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Alpen: Seeadler durchkreuzt Windradpläne

Alpen : Seeadler durchkreuzt Windrad-Pläne

Bei der Ausweisung neuer Windkraftzonen in Alpen läuft’s nicht rund. Die Verwaltung muss nachweisen, dass ihre ausgeguckten Flächen den Seeadler der Bislicher Insel nicht stören. Auf der Bönninghardt macht ein Investor Druck.

Als Alpen um die Jahrtausenwende auf seiner knapp 60 Quadratkilometer großen Gemeindefläche Wege für Windkraft freimachen wollte, erhob sich ein Sturm der Entrüstung. Daran erinnert sich Volker Schlicht, Chefplaner im Rathaus, noch ganz genau: „Es gab mächtig Gegenwind.“ Gleichzeitig wurde die Verwaltung mit 70 Bauanträgen für Windriesen torpediert. „Schrotschüsse auf den Gemeindeplan“, beschreibt Schlicht die ungezügelte Begehrlichkeit. Mit der Ausweisung von Konzentrationszonen steuerten Rat und Verwaltung dem drohenden Wildwuchs von Windmühlen entgegen. Mit Erfolg. Inzwischen drehen sich neun Rotoren, sechs in Veen und drei in Drüpt. Damit ist das planerische Potenzial ausgeschöpft.

Längst ist es ruhig geworden. Von Widerstand keine Spur mehr. Als Schlicht das Gemeindegebiet von einem Fachbüro daraufhin hat untersuchen lassen, wo im heutigen rechtlichen Rahmen neue Konzentrationszonen möglich sein könnten, ging lange alles glatt. Bis aus planerischer Sicht eine unliebsame Überraschung die Planspiele stoppte. Der Seeadler, der seit zwei Jahren im Naturschutzgebiet Bislicher Insel erfolgreich brütet – für die Region eine weithin beachtete Sensation – hat Alpens weit gediehenen Windkraft-Pläne durchkreuzt.

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Zunächst musste, so Volker Schlicht, das Umfeld das Seeadlerhorstes in einem Radius von drei Kilometern gutachterlich betrachtet werden. Kein Problem. Im November dann habe das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) den Untersuchungskorridor verdoppelt. Mit Folgen für die Windkraftpläne in Alpen. Vorläufig stehen die ausgeguckten zwei neuen Zonen für Windriesen im Abseits. Sie könnten im erweiterten Vorhof des Adlerhorstes den prächtigen Vogel nachhaltig stören.

Drei Anlagen sind in Veen an der Sonsbecker Straße (L460) denkbar, noch mehr zwischen Reekwall und Winnenthaler Straße. Dort wolle ein Investor aus Wiesbaden fünf Mühlen bauen, so Schlicht. Doch die Planspiele liegen nun vorläufig auf Eis. Schlicht glaubt zwar nicht, dass die Windriesen am Ende eine Beute des Adlers werden. „Aber die Flächen müssen jetzt ganz neu betrachtet werden, ob der Seeadler den Raum in irgendeiner Weise nutzt. Dabei verlieren wir ein Jahr. Mindestens. Und es kostet.“

Unterdessen droht auch auf der Bönninghardt planerisches Ungemach. Denn da hatte der Gutachter, den die Gemeinde mit der Potenzialanalyse beauftragt hatte, keinen Raum für Windräder ausgemacht. Das Ergenis zweifelt ein Investor ganz erheblich an und habe schon seine Fachanwälte in Stellung gebracht. Er will im Nadelwald am Fuße der Autobahn 57 mit insgesamt fünf fast 200 Meter hohen Giganten links und rechts der Bönninghardter Straße (L 491) reiche Windernte einfahren. Geschätztes Investitionsvolumen: rund 28 Millionen Euro. Um sich auch hier zu wappnen, will Schlicht noch einmal genau hinschauen lassen.

Um später grünes Licht für den neuen Flächennutzungsplan in Alpen zu erhalten, müssen die Plandaten im Zweifel gerichtsfest sein. Ohne Konzentrationszonen für Windkraft, kann man den Bau von Windriesen im Rathaus nicht steuern. Hat man keine, droht am Ende die gefürchtete „Verspargelung“ der Landschaft. Da braut sich was zusammen.