Alpen: Philip Oprong Spenner spricht über Zeit als Straßenkind in Kenia

Lesung in Alpen : Philip Oprong Spenner spricht über das Leben als Straßenkind

Philip Oprong Spenner sprach im Menzelner Pfarrheim von seinem Leidensweg auf Kenias Straßen und zwei Ereignissen, die sein Leben veränderten.

Im Menzelner Pfarrheim zog der Autor Philip Oprong-Spenner sein Publikum in den Bann. Als der gebürtige Kenianer (39) aus seinem Buch „Move on up – Ich kam aus dem Elend und lernte zu leben“ las, erzählte, sang, wurde es im vollbesetzten Saal mucksmäuschenstill.

Mittendrin Irmgard Glowka aus Ginderich, die den Autor seit langem kennt und sich für seinen Besuch starkmachte. „Ich bin so happy. Es passt in unsere Zeit“, sagte sie.

Von einer gemeinsamen Reise in sein erstes Leben spricht der Autor. Dort lebt er zusammen mit seiner Tante und ihren beiden Kindern in einem Dorf. Doch irgendwann bringt die Tante den Zehnjährigen in die Metropole Nairobi, wo sie ihn angeblich bei einer Schule anmelden will. Die Tante verschwindet. Von jetzt auf gleich ist der Vollwaise Straßenkind, das lernt, sich durchzuschlagen.

„Als Straßenkind muss man immer eine Geschichte haben“, meint Oprong-Spenner. So gibt er sich bei asiatischen Touristen als geächteter Kindersoldat aus. Sie geben ihm Geld und sichern ihm für drei Monate eine sorgenfreie Existenz. „Das Leben fühlte sich ein Stück besser an“, sagt der Autor.

Hunger war der größte Feind, die Suche nach „Essbarkeiten“ zusammen mit seinem Freund Paul die Triebfeder. Von seinen leiblichen Eltern wusste Oprong-Spenner, dass sie angeblich bei einem Autounfall ums Leben kamen. Oder, so seine zweite Vermutung, ihn im Stich ließen. „Was stimmt, weiß ich nicht. Ich glaube an die erste Version“, sagt er. Ohne Perspektive und das Gefühl, nichts wert zu sein, lebte er auf der Straße. „Niemand hatte eine Verwendung für mich“, so Oprong-Spenner.

Er zerbrach nicht, denn er kannte die Geschichten aus der Bibel, über die er das Lesen erlernt hatte. „Ich kannte das Motiv Hoffnung. Ich wusste, die eigene Basis ist die Herzensgröße“, sagt er. Zwei Ereignisse ändern Oprong-Spenners Leben. Unter Drogen stirbt Paul bei einem Autounfall. „Ich schwor mir, wenn ich jemals wieder zur Schule gehen kann, mache ich das Beste daraus.“ Als Elfjähriger schnappt ihn die Polizei und bringt ihn ins Waisenhaus. Dort sorgt eine junge Irin dafür, dass er die Schule besucht, einen Abschluss macht. Oprong-Spenner studiert Jura. Als den Zwanzigjährigen ein Hamburger Arzt adoptiert, macht er in der Hansestadt ein Lehramtsstudium. Heute unterrichtet er Sport, Englisch und Religion. 2011 schrieb er das Buch. „Ich bin ein Happy-End, weil ich meine Chance genutzt habe, die Hölle zu verlassen“, sagt er.

Dass Bildung der Schlüssel zum Erfolg ist, zeigt ab 2015 die Flüchtlingswelle, die über das Meer kommt. Mit seinen Lesungen und Vorträgen wirbt der zweifache Vater für Bildung. „Wir müssen für Bildung vor Ort sorgen, Nachhaltigkeit schaffen, um den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen“, so Oprang-Spenner. 2007 gründet er in Nairobi den Verein „Kanduyi Children“ und investiert über Spendengelder in Bildungsprojekte. Der Verein hat das Waisenhaus übernommen und ein Schulsystem mit Abitur aufgebaut. „Bildung und die emotionale Begleitung lassen den Glauben an ein selbstbestimmtes Leben wachsen“, betont Oprong-Spenner.

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