Alpen: Neun Künstlerinnen stellen im Rathaus aus

Ausstellung in Alpen : Kunst als Frauenangelegenheit

Neun Künstlerinnen aus dem Kreis Wesel haben sich als Gruppe „x-positions“ zusammengetan und machen mit ihrer Werkschau nun Station im Rathaus in Alpen. Jede stellt eine für sie bedeutende Niederrheinerin vor.

Die Kunst ist weiblich. Frauensache quasi. Zumindest die, die von Donnerstag an im Rathaus hängt und steht. Neun Künstlerinnen aus dem Kreis Wesel, die seit einem Jahr als Gruppe „X-Positions“ mit ihren Werken auf Tour gehen, zeigen in Alpens guter Stube – auf Fluren und im Sitzungssaal des Rates – eine Auswahl ihrer Arbeiten. Fotografien, Skulpturen, gegenständliche und abstrakte Malerei, Zeichnungen, Installation. Und sie zeigen darüber zum ersten Mal auch das Ergebnis ihres Gemeinschaftsprojektes „Frauen am Niederrhein“.

Jede hat sich dafür eine bekannte oder für sie selbst bedeutende Frau aus der Region gesucht und künstlerisch bearbeitet. Diese neun Frauen hängen und stehen im Flur vorm Sitzungssaal. Auf Texttafeln werden Hintergründe oder persönliche Geschichten präsentiert. Magdalena Graf, Claudia Holsteg-Küpper, Regine Kielmann, Petra Klein, Elke Munse, Antje Paselk, Renate Scheel, Barbara Spickermann und Brigitte Tackenberg-Özek sind die Künstlerinnen, alle Finalistinnen des vor zwei Jahren erstmals ausgelobten Erna-Suhrborg-Preises. Bei der Preisverleihung im Januar 2017 in Wesel haben sie sich kennengelernt und festgestellt, dass die Chemie stimmt. Seither treffen sie sich einmal im Monat im Atelier von Claudia Holsteg-Küpper auf dem Gelände der Firma Trapp in Wesel.

Die Idee, gemeinsam etwas über Frauen am Niederrhein zu machen, hatte Elke Munse (77). Ja, es sei eine Herausforderung gewesen, „sich eine Frau vom Niederrhein zu suchen, um sie künstlerisch zu „bearbeiten“, sagt Renate Scheel aus Sonsbeck. Sie hat Annabel Gräfin von Arnim gemalt. Deren Buch „Die Farbe der Erde“ hat sie fasziniert – eine Autobiografie über das Leben als Bäuerin am Niederrhein. Regine Kielmann aus Wesel hat eine Skulptur geschaffen, die ihre Oma Henriette „Jetta“ Lacks darstellt, die 1945 erfolgreich ihr geliebtes Sofa verteidigt hat, das die Amerikaner ins Lager für Russen und Polen mitnehmen wollten.

Die Weselerin Elke Munse hat Johanna Sebus aus Rees-Bienen (1791-1809) gezeichnet, die als 17-Jährige bei einem Deichbruch zunächst ihre Mutter aus den Fluten des Rheins rettete und beim Versuch, auch noch einer Nachbarin zu helfen, ertrank. Zwei dreieckige Bilder von Brigitte Tackenberg-Özek zeigen die in Wesel-Lackhausen geborene Chemikerin Ida Noddack-Tacke (1898- 1978), die als eine der ersten Frauen in Deutschland von 1915 bis 1921 an der Technischen Hochschule Berlin Chemie studierte und promovierte. Sie entdeckte das Element Rhenium mit der Ordnungszahl 75, benannt nach dem Fluss ihrer Heimat.

Die Skulptur von Claudia Holsteg-Küpper, mit 52 Jahren die Jüngste, stellt Autorin Cornelia Funke vor, die „Tintenherz“ geschrieben hat, in Amerika lebt und weltweit humanitäre Projekte unterstützt. „Eine kämpferische Natur“, so die Bildhauerin aus Dinslaken, die beim Suhrborg-Wettbewerb Platz zwei holte.

Dritte wurde Petra Klein aus Moers, die auch zur Gruppe gehört und Dr. Martha Berger gemalt hat – erste Kinderärztin aus Moers. 1893 geboren, durfte sie zwar aus studieren, wurde aber von den Professoren gemobbt. Trotzdem zog sie ihr Studium durch, machte ihren Facharzt und versuchte drei Jahre vergeblich, in Moers praktizieren zu dürfen: Der Stadtrat war dagegen. Ende der 20er Jahre eröffnete Berger dann doch an der Uerdinger Straße ihre erste Praxis, die sie bis 1964 betrieb.

Barbara Spickermann-Horn (Hünxe) hat sich die Lyrikerin und Übersetzerin Elisabeth Borchers ausgesucht, 1926 in Homberg geboren. Antje Paselk aus Moers hat das Schicksal von Hanna Niederhellmann berührt, Lehrerin in Duisburg-Beeck. Sie wurde aus politischen Gründen als Mitglied der SPD nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten aus dem Schuldienst entlassen, ging in den Widerstand und wurde wegen Hochverrat zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt.

Das Gemälde von Magdalena Graf (Dinslaken) zeigt die Nonne Ulanth Dammartz, die um 1500 in Emmerich gelebt hat, nach einer unglücklichen Liebe ins Kloster St. Birgitta in Marienbaum ging, dort erkrankte, „von Dämonen geplagt“, als Hexe gebrandmarkt im Turm der Dinslakener Burg ohne rechtsgültiges Urteil gefangen gehalten wurde.

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