1. NRW
  2. Städte
  3. Rheinberg

Alpen-Rheinberg: Gastronomie in der 2G-plus-Tristesse

Corona-Schutz-Maßnahmen : Gastronomie in der 2G-plus-Tristesse

Seit der Verschärfung der Corona-Schutzregeln beklagen auch Restaurantbetreiber aus Alpen weitere Umsatzeinbußen. Viele Gäste seien verunsichert und blieben weg. Wir haben nachgefragt, wie die Betreiber mit der Situation umgehen.

Seit vergangener Woche gilt die 2G-plus-Regelung auch für den Besuch von Restaurants, Cafés und Kneipen. Das heißt, ohne sich zuvor das Wattestäbchen für einen Corona-Test in die Nase stecken zu lassen, ist ein Essen in Gastronomiebetrieben nicht möglich. Ausgenommen von dieser Regelung sind nur Gäste, die nachweislich geboostert sind. Vier Gastronomen aus Alpen erklären, was das für eine Branche bedeutet, die, wie sie sagen, seit fast zwei Jahren durch Lockdowns und Hygienemaßnahmen an der Belastungsgrenze stehe.

Friedhelm Pfau, Geschäftsführer in Fidos Steakhouse in Alpen-Grünthal, beklagt die hohen Hürden für einen Restaurantbesuch. „Geimpft sind ja inzwischen fast alle, aber viele müssen noch auf ihren Booster-Termin warten“, sagt er. Viele dreifach Geimpfte wüssten zudem nicht, dass sie keinen zusätzlichen Test brauchen, ergänzt Pfau. Und vor einem spontanen Restaurantbesuch ein Testzentrum aufzusuchen, sei nicht jedermanns Sache. „Da heißt es dann: ,Lass uns doch lieber was bestellen‘“, sagt der Gastronom.

 Rainer Mosch arbeitet seit rund zwei Jahren in Fidos Steakhouse. Fast genauso lange hemmt die Corona-Pandemie schon den Betrieb.
Rainer Mosch arbeitet seit rund zwei Jahren in Fidos Steakhouse. Fast genauso lange hemmt die Corona-Pandemie schon den Betrieb. Foto: Armin Fischer (arfi)
  • Das Gelände auf dem die Autos
    Neues Angebot in Mönchengladbach : So klappt die Corona-Impfung im Vorbeifahren
  • Das Gesundheitsamt in Heinsberg. (Symbolfoto)
    NRW-Behörden am Limit : Gesundheitsämter nehmen nicht mehr zu allen Corona-Fällen Kontakt auf
  • Eine Ampulle mit dem Impfstoff von
    Pläne der Gesundheitsminister : Pflegenden und Klinikbeschäftigten soll bevorzugt Novavax angeboten werden

Selbst mit drei Impfnachweisen in der Corona-App sei der Weg zum Tisch längst nicht frei, wie Pfau weiter berichtet. Als Grund dafür nennt er unzuverlässige Technik. „Wir sind dazu verpflichtet, den QR-Code mit einer speziellen App zu kontrollieren. Aber die spinnt immer wieder, sodass wir den Code mitunter vier bis fünf Mal abfragen müssen, bis die Impfungen angezeigt werden.“

In der Summe sei der Umsatz auf 80 Prozent eingebrochen – „bei gleichzeitig rasant steigenden Kosten“. Auf rund 18.000 Euro belaufe sich inzwischen die jährliche Stromrechnung im Fidos, so der Betreiber. Einsparungen seien kaum möglich. Pfau: „Die Kühlhäuser müssen ja weiterlaufen, sonst verderben die Waren.“ Neben einer „Kostenexplosion“ beim Strom und Gas seien auch die Preise für Gemüse deutlich gestiegen. Pfau rechnet zudem damit, dass die Preise für Bier und Softdrinks um rund 20 Prozent angehoben werden. „Preiserhöhungen kommen immer wieder vor, aber jetzt kommt alles mit einem Rums“, sagt er. Um Kosten einzusparen, denkt der Unternehmer darüber nach, sein Restaurant mittwochs und donnerstags zu schließen.

In der Gaststätte Zum Dahlacker denkt man ebenfalls darüber nach, einen zusätzlichen Ruhetag einzuführen – nicht nur, weil Tische im Lokal nicht besetzt werden könnten. „Viele Kegelbahntermine werden abgesagt. Die Leute sind zwar dreifach geimpft, aber sie haben trotzdem Angst, sich anzustecken“, erzählt Jupp Robertz, der die Gaststätte vor 35 Jahren eröffnet hat. Gleiches gelte für Geburtstagsfeiern und Karnevalsveranstaltungen. „Unsere Scheune bleibt leer, das ist ein großer Verlust“, beklagt Robertz.

Restaurants, die noch nicht so lange auf dem Markt sind und deren Betreiber kaum Rücklagen bilden konnten, trifft die Corona-Pandemie besonders hart. Im Scoozi, das 2019 an der Rathausstraße eröffnet hat, ist man deshalb froh, ein zweites Standbein zu haben. „Die Zahl der Gäste im Restaurant ist schon deutlich zurückgegangen, es kommen praktisch keine Getesteten zu uns“, sagt Küchenchef Pierre Lohmann. Dafür sei der Außer-Haus-Verkauf stark angestiegen.

Völlig anders beurteilt Uli Evers die aktuelle Situation: „Warum jammern, es ist doch alles gut, wir haben überhaupt keine Probleme.“ Grund für den Optimismus: Der Wirt vom Adlersaal in Menzelen-Ost kann sich blind auf sein Publikum verlassen. „Meine Gäste setzen die neuen Regeln eins zu eins um. Sie sind vorsichtiger geworden, weil sie alle froh darüber sind, überhaupt ins Restaurant gehen zu können“, sagt Evers, der ebenso zuversichtlich nach vorne schaut: „Ich habe das Riesenglück, schon vor der Pandemie sehr viele junge Gäste dazugewonnen zu haben, die meine Zukunft sichern.“