Wilhelm-Koppers-Gemeinschaftsschule in Menzelen-Ost und Veen Grundschüler trommeln sich nach Togo

Menzelen/Veen · 89 Kinder der Wilhelm-Koppers-Gemeinschaftsschule in Menzelen-Ost und Veen nehmen an der Projektwoche Trommelzauber teil. Dabei lernen sie nicht nur exotische Rhythmen beim Profi, sondern auch viel über Afrika.

 Trommel-Coach Thomas Soukou gibt den Kindern den Rhythmus vor. 
  RP -Foto: Fischer

Trommel-Coach Thomas Soukou gibt den Kindern den Rhythmus vor. RP -Foto: Fischer

Foto: Armin Fischer (arfi)

Aus dem Adlersaal in Menzelen Ost klingen in dieser Woche ungewohnte, fast schon exotische Töne nach draußen. Kein Wunder. Die Kinder der Wilhelm-Koppers-Gemeinschaftsgrundschule sind dem Trommelzauber verfallen. Nach einer Idee von Johnny Lamprecht bieten die Profitrommler der schwäbischen Trommelzauber GmbH bundesweit Projektwochen an. Die gelten als pädagogisch extrem wertvoll. Kinder, aber auch Pädagogen sollen an der Trommel ihre Konzentration steigern, die Anforderungen an die eigene Motorik fördern oder den spielerischen Zugang zur eigenen Kreativität erfahren können.

„Nach der langen Zeit der Kontaktbeschränkungen war es uns ganz wichtig, wieder etwas gemeinsam zu machen“, berichtet Schulleiterin Birgit Kröll, die erst seit den Sommerferien an der Schule ist. Leichter gesagt als getan. Denn es ging darum, die beiden Schulstandorte in Menzelen-Ost und Veen einzubeziehen. Aber 89 Kinder plus Lehrer mit Abstand unterzubringen und die erforderlichen Hygienemaßnahmen einzuhalten, sei schlicht unmöglich gewesen.

Es mussten also getrennte Termine gebucht werden. Das hat die gute Sache natürlich erheblich teurer gemacht. „Mithilfe von Jupp Angenendt, der uns den Erlös aus dem Verkauf seines Foto-Kalenders überlassen hat, und mit Fördermitteln, die die Gemeinde uns besorgt hat, konnten wir das Projekt dann doch stemmen“, sagt Kröll dankbar.

Und dann stand da ja auch noch die Frage nach einem geeigneten Raum im Raum. Immerhin stehen sich jeweils zwei Trommelklassen gegenüber und das mit Abstand. „Zum Glück hat Uli Evers uns seinen Adlersaal für die gesamte Probenwoche kostenlos zur Verfügung gestellt“, sagt die Schulleiterin. Sie muss dabei sehr laut sprechen, weil die Erstklässler im Adlersaal unter Anleitung von Thomas Soukou alles geben.

„Das Schöne an dem Projekt ist die Gemeinsamkeit. Es gibt keine einzelnen Stars“, versichert Kröll. Der Star ist also die Mannschaft und die wiederum liebt ihren Coach. „Die Kinder haben ein tolles Rhythmusgefühl, lernen sehr schnell“, versichert Soukou, während er in der Pause Djembé-Trommeln an die Kinder verkauft.

Nicht alle nehmen das Angebot an. Manche zeigen auch bei der Wahl des Instrumentes Kreativität, weiß Brigitte Kröll von den Eltern: „Sie trommeln zu Hause auf Tupperschüsseln, Versandhauskartons und Topfdeckeln. Für unsere Schule hat die Sparkasse einen Trommelsatz gestiftet.“

Die Klassenlehrerinnen trommeln natürlich mit und wundern sich. „Es geht ja in erster Linie um Spaß, aber es ist auch ein hohes Maß an Konzentration gefragt. Immerhin dauert eine Trommeleinheit 60 Minuten, in denen die Kinder voll bei der Sache sein müssen“, so Kröll.

Für Thomas Soukou ist das kein Problem. Immer, wenn sich der gebürtige Togolese mit beiden Händen im Krallengriff an den Kopf fasst, sind die Kinder sofort ruhig und warten ab, was passiert. „Großartige Anweisungen gibt es nicht. Er trommelt einfach einen anderen Rhythmus und nach zehn Minuten ist man drin. Man macht einfach mit und ist dabei völlig losgelöst im Kopf“, erzählt Klassenlehrerin Susanne Drummen nach einem erfolgreichen Selbstversuch.

Weil immer nur eine Klasse im Adlersaal ist und die anderen in der Schule, wird das afrikanische Trommelprojekt voll in den Unterricht integriert. „In Sachkunde sprechen wir über Togo, im Kunstunterricht geht es um Elefanten und der Sport besteht aktuell aus Tanzunterricht“, erläutert Lehrerin Drummen.

Am Freitag ist die große Abschlussvorführung. Bei der sollten die Eltern eigentlich zur Musik ihrer Kids tanzen. Das muss leider wegen der Pandemie ausfallen. „Wir filmen alles mit mehreren Kameras. Der Film wird den Eltern in einem geschützten Online-Bereich zum Streamen zur Verfügung gestellt“, verspricht Birgit Kröll.

(erko)
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