Bildung in Alpen Pädagogisch wertvolle Regenwürmer

Alpen · In der Alpener Grundschule Zum Wald steht Nachhaltigkeit auf dem Lehrplan. Dazu gehört, dass die eigenen Grün-Abfälle für Hochbeete kompostiert werden. Die Kinder züchten ihre Nützlinge selbst heran. Dafür gibt’s nun den Titel „Haus der kleinen Forscher“.

 Lina (v.l.), Paul und Ayda füttern die Regenwürmer gerade mit Apfelresten.

Lina (v.l.), Paul und Ayda füttern die Regenwürmer gerade mit Apfelresten.

Foto: Armin Fischer (arfi)

In der Grundschule Zum Wald wuseln nicht nur die Kinder aller Klassen herum und sorgen für emsige Betriebsamkeit. Auch auf dem Flur im Eingangsbereich ist, selbst wenn’s nicht augenfällig ist, eine unermüdliche Tausendschaft dabei, das zu tun, wozu sie da ist: Grünabfälle in wertvollen Kompost zu verwandeln. „Die Regenwürmer sind längst fester Teil unserer Schulgemeinschaft“, sagt Frauke Hegmann (39), die nach dem Abschied von Ursula Ledermann die Leitung der Schule übernommen hat. Bis auf Weiteres kommissarisch, aber mit ansteckender Begeisterung, „hier im Team engagierte Schulentwicklung“ auf den Weg zu bringen.

Und dabei sind die Regenwürmer in der Pausenhalle willkommene, ganz praktische, aber auch pädagogische Begleiter auf dem Weg zur „Schule der Zukunft“. Die Schüler haben sich längst aufgemacht und schon einiges bewegt, wie Frauke Hegmann sagt. Aus der Schülerschaft sei nämlich der Wunsch laut geworden, den Pfad der Nachhaltigkeit noch konsequenter als bisher zu beschreiten.

Frauke Hegmann, kommissarische Leiterin der Grundschule, ist stolz auf ihre umweltbewussten Schüler. Romy und Julian wollen das Hochbeet wässern.

Frauke Hegmann, kommissarische Leiterin der Grundschule, ist stolz auf ihre umweltbewussten Schüler. Romy und Julian wollen das Hochbeet wässern.

Foto: Armin Fischer (arfi)

Der Gedanke sei aus Projekten erwachsen, mit denen die Kinder bereits vor Ausbruch der Pandemie Erfolge feiern konnten. Damals ging’s um das große Thema „Energy for future“ (Energie für die Zukunft). Die Schüler haben Erklärvideos gedreht, so Hegmann, seit zwei Jahren Medienberaterin für die Schulen im Kreis Wesel. Die Filme zeigen beispielsweise, wie Atomkraftwerke arbeiten, aber auch, welche Möglichkeiten in erneuerbaren Energiequellen stecken.

Im Unterricht spiele Digitalisierung eine bedeutende Rolle, so die Konrektorin. Sie lobt die Ausstattung der Schule in höchtsen Tönen: „Alle Klassen verfügen über Samrtboards, die Kinder haben alle ihr persönliches Tablet.“

Doch es sei gut, „dass wir wieder uneingeschränkt in Präsenz arbeiten können“. So hätten die Kinder vor den Ferien bei der Teilnahme am „World clean up Day“ (Welt-Aufräum-Tag) festgestellt, dass in der Schule zwar eine große Biotonne steht, „beispielsweise aber die Bananenschale nach der Pause im Restmüll landet“. Da war man schnell an dem Punkt, die Regenwürmer ins Haus zu holen. Auch Hausmeister Ulrich Greven ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie und gab grünes Licht für die Kompost-Kolonne.

Eine Abteilung arbeitet in einer Holzkiste und kann bei der Verdauung der Bio-Abfälle beobachtet werden. Die andere Garde kompostiert in einer grellgrünen Behausung, die eher an ein Popart-Schränkchen denken lässt als an eine Kompostfabrik. Wer den Deckel hebt, hört die knisternde Betriebsamkeit der Regenwürmer in der warmen schwarzen Erde. In der Etage darunter ist es still, die Temperatur etwas kühler und die Arbeit schon erledigt.

Der Kompost treibt in den Hochbeeten auf dem Schulhof das Wachstum an. „Unsere Zucchini-Ernte war überwältigend“, schreibt Frauke Hegmann den Regenwürmern ins Zeugnis. Auch Erbeeren, Tomaten, Paprika und Salat seien prächtig gediehen und auch der junge Wein am Holzpavillon „wächst wie hulle“, auch wenn er noch keine Trauben trägt.

Hinter den Pflanzkästen haben die Kinder der „Schule der Zukunft“ Blühblumen gepflanzt und auch dafür gesorgt, dass Leben in die Bienenhotels einzieht. Wildbienen-Kokons wurden eingesetzt und Schmetterlingsraupen gezogen, so dass es im Frühjahr summt und flattert. Damit der Schulhof noch einladender wird für alles, was da kreucht und fleucht – auch für die Schülerschaft. Man hat sich Knowhow in die Schule geholt. Nabu-Vorsitzender Christian Chwallek hat wertvolle Tipps gegeben, wie man das Umfeld insgesamt insektenfreundlicher gestalten kann. „Jetzt müssen wird nach Finanzierungsmöglichkeiten fahnden, das Konzept Stück für Stück umzusetzen“, so Hegmann. Daraus ist bereits eine Bienenpartnerschaft mit den Wurzelzwergen des nahen Waldkindergartens erwachsen, deren Bienen einen leckeren Honig produzieren.

Das wachsende Umweltbewusstsein der Schülerschaft Zum Wald ist nicht verborgen geblieben. Am 15. September wird ihr das Gütesiegel „Haus der kleinen Forscher“ verliehen. Ein in mehrfacher Hinsicht wertvoller Titel, findet Frauke Hegemann. „Das macht den Kindern deutlich, dass sie etwas bewirken können, und dass es sich lohnt, Dinge selber in die Hand zu nehmen.“

Auch das gehöre zum Programm der Schule, Kindern „erlebbar“ zu machen, dass es auf die „Haltung“ ankommt, „die Welt so zu gestalten, dass möglichst alle noch lange auf ihr leben können“. Das ist mehr als ein Lernziel in einem Konzeptpapier. Frauke Hegmann holt die offizielle Einladung zur nächsten Sitzung des Schulparlaments hervor – mit fester Tagesordnung unter dem Kopfbogen. „Unsere Schülerinnen und Schüler sollen sehen, dass wir sie als Persönlichkeiten ernst nehmen.“ Die Zukunft hat längst begonnen.

(bp)
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