ist ein Schnee gefallen“, das vermutlich aus dem Jahr 1467 stammt und später auch Goethe zu einer neuen Interpretation inspirierte. Es ist die Kunst der Andeutung, des Unausgesprochenen. Als bloßes Naturgedicht oder als das Leid eines verstoßenen Mädchens lässt sich das Gedicht interpretieren. Ähnlich das Lied „Ich stand auf einem hohen Berg“, das aus dem 16. Jahrhundert stammt und zu dem Goethe später die Melodie schrieb. Das Lied erzählt von dem armen Mädchen als Spielball des reichen Grafen.

Zugleich boten die verschiedenen Lieder auch Elisa Franz immer wider die Möglichkeit zu einem Schwenk, etwa zur klassischen „Anmache“ aus der Weltliteratur, wie Dichterfürst Goethe sie in seinem Faust propagierte und von Gretchen eine Abfuhr erhielt. Funktioniert die Annäherung, dann kann es der schmerzliche Liebeskummer sein, der einen beinahe sterben lässt, wie Mascha Kaléko in ihrem Gedicht „Das berühmte Gefühl“ beschreibt.

Mit dem populärsten Liebesliedern laut NDR-Hitliste endete das Konzert. Nach Matthias Claudius’ „Die Liebe“ und Heinz Erhards „Die Bilanz“ nimmt der plattdeutsche Klassiker „Dat du min leevsten büst“ den dritten Platz ein. Der Verfasser ist unbekannt. Es wurde 1845 erstmals von Karl Müllenhoff veröffentlicht.

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