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Alpen: Grünen-Politiker Stefan Engstfeld setzt auf Jungwähler 

Alpens Grüne im Europawahlkampf : Grünen-Politiker Stefan Engstfeld setzt auf Jungwähler

Zu Gast beim Ortsverband in Alpen forderte der Landtagsabgeordnete auch unpopuläre Maßnahmen für mehr Klimaschutz.

Die Mitgliederversammlung des Ortsverbandes der Grünen fand in einem ausgesprochen familiären Rahmen statt. Gerade einmal sieben Parteimitglieder trafen sich im Hinterzimmer der Gaststätte „Zum Dahlacker“. Dass der Ortsverband mit insgesamt 20 Mitgliedern zwar klein, aber höchst engagiert ist, machte Partei- und Fraktionssprecher Peter Nienhaus anhand des Rechenschaftsberichts deutlich.

Zum Beispiel beim Thema Kiesabbau: „In Drüpt hat der Widerstand lange Zeit ein wenig geschlummert. Wir haben geholfen, ihn zu aktivieren“, so Nienhaus. „Grundsätzlich müssen wir aus der Sache rauskommen, dass immer mehr Land nach dem Bedarf der Kiesindustrie ausgewiesen wird.“

Was die wirtschaftliche Lage der Gemeinde Alpen betrifft, sei man dank einer gut situierten Bevölkerung, die erhebliche Steueranteile ins Gemeindesäckel zahle, und des beachtlichen ehrenamtlichen Einsatzes gut aufgestellt. „Das kommt vor allem der CDU zugute“, erklärte Nienhaus. Aber er fügte auch neidlos hinzu: „Die CDU profitiert nicht nur davon, sie engagiert sich auch.“

Einige Projekte, die von seiner Partei in der Vergangenheit auf den Weg gebracht wurden, seien von der CDU-Mehrheit im Rat später, wenn auch in leicht modifizierter Form, umgesetzt worden. „Das haben wir mitgetragen, weil die Bevölkerung von uns erwartet, dass wir etwas verändern wollen“, so Nienhaus.

„Jung kauft Alt“ sei eines dieser Projekte, in dem es darum geht, dass junge Familien Altbauten kaufen, renovieren und dafür bis zu 7500 Euro Zuschüsse aus der Gemeindekasse erhalten. „Da hat sich die CDU schon ein wenig geärgert, dass die Idee nicht aus ihren Reihen gekommen ist“, sagte Nienhaus.

Zur Einstimmung auf die heiße Phase des Europawahlkampfs konnte der Ortsverband den Landtagsabgeordneten Stefan Engstfeld gewinnen. Der ging gleich in die Vollen mit der Erwartung, ein Wahlergebnis von über zwölf Prozent zu erreichen. Bedingt durch den zunehmenden Rechtsruck in Europa – „im schlimmsten Fall ist das EU-Parlament nach der Wahl zur Hälfte mit Politikern gefüllt, die antieuropäisch denken“ – erwartet Engstfeld eine sehr hohe Wahlbeteiligung vor allem von Jungwählern. „Mangelnde Konsequenz im politischen Handeln führt zu Bewegungen wie ,Fridays for Future’. Die Jugendlichen sagen: Macht endlich was, wir können den Klimawandel ja schon sehen“, erläuterte der Europa-Experte.

Engstfeld fordert auch unpopuläre Maßnahmen: „Wir sollten dem Beispiel der Schweden folgen und ab 2030 nur noch Autos zulassen, die abgasarm sind.“

Die steigende Kinder- und Altersarmut möchte die Partei unter anderem mit höheren Mindestlöhnen bekämpfen. Daneben haben sich die Grünen Korrekturen einer aus ihrer Sicht mangelhaften Agrarpolitik sowie mehr Steuergerechtigkeit auf die Fahnen geschrieben. Stefan Engstfeld: „Es kann nicht sein, dass Buchhändler brav ihre Steuern bezahlen und zusehen müssen, wie sich Großkonzerne armrechnen.“

Bei den anschließenden Wahlen wurde die Lehrerin Ursula Arens als stellvertretende Sprecherin des Ortsverbandes wiedergewählt.