Alpen: MGV Martonair führt sein drittes Historical auf

Alpen : Die Kurfürstin löst Räuber Brinkhoff ab

Der Chor Martonair bringt jetzt sein drittes Historical auf die Bühne. Ein lustvolles Spektakel mit eigenen Texten und selbst komponierten Liedern.

Räuber Brinkhoff hat den darbenden Männerchor Martonair in einen Jungbrunnen gestürzt. Doch Räuber Brinkhoff ist tot. Es lebe die ewige Kurfürstin Amalie. Die hat es den singenden Männern gehörig den Kopf verdreht. Davon darf sich das Publikum beim dritten Historical überzeugen, das die musikalischen Jungs in Damenbegleitung und mit stimmlicher Unterstützung von Kindern auf die Bühne bringen. Vorfreude auf ein lustvoll barockes Spekakel ist berechtigt. Dass die inzwischen hohen Erwartungen nicht enttäuscht werden, dafür garantieren Theo Rous (83), der die Texte geschrieben hat, und Hans-Heimrich „Struppi“ Struberg (72), der das historische Treiben vertont hat. Schließlich sorgt Winfried Cleve (74) als erfahrener Theatermann dafür, dass die verrückte Geschichte ins Bild kommt.

Die Lust der drei ergrauten Herren zu fabulieren ist ungebrochen, frisch, quicklebendig, ansteckend. Bei aller Freude: Die drei verstehen die Kunst, Geschichte(n) so unterhaltsam zu erzählen, dass die Zeit dahin fliegt. Dabei ist das Sujet, das sie sich ausgeguckt haben im Grunde „pfurztrocken“, wie der Niederrheiner es ausdrücken würde. Die Geschichte spielt anno 1354, als Graf Gumprecht Alpen die Stadtrechte, mit Privilegien verbunden, verliehen hat. Das mag ein Grund gewesen sein zu feiern. Aber ob’s ein Fest gewesen ist, weiß kein Mensch.

Theo Rous, pensionierter Lateinlehrer, hat recherchiert, studiert und kam zu der Erkenntnis: „Was eignet sich besser für ein ausgelassenes Fest als ein mittelalterlicher Markt.“ Ein geschichtliches Proseminar sollte das neue Stück nämlich nicht werden. Die Szenerie ließ ihm viele Möglichkeiten. „Der geschichtliche Rahmen muss stimmen“, sagte der Mann des Wortes, „aber ansonsten kann man lügen, dass sich die Balken biegen.“ Gaukler, Tänzer, Marketender in Kostümen der Hansegilde aus Wesel sorgen für Jubel und Trubel in satten Farben.

Aber wie zum mittelalterlichen Markte kommen? Mit der „Fiffikonia“, eine Zeitmaschine als Zauberschiff, düsen drei Herren von Maria Nepicks aus – sie hat ,Den kleinen grünen Kaktus’ so gemocht – zurück in die Zeit der alten Rittersleut’. Für Soundeffekte sorgt Rous’ 16-jähriger Enkel Jonathan, fürs Bühnenbild Alfred Groß. Auf dem Markt landen die drei Sänger nach einer „Wahnsinnshimmelfahrt“. Hier wird gefeiert und gesungen.

Für Hobbychorsänger eine Herausforderung. „Hier ist gibt es keine feste Formation wie im Chor. Alle – bis zu 70 Leute – sind in Bewegung“, so Struppi Struberg, der 22 Lieder vertont hat. Alle ganz unterschiedlich, mal tänzerisch als Pavane und Gaillarde, fein abgestimmt auf die Bewegung, mal rockig über „Beutelschneider und Flaschgeldmünzer, da werden die Zeiten finster“, wie’s in der Liedzeile heißt. Zur Verleihung der Stadtrechte wählt er eine Psalm-Litanei. da wähnt man sich in einem feierlichen Hochamt. Ein Song ist, wie’s schon Fanta Vier „Mit Freundlichen Grüßen“ (MfG) gemacht, eine einzige Aneinanderreihung von Hansestädten.

Struppis Partitur hat 150 Seiten. Die Musik spielt ein 15-köpfiges Orchester. „Das Märchen bietet dem Dirigenten alle Möglichkeiten, sein musikalisches Genie auszutoben“, sagt Theo Rous. Er meint’s, wie er’s sagt. Das gilt auch beim Texten. Da wird Klartext gesprochen, hemmungslos, bisweilen derbe wie in der Arie des Stadtbüttels: „Ob Ritter, Bürger oder Bauer – hängt Euren Arsch auf des Städtchens Mauer ...“ Es wird gereimt, was das Zeug hält. Auf drei Zeitebenen. Die Markt-Wahrsagerin (Beate Stöckmann) prophezeit „An der Motte regiert dann Thomas der Flotte“. Der Bürgermeister bittet die drei, Alpener Platt sprechenden Zeitonauten, auf der Rückreise um 1600 Station zu machen, um Kurfürstin Amalia an Bord zu nehmen und mitzubringen, ins Städtchen, wo frischer Spargel wächst und der Apotheker Kretzer Pillen dreht.

Dass das Treiben auf der Bühne in dramaturgisch in geordneten Bahnen läuft, ist der Job von Regisseur Cleve, Schaupieler und Chef des renommierten Ensembles Son’Theater. Wie einst Hitschcock hat er auch eine kleine Rolle im Stück – als Nachtwächter. Ein doller Spaß“ finden die drei Historical-Macher in der Gewissheit, dass auch diesmal der Funke überspringen wird. Moral von der Geschicht’: Wer die ganze Wahrheit wissen will, soll in klugen Büchern nachlesen. Ob das so unterhaltsam ist wie das Historical darf trefflich bezweifelt werden.

Das Historical wird im Schulzentrum am Samstag und Sonntag, 22. und 23. September, jeweils 17 Uhr aufgeführt. Wegen der großen Nachfrage wird das Stück am Samstag, 29. September, um 17 Uhr ein drittes Mal aufgeführt. Eintritt: 15 Euro. Unterstützt werden die 32 MGV-Sänger von sangeskundigen Frauen aus Alpen und Büderich und wieder vom Kinderchor aus Kaiserwerth.

Karten bei Rudolf Thiesies Tel. 02802 813 oder Mail an rudolfthiesies@online.de; Gerd Verhalen, Tel. 02802 4078, Mail an gerd.verhalen@t-online.de; Hans-Heinrich Struberg,Tel. 0281 65800, Mail an struberg@t-online.de

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